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Für eine gute Ausbildung

Wohin geht's mit der Qualität der Ausbildungsberufe?

08.09.2011 Ι Ausbildung bedeutet Zukunft. Zukunft für junge Menschen, für die Betriebe und die Gesellschaft. Dafür brauchen wir nicht nur genug Ausbildungsplätze, sondern auch eine gute Ausbildungsqualität. Doch da hapert es oft in Betrieben und Berufsschulen. Die IG Metall-Jugend will das verbessern und hat dazu eine Initiative gestartet.
Eine gute Ausbildung ist heute die Voraussetzung für einen guten Arbeitsplatz und für ein gutes Leben. Sonst drohen schlecht bezahlte Jobs, Leiharbeit oder Arbeitslosigkeit. Das betrifft vor allem junge Menschen. Dabei ist eine gute Ausbildung auch für Betriebe eine lebenswichtige Investition in die Zukunft. Gerade jetzt, wo immer mehr Unternehmen über Fachkräftemangel klagen.

Viele Betriebe haben in den letzten Jahren nicht nur zu wenig Nachwuchs ausgebildet, sondern vor allem auch die Qualität der Ausbildung vernachlässigt. Viele Firmen missbrauchen Auszubildende mit "ausbildungsfremden Tätigkeiten" als billige Hilfskräfte, statt ihnen die vorgeschriebenen Fertigkeiten für ihren Beruf beizubringen. Oft fehlt geeignetes Ausbildungspersonal, das sich wirklich auf die Azubis konzentriert.

Normale Facharbeiter sollen sich nebenher "mal darum kümmern". Selbst in größeren Betrieben betreut ein Ausbilder bis zu 30 Azubis verschiedener Berufsfächer. Zudem wird die Ausbildung immer mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen Unternehmen zugeschnitten: Azubis lernen "praxisnah" vor allem das, was der Betrieb kurzfristig braucht. Für die Azubis ist eine lückenhafte Ausbildung fatal, selbst wenn sie die Prüfung noch hinbekommen: Wenn sie die Firma wechseln, stehen sie mit Halbwissen da und sind überfordert.



Stiefkind Berufsschule

Besonders schlecht ist die Ausbildungsqualität an vielen Berufsschulen. Das zeigen IG Metall-Umfragen unter Azubis: sanierungsbedürftige Gebäude, veraltete Ausstattung, zu wenige und überforderte Berufsschullehrer, mangelnde Abstimmung des Lehrplans mit den Betrieben. Auch die Unternehmen klagen. Kein Wunder: Der Staat spart die Berufsschulen kaputt. Je Schüler gibt es im Schnitt gerade mal 2200 Euro im Jahr, kaum halb so viel Geld wie für die allgemeinbildenden Schulen.

Berufsschulen nutzen daher immer öfter jede Möglichkeit, um von den Schülern Geld einzutreiben, bis hin zu Abgaben für die Toilette. Immer mehr Schulen lassen sich von Unternehmen Material, zeitgemäße Maschinen und PCs stiften. Die Gefahr: Die großen Betriebe geben den Ton an - auf Kosten der kleinen.

So geht gute Ausbildung

Eine gute Ausbildung heißt vor allem, dass sich Betriebe an die Ausbildungsrahmenpläne halten. Dort steht genau, was ein Mechatroniker, ein Holzmechaniker oder eine Produktdesignerin können soll. Die Ausbildungsrahmenpläne werden von Fachleuten aus den Betrieben, den Kammern und den Gewerkschaften - also auch der IG Metall - entwickelt und ständig nach den Anforderungen in den Betrieben modernisiert.

Allerdings muss dann auch kontrolliert werden: Vermitteln die Betriebe denn wirklich, was in den Ausbildungsrahmenplänen steht? Genau das passiert leider oft nicht. Sondern nur das Ergebnis, die Leistung der Azubis wird kontrolliert, nach selbst angelegten Maßstäben und Momentaufnahmen. Oft kennen Ausbilder ihre Azubis kaum, beurteilen sie aber trotzdem. "Azubi kannn icht schweißen", heißt es dann bei der Leistungskontrolle. Dabei hat dem Azubi vielleicht einfach nie jemand das Schweißen gezeigt. So geht es nicht. Es muss andersherum laufen. Dafür setzen sich IG Metall und Betriebsräte in den Betrieben ein: Ausbildungsstandskontrollen (wird der Rahmenplan wirklich eingehalten?) statt Leistungskontrollen.

Sozial ist besser

Eine gute Ausbildung muss soziale Aspekte berücksichtigen. Die Unternehmen müssen auch schwächeren Schülern eine Chance geben, statt nur die besten herauszupicken und Hauptschüler gleich auszusieben. Schwächere Schüler können gut werden, wenn sie gefördert werden. Etwa durch eine einjährige Qualifizierung im Betrieb vor Ausbildungsbeginn, wie sie die IG Metall in Nordrhein-Westfalenim "Tarifvertrag zur Förderung der Ausbildungsfähigkeit" durchgesetzt hat. Die Erfahrungen dort zeigen: Wer schwächere Kandidaten ausbildet, schadet keineswegs den "besseren". Im Gegenteil: Auch Leistungsstarke profitieren. Sie überdenken Lerninhalte noch einmal besser, wenn sie sie anderen erklären. Und ihre soziale Kompetenz verbessert sich. Sie lernen, Rücksicht auf Kollegen zu nehmen, die nicht "olympiareif" sind und auf Ältere und gesundheitlich Angeschlagene.

Eine gute Ausbildung sichert die Zukunft der Azubis und ist eine Investition in Fachkräfte, die mit dem Betrieb und seinen Produkten vertraut sind. Für die Zukunft unserer Gesellschaft wird eine gute Qualifikation der Menschen immer wichtiger. Deshalb hat die IGMetall- Jugend die Initiative "Aktiv für Ausbildungsqualität" in den Betrieben gestartet. Sie fragt die Azubis: "Wo hängt es? Was können wir verbessern?" Erste Ergebnisse sind schon da. Das Ziel: eine gute Ausbildung für alle.
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Der Autor
Martin Vahlefeld, 34, ist im Ressort Junge IG Metall unter anderem für Ausbildungsqualität und Berufsschulen verantwortlich. Vahlefeld hat bei Siemens in Mülheim an der Ruhr eine Ausbildung als technischer Zeichner gemacht. Für die IG Metall arbeitete er in Mitgliederprojekten und in der Verwaltungsstelle Duisburg.
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