Aktuell laufen die Debatten in den Betrieben und den Tarifkommissionen der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie über die Forderungen, die die Industriesparte für ihre anlaufende Tarifbewegung aufstellen will. Im Oktober beschließt der Vorstand der IG Metall die offizielle Forderung für die bundesweit 220.000 Beschäftigten bei Möbel-, Platten-, Fertighaus-, Caravan-Herstellern, Automobilzulieferern und weiteren Branchen. In die Entscheidung über die Forderung fließen unterschiedliche Themen ein: von der Lage in den Betrieben, über das Konsumklima bis zur Inflationsrate.
Inga Neumann, verantwortliche Tarifexpertin aus dem Vorstand der IG Metall, schätzt die Lage in den Betrieben sehr unterschiedlich ein. „In der Caravan-Branche werden zurzeit andere Gewinne erzielt als bei den Küchenbauern. Unsere Beschäftigten diskutieren über eine solidarische Forderung, die alle Bereiche fair abdeckt.“ Die IG Metall führt eine Umfrage in den Betrieben durch und will wissen, was den Beschäftigten wichtig ist für die kommende Tarifbewegung. Die Ergebnisse werden im Laufe der ersten Hälfte des September erwartet. „Wir können bereits ein großes Interesse in den Betrieben an der Tarifbewegung erkennen“, sagt Inga Neumann.
Beim Tarifauftakt der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie im Sommer in Frankfurt treffen Tarifkommissionsmitglieder aus den Betrieben auf die verantwortlichen Gewerkschaftssekretäre aus den Bezirken. Torsten Marschlich ist Mitglied der Tarifkommission sowie Betriebsrat bei dem Hersteller und Anbieter von Schalungs- und Gerüstsystemen Peri. Er findet, dass neben der guten Arbeitet, die geleistet wird, die Preissteigerungen ein wichtiger Grund dafür sind, warum die Löhne und Gehälter jetzt hoch müssen.
Das sieht auch Kollegin Regina Strobel von Ruf Betten so. „Wir wollen mehr Geld. Die Inflation trifft uns alle, alles wird teurer.“ Dem Bettenhersteller geht es wirtschaftlich gut. „Das erste halbe Jahr konnten wir gute Zahlen erzielen. Nach dem Sommerloch erhoffen wir uns jetzt für das Spätjahr weiter stabile Zahlen.“ Alles zusammengenommen erwartet und hofft die Betriebsrätin auf dauerhaft mehr Geld in den Taschen der Kolleginnen und Kollegen nach der Tarifbewegung.
Anders sieht die Lage bei dem Fertighaushersteller DFH aus. „Die Lage ist momentan ziemlich angespannt. Wir wurden verkauft und befinden uns jetzt auf einem radikalen Sparkurs. Gleichzeitig wurden so viele Mitarbeitende abgebaut, dass wir bereits in Schwierigkeiten geraten, wenn die Produktion wieder anzieht,“ sagt Betriebsrat und ebenfalls Tarifkommissionsmitglied Thomas Mohr. Dabei sei das größte Tief wohl überstanden, so Mohr. „Es geht langsam wieder bergauf.“ Der Betriebsrat mahnt, dass Fachkräfte fehlen und dafür attraktive Löhne und Gehälter notwendig sind. Ende Oktober werden die Tarifverträge gekündigt, Mitte November starten die Verhandlungen. Am 13. Dezember um 0 Uhr endet die Friedenpflicht, dann können Warnstreiks beginnen.