26. Februar 2020
Ein demokratischer Prozess
So entsteht eine Tarifforderung
Tarifforderungen entstehen in einem demokratischen Prozess. Hierbei entscheiden die Gewerkschaftsmitglieder, wie viel oder was sie fordern und worüber sie mit dem Arbeitgeber verhandeln wollen. Die Tarifkommission spielt dabei eine zentrale Rolle.

Wie funktioniert eigentlich eine „Tarifrunde“? Und wie kommt die IG Metall zu ihren Forderungen für die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern?

Am Anfang debattieren die IG Metall-Mitglieder in den Betrieben und gewerkschaftlichen Gremien: Was sollen wir fordern? Mehr Geld – und wie viel? Oder müssen wir etwas bei den Arbeitzeiten machen? Darüber diskutieren Gewerkschaftsmitglieder, Vertrauensleute der IG Metall und Betriebsräte mit den Beschäftigten und geben sie als mögliche Forderungen gebündelt an die Tarifkommissionen weiter – oder bringen sie selbst direkt dort ein.

In den Tarifkommissionen der IG Metall sitzen Vertreterinnen und Vertreter der IG Metall-Mitglieder aus den Betrieben und Branchen, für die der Tarifvertrag gilt oder der neue Vertrag gelten soll – in der Mehrzahl Betriebräte und Vertrauensleute der IG Metall. Die Tarifkommission debattiert über die Diskussionen in den Betrieben, bündelt sie und entwickelt daraus gemeinsame Forderungen für konkrete tarifvertragliche Regelungen, die die IG Metall in den anstehenden Tarifverhandlungen durchsetzen will.
 

Die Tarifkommission stellt Forderungen auf und führt Verhandlungen. Gewählt wird sie von den Mitgliedern im Betrieb (für Haustarifverträge) oder von der Delegiertenversammlung (für Flächentarifverträge). Illustration: Stephanie Brittnacher

 

Vorstand bündelt Ergebnisse als Empfehlung

Die Mitglieder der Tarifkommissionen werden in den örtlichen Geschäftsstellen der IG Metall – oder bei Haustarifverträgen direkt im Betrieb – gewählt und sind für das Tarifgebiet – oder das Unternehmen – zuständig, für das der Tarifvertrag gilt. In der Metall- und Elektroindustrie gibt es zum Beispiel die Tarifgebiete Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Küste oder Sachsen-Anhalt. In jedem Tarifgebiet verhandelt die IG Metall gesondert mit den regionalen Arbeitgeberverbänden.

In der nun gestarteten Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie haben die regionalen Tarifkommission zeitglich am 15. Oktober die bisherigen Diskussion in den Betrieben zusammengefasst.

Die ersten Ergebnisse der Diskussionen in den Tarifkommissionen fasst der IG Metall-Vorstand dann in einer bundesweiten Empfehlung zusammen. In der diesjährigen Metall-Tarifrunde ist die Forderungsempfehlung des Vorstands für den 9. November geplant. Im Anschluss prüfen Vertrauensleute, Betriebsräte und IG Metall-Miglieder, ob die Empfehlung des Vorstands zu ihren Anforderungen in den Betrieben passt.


Ständig im Dialog mit der Basis

Die Mitglieder der Tarifkommission bleiben dabei ständig im Dialog mit den IG Metall-Mitgliedern im Betrieb. Sie vertreten die Anliegen ihrer Kolleginnen und Kollegen in der Kommission, informieren sie über die Diskussionen in der Tarifkommission und besprechen sie mit ihnen.

Auf Grundlage der geprüften und diskutierten Vorstandsempfehlung beschließen die regionalen Tarifkommissionen ihre Forderung für ihr Tarifgebiet, in der laufenden Metall-Tarifrunde am 17. November. Sobald der IG Metall-Vorstand die Forderungen abschließend bestätigt hat, stellen die IG Metall-Bezirksleitungen die für ihre Tarifgebiete beschlossenen Forderungen an die Arbeitgeber. Damit starten formal die Tarifverhandlungen, in der diesjährigen Metall-Tarifrunde im Dezember. Am 31. Dezember laufen die aktuellen Metall-Entgelttarife aus.


Tarifrunden - Metall und Elektro

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