19. November 2021
Bosch-Aktionstag
Bosch muss bleiben - gegen Stellenabbau und Verlagerungen
Bosch will abbauen und plattmachen. So geht Transformation nicht! Fast 2500 Beschäftigte haben für die Zukunft der Arbeitsplätze in Arnstadt/Thüringen, Bühl/Baden und München demonstriert. Beschäftigte aller Bosch-Standorte und vieler anderer Betriebe kamen - zum Solidaritäts-Aktionstag bei Bosch.

Fast 2500 Beschäftigte haben beim gemeinsamen Solidaritäts-Aktionstag bei Bosch für die Zukunft der Arbeitsplätze in Arnstadt/Thüringen, Bühl/Baden und München demonstriert. Bosch nutzt die Transformation aus, will massiv sparen, Personal abbauen und schließen – für mehr Profit.

Das Werk in Arnstadt/Thüringen stellt die Produktion von Lichtmaschinenreglern ein und hat keine Arbeit mehr für die 103 Beschäftigten. Dabei bricht Bosch einen Tarifvertrag mit der IG Metall, der betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2022 ausschließt – und Folgeprodukte vorsieht.

In Bühl/Baden will Bosch 1000 der 3700 Arbeitsplätze abbauen und in Billiglohnländer verlagern. Auch die Entwicklung ist massiv betroffen. Dabei geht es um Elektromotoren etwa für Fensterwischer, die auch in Elektroautos gebraucht werden.

In München will Bosch die Produktion von Kraftstoffpumpen und Ventilen billig verlagern und das Werk mit 265 Beschäftigten schließen. Dabei wäre Arbeit noch für acht, neun Jahre da. Und ein Alternativkonzept, das der Betriebsrat mit IG Metall und Experten erarbeitet hat.
 

Nach unzähligen Gesprächen: Zeit für Konflikt

Das lassen sich Beschäftigte, Betriebsräte und IG Metall nicht gefallen. Ihre Forderung: Bosch bleibt – überall. Deshalb sind auch Beschäftigte aller anderen Bosch-Standorte zum Aktionstag in Arnstadt, Bühl und München gekommen. Darüber hinaus kamen hunderte Metallerinnen und Metall aus anderen Betrieben. Ihr Botschaft: gegen Abbau – und für eine faire Transformation, einen fairen Wandel, alle gemeinsam, solidarisch.

„Bosch spaltet die Belegschaft in Gewinner und Verlierer des Strukturwandels“, kritisiert der Bosch-Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Frank Sell – und kündigte in seiner Rede eine Verschärfung des Konflikts an: „In den letzten Monaten haben wir unzählige Gespräche geführt, um konstruktive Lösungen für den Erhalt und Umbau der Standorte zu finden. Bisher ohne Ergebnisse. Daher ist es jetzt an der Zeit, in die Auseinandersetzung zu gehen.“


Kampf gegen Stilllegung in Arnstadt

Von den 300, die im thüringischen Arnstadt demonstrieren, kommen die meisten von den umliegenden Betrieben im Gewerbegebiet „Erfurter Kreuz“ – und aus anderen Bosch-Standorten: aus Ansbach, Berlin, Hildesheim, Salzgitter, Göttingen, Sebnitz und Eisenach. Ihre Betriebsräte sprechen, machen klar: Er geht hier um uns alle.

Die Eisenacher haben auch eine Delegation von Opel in Eisenach in ihrem Bus dabei, wo Betriebsrat und IG Metall gerade einen wichtigen Erfolg bei der Rettung des Werks erzielt haben. „Die Kolleginnen und Kollegen von Bosch haben uns dabei unterstützt“, meint eine junge IG Metall-Vertrauensfrau. „Deshalb sind auch wir heute hier. Es geht um Solidarität.“

Auch der thüringische Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ist da – und stellt sich klar hinter die Beschäftigten. Schließlich hat auch das Land Fördergelder für das Werk gezahlt. „Bosch muss sich an Gesetze und Tarifverträge halten. Verträge sind einzuhalten“, macht er klar.
 

Bosch bricht Gesetz und Tarifvertrag

Denn genau das tut Bosch in Arnstadt nicht. Die Führung verkündete überraschend das Aus, obwohl sie laut Gesetz darüber erst mit dem Betriebsrat reden muss. Vorschläge für neue Produkte, die Betriebsrat und IG Metall vorgelegt haben, wie vom Tarifvertrag vorgesehen, hat die Führung einfach beiseite gewischt. „Die wollen nicht mit uns über Alternativen sprechen, die wollen uns einfach auf die Straße setzen“, kritisiert Andy Poplawski, Betriebsratsvorsitzender von Bosch Arnstadt.

Und die im Tarifvertrag vereinbarte Beschäftigungssicherung bis Ende 2022 will Bosch so umgehen: Die 103 Beschäftigten sollen bis dahin freigestellt werden - bezahlt. Aber das wollen sie nicht. Denn sie wissen: Das wäre ein Tod auf Raten.

„Wir wollen arbeiten“, bekräftigen vier Frauen, die in Schichtarbeit montieren und bestücken. „So steht es ja auch in unserem Tarifvertrag. Die sollen Arbeit nach Arnstadt schaffen“.

80 Beschäftigte klagen jetzt mit Hilfe der IG Metall ihr vertragliches Recht auf Arbeit ein. Und sie kämpfen um ihre Zukunft.
 

Bosch-Führung versucht Kundgebung zu verhindern

Über 1500 Beschäftigte sind in Bühl dabei. Auch hier kommen viele von anderen Bosch-Standorten – aus Abstatt, Leonberg, Stuttgart, Schwieberdingen, Reutlingen, Karlsruhe und Homburg im Saarland - und aus anderen Betrieben in der Region. Eine Pizzeria bot sogar Gratis-Pizza für alle an. Ging leider nicht, wegen Corona.

Bosch fertigt in Bühl Elektromotoren für Fenster und Sitze. Mit dem Verbrenner-Antriebsstrang und der Transformation hat das nichts zu tun. Dennoch will Bosch massiv an Billigstandorte verlagern, nicht nur Produktion sondern auch Entwicklung – wegen der Kosten, heißt es ganz unverblümt. Die Arbeitsplätze von rund 1000 Beschäftigten stehen auf der Kippe.

„Die Transformation darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden“, machte der Betriebsratsvorsitzende Klaus Lorenz klar. Er forderte stattdessen „kreative Lösungen“ und kündigte weitere Aktionen an.

Vor dem Werk haben die IG Metall-Vertrauensleute am Vorabend symbolisch 250 Kreuze aufgestellt – was bei der Bosch-Führung für große Aufregung gesorgt hat. Sie versuchte die Kundgebung zu verhindern, verweigerte Strom und Wasser. Die Führungskräfte führten Gespräche mit Beschäftigten, nicht zur Kundgebung zu gehen, wegen Corona. Das berichten Beschäftigte übereinstimmend.


Für Zukunftsprodukte in München

In München haben 600 Menschen vor dem Bosch-Werk auf der Truderinger Straße demonstriert. Hunderte Beschäftigte aus anderen Bosch-Werken sind zur Demonstration angereist und haben ihre Münchner Kollegen unterstützt – aus Nürnberg, Bamberg, Blaichach und Stuttgart-Feuerbach.

Zudem kamen Metallerinnen und Metaller aus anderen Münchner Betrieben, etwa von BMW und MTU – aber auch Klimaaktivisten, die sich mit den Boschler*innen solidarisch erklärten: Klima und Arbeitsplätze dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.

„Die Uhr tickt. Alleine als kleines Werk hätten wir keine Chance. Aber dadurch, dass uns die anderen unterstützen, können wir etwas erreichen“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende des Münchner Bosch-Werks Giuseppe Ciccone. Dringend notwendig ist aus seiner Sicht auch eine Beteligung der Politik, um gemeinsam einen fairen Wandel zu schaffen.

Die Boschler in München fordern: Die Pumpen und Ventile sollen nicht billig verlagert werden sondern hierbleiben - und neue Produkte sollen kommen. Der Betriebsrat hat dazu bereits ein Alternativkonzept mit der IG Metall und Experten des Info-Instituts erarbeitet und dem Bosch-Management vorgelegt.

„Wir können nicht nur Kraftstoffpumpen herstellen, sondern auch Zukunftsprodukte fertigen oder innovative Serviceleistungen erbringen“, meint Ciccone. „Notfalls ketten wir uns an unsere Maschinen.“


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