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Revolution Bildung - Interview mit Cheyenne Todaro

Weiterbilden - ein Leben lang

05.06.2014 Ι Bildung ist wichtig und die Bereitschaft zum Lernen ist groß. Doch damit sich mehr Beschäftigte weiterbilden können, muss die finanzielle Unterstützung durch die Arbeitgeber besser werden. Das sagt Cheyenne Todaro, Jugend- und Auszubildendenvertreterin bei Daimler in Mannheim.

Du hast Deine Ausbildung und Deine Prüfung schon hinter Dir. Ist damit das Thema Bildung für Dich abgeschlossen?

Cheyenne Todaro: Nein, überhaupt nicht. Ich habe 2009 bei Mercedes Benz in Mannheim eine Ausbildung zur KFZ-Mechatronikerin begonnen, vor etwa eineinhalb Jahren ausgelernt und bin jetzt Vorsitzende der Jugend- und Ausbildungsvertretung und freigestellt. Das Thema Bildung ist für mich überhaupt nicht abgeschlossen, im Gegenteil. Für mich ist klar: Eigentlich lernt man ja ein Leben lang.

 

Weiterbildung im Betrieb - das ist wichtig, egal wie alt man ist. Aber gerade ihr von der  Kampagne "Revolution Bildung" habt das Thema aufgegriffen. Warum?

Gerade junge Leute sind motiviert und wollen etwas dazu zu lernen. Doch Stress und Druck überall blockieren viele. Nicht nur im Betrieb, auch an den Schulen und den Universitäten nimmt der Stress zu - immer mehr Stoff wird in immer kürzerer Zeit durchgeboxt. Trotzdem wollen sich viele junge Menschen mit dem normalen Bildungsweg nicht zufriedengeben. Sie wollen nicht einfach nur die Schule beenden und anschließend arbeiten. Im Gegenteil: Sie wollen sich anschließend noch weiterqualifizieren. Zumindest trifft das auf die meisten Jungen zu. Da ich Jugend- und Auszubildendenvertreterin bin, kenne ich deren Wünsche. Und ich weiß, was in der Ausbildung und im Studium schief läuft.


Du arbeitest bei Daimler in Mannheim. In dieser Region gilt der Tarifvertrag Qualifizierung. Was müsste zusätzlich oder anders geregelt werden?

Der Tarifvertrag Qualifizierung ist ein guter Anfang, trotzdem muss darauf aufgebaut werden.


Wie genau?

Zurzeit ist es so, dass der Tarifvertrag Möglichkeiten für die persönliche Weiterbildung schafft. So kann man sich unbezahlt für fünf Jahre freistellen lassen mit Wiedereinstellungsgarantie. Die andere Möglichkeit ist, dass man für vier Jahre auf die Hälfte des Gehaltes verzichtet. Die eine Hälfte dieses Zeitraums arbeitet man voll und in der anderen Hälfte wird man für die Weiterbildung freigestellt und bekommt, obwohl man nicht arbeitet, das halbe Gehalt weiter. Problem dabei ist aber, dass es sich kaum jemand leisten kann, vier Jahre lang nur mit 50 Prozent des Entgeltes auszukommen.


Was müsste anders gemacht werden?

Wir brauchen eine zusätzliche finanzielle Förderung der persönlichen Weiterbildung durch den Arbeitgeber. Auch in der Altersteilzeit gibt es ja eine zusätzliche Aufstockung zum halben Entgelt, damit sich die Kolleginnen und Kollegen den Ausstieg aus dem Arbeitsleben leisten können. Mit einer solchen finanziellen Förderung würden mehr Beschäftigte an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen und davon profitieren auch die Unternehmen.


Heute macht ihr unter dem Motto "Move it! Gemeinsam für Weiterbildung" in vielen Städten Aktionen. Wie geht es anschließend weiter?
Der Aktionstag ist unser erster großer Aufschlag zu dem Thema in der Öffentlichkeit. In den nächsten Monaten wollen wir unsere Vorstellungen innerhalb der IG Metall diskutieren.

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