DIGITALE PRESSEMAPPE ZUM 1. MAI
IG Metall zum 1. Mai: Gewerkschaften sorgen in der Coronakrise für Sicherheit und Stabilität

Jörg Hofmann: „Die Krise hat gezeigt: Wir sind handlungsfähig. Das macht Mut für die Zukunft.“ +++ Kosten der Krise nicht einseitig bei den Beschäftigten abladen +++ Politik muss bei E-Mobilität und Energiewende entschlossener handeln


Frankfurt am Main – Die Gewerkschaften haben sich in der Pandemie als Stabilitätsfaktor bewährt. Sie sind unverzichtbar, um die gegenwärtige Krise als Gesellschaft weiterhin gut zu bewältigen. Darauf hat der Erste Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, anlässlich des Tags der Arbeit am 1. Mai hingewiesen.

„Wir haben es bis heute geschafft, die größte Krise der Nachkriegszeit ohne Massenarbeitslosigkeit zu überstehen – und zwar mit den Mitteln des aktiven Sozialstaates, mit Flächentarifen und einer funktionierenden Sozialpartnerschaft. Das macht Mut für die Zukunft, denn es zeigt: Wir sind handlungsfähig und können darum auch Herausforderungen wie die Transformation der Wirtschaft meistern“, sagte Jörg Hofmann am Donnerstag in Frankfurt am Main.

Als Beleg für die Wirksamkeit gewerkschaftlichen Handelns auch unter den schwierigen Bedingungen einer Pandemie verwies Hofmann auf die jüngsten Tariferfolge der IG Metall. „Unter dem Motto Maske – Abstand – Arbeitskampf haben wir coronakonform Druck aufgebaut. Der Erfolg sind stabile Entgelte, der Einstieg in Zukunftstarifverträge, die Perspektiven für Standorte und Beschäftigte sichern, und neue Instrumente zur gerechten Verteilung des Arbeitsvolumens wie die 4-Tage-Woche. Es sind Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit.“ Und weiter: „Wir stehen aktuell in Berlin-Brandenburg-Sachsen noch mitten in der Tarifauseinandersetzung um eine Angleichung der Arbeitsbedingungen in Ost und West. Es muss jetzt ein Signal der Arbeitgeber geben, dass diese Spaltung des Landes überwunden werden kann. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit und der Verantwortung.“

Mit Blick auf die großen Zukunftsthemen E-Mobilität und Energiewende forderte Hofmann die Politik zu entschlossenerem Handeln auf: „Wir brauchen mehr Investitionen in die Ladeinfrastruktur für E-Autos und müssen die Stromnetze deutlich ausbauen. Wir brauchen mehr grünen Strom, die Energiewende kommt nicht schnell genug voran.“

Im Zuge des Umbaus unserer Industrie werden ganze Regionen ihre industrielle Prägung verändern, wenn sie zum Beispiel bisher noch überwiegend von Komponenten für Verbrennungsmotoren leben. „Hierzu braucht es einen aktiven Staat, der die Transformation flankiert, indem er zum Beispiel regionale Infrastruktur, Weiterbildung, Qualifikation, Forschung und Zukunftsinvestitionen fördert“, so Jörg Hofmann.

Vor der Bundestagswahl im Herbst wird sich die IG Metall im Sinne der Beschäftigten in den Wahlkampf einbringen, kündigte Hofmann an: „Die zentralen Fragen sind: Was planen die Parteien, damit die Gesellschaft durch die Transformation nicht noch stärker gespalten wird? Und wer soll die Kosten der Krise zahlen? Daran werden wir die Wahlprogramme messen. Wir werden nicht zulassen, dass die Lasten einseitig bei den Beschäftigten abgeladen werden.“


 

Weitere Statements der geschäftsführenden Vorstandsmitglieder zur redaktionellen Verwendung:

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall

In Folge der Pandemie hat sich die Ungleichheit in unserem Land und global weiter verstärkt. Die Transformation unserer Arbeitsgesellschaft durch Digitalisierung und Dekarbonisierung birgt die Gefahr, diese Ungleichgewichte noch zu verschärfen, die Gesellschaft zu spalten in Gewinner und Verlierer. Umso wichtiger ist es, eine gesellschaftliche Gegenmacht zu haben, durch starke Gewerkschaften. Der gewerkschaftliche Gedanke der Solidarität ist aktueller denn je. Das Motto des 1. Mai „Solidarität ist Zukunft“ könnte treffender nicht gewählt sein.

Gewerkschaften haben in ihrer Geschichte immer wieder mit hartem Widerstand und großen Herausforderungen zu kämpfen gehabt. Oft sind wir gestärkt daraus hervorgegangen – zum Wohle des gesellschaftlichen Fortschritts. Jetzt ist wieder eine Umbruchzeit, in der die gewerkschaftlichen Ideale und auch ihre Kampfkraft und Durchsetzungsstärke gefragt sind. Auf uns kommt es jetzt an. Wir können es wieder schaffen – gemeinsam und solidarisch.

 

Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall:

Solidarität heißt, den Beschäftigten Schutz und Sicherheit zu bieten. Sie sorgen engagiert dafür, dass unsere Gesellschaft auch während der Corona-Pandemie weiter funktioniert: In Krankenhäusern und Pflegeheimen, an den Supermarktkassen, in der Produktion, in Werkstätten und Büros. Das sind für mich die Heldinnen und Helden der Corona-Krise. Applaus und Wertschätzung reichen nicht.
Sie haben mehr verdient: Mehr Geld und mehr Mitsprache an den Entscheidungen in Politik und Wirtschaft. Wir müssen Weichenstellungen für eine gute Zukunft treffen: Digitalisierung, Elektromobilität und grüner Stahl sind gewaltige Herausforderungen. Um sie erfolgreich zu gestalten, brauchen wir mehr Mitbestimmung für Betriebsräte und Beschäftigte. Wir brauchen mehr Investitionen in Infrastruktur, in Bildung, für den klimagerechten Umbau von Gesellschaft und Wirtschaft. So gestalten wir Zukunft. Solidarität heißt, dass wir - gerade nach Corona - für eine gerechtere Umverteilung in diesem Land sorgen.

 

Jürgen Kerner, Hauptkassierer der IG Metall:

Seit über einem Jahr halten die Beschäftigten trotz aller Widrigkeiten „das Geschäft am Laufen“. Das „Dankeschön“ der Arbeitgeber war vergiftet. In den Tarifrunden wollten sie die Krise nutzen: für Lohndrückerei und Abschaffen erkämpfter Standards. Nicht mit uns!

Corona hat den Druck auf die Luftfahrtindustrie massiv erhöht. Und was macht Europas größter Konzern? Airbus destabilisiert die Lage weiter! Die Konzernspitze will die Tochter Premium Aerotec zerschlagen und Standortkonkurrenz auf Kosten der Beschäftigten schaffen. Nicht mit uns! Der Weg zum klimaneutralen Fliegen funktioniert mit den Beschäftigten – nicht gegen sie.

Die Energiebranche steht in der Transformation. Siemens Energy will den Wandel von fossiler zu regenerativer Energie den Beschäftigten aufbürden. Rund 3.000 Jobs sollen gestrichen oder in Niedrigkostenländer verlagert werden. Nicht mit uns! Wir wollen den Wandel gestalten durch neue Geschäftsfelder und Technologien, durch Qualifizierung der Beschäftigten.

Solidarität ist Zukunft! Wir stehen in Betrieben und Branchen zusammen. Wir gestalten die Zukunft unserer Industrien mit – ökologisch, sozial, demokratisch.

 

Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall:

Die Industrie unseres Landes steckt in einem tiefgreifenden Wandel. Klimaschutz, Corona-Krise, Turbulenzen auf den internationalen Märkten und technologischer Wandel führen zu tiefgreifenden Veränderungen. Die Transformation muss sozial, ökologisch und demokratisch gestaltet werden, mit den Beschäftigten gemeinsam.

Wir fordern eine Investitionsoffensive in Zukunftstechnologien und neue Produkte, eine aktive Industriepolitik, eine begleitende Strukturpolitik sowie eine vorausschauende Arbeitsmarkt- und Qualifizierungspolitik.

Eine aktive Industriepolitik braucht Förderinstrumente, die Standorte, Beschäftigung und gute Arbeit sichern. Strukturpolitik unter Beteiligung der zentralen regionalen Akteure kann und muss regionale Zukunftskonzepte und industrielle Perspektiven für die Region erarbeiten.

Ein Beispiel dafür ist die Transformationswerkstatt Saar (TWS). Unsere Geschäftsstellen vor Ort arbeiten dort eng mit der Landesregierung, der Arbeitskammer und den Weiterbildungsinstitutionen zusammen, um Kompetenzen zu bündeln und den industriellen Wandel zu gestalten.

 

Ralf Kutzner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall:

„Bisher sind die tarifgebundenen Handwerksbetriebe gut durch die Pandemie gekommen. Hier zeigte sich wieder einmal, wie wichtig Solidarität ist. Für mich ist sie der Schlüssel für gute Vereinbarungen, wie der Aufstockung zum Kurzarbeitergeld insbesondere in den Kfz-Betrieben. Und wenn es mal nicht ganz so läuft, hilft die IG Metall mit Zukunftstarifverträgen die Beschäftigung und die Einkommen zu sichern, auch im Handwerk. Tarifverträge, die zur Branche passen, gut organisierte Belegschaften, die solidarisch Verantwortung tragen, das zeichnet gute Handwerksarbeit aus. So kommen wir nicht nur gut durch die Krise, sondern vor allem sicher in die Zukunft. Das wir auch in Klein- und Mittelbetrieben so erfolgreich sind, ist dabei enorm wichtig für die ganze IG Metall. Denn wenn wir die Kerne der industriellen Arbeit erhalten wollen, müssen wir die Ränder stark machen. Viele Kolleg*innen in den Betrieben als Betriebsräte oder Jugendvertreter, aber auch als Mitglieder in den Vollversammlungen der Handwerkskammern, sorgen jeden Tag dafür, dass das gelingt“.

 

Irene Schulz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall:

Ob digital oder in Präsenz – der 1. Mai 2021 ist unser Tag. Er steht unter dem Motto „Solidarität ist Zukunft“.

Solidarität ist nicht weniger als die Grundlage unserer gewerkschaftlichen Arbeit. Denn wer solidarisch handelt, schafft Bewegung. Wer solidarisch handelt, schafft Fortschritt. Und genau das tun wir in den Betrieben, in den Regionen und in der Gesellschaft.

Solidarität ist die Basis unserer Tarifverträge: Wir haben gezeigt, dass „Maske-Abstand-Arbeitskampf“ funktioniert und zu zukunftsfähigen Tarifabschlüssen führt.

Solidarität ist der Rückenwind für unsere Kolleginnen und Kollegen in Berlin, Brandenburg und Sachsen: Sie kämpfen für die längst überfällige Angleichung der Arbeitsbedingungen.

Solidarität ist die Kraft, die in den letzten Monaten die Gesellschaft zusammengehalten hat. Sie ist unsere Alternative zu Ausgrenzung, Spaltung und Rassismus. Solidarität ist Zukunft!

 

Dr. Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall:

Gute Arbeit, soziale Demokratie und globale Solidarität – diese Ziele durchzusetzen gehört zu den zentralen Aufgaben der Gewerkschaften. Die Corona-Pandemie stellt uns hier vor zusätzliche Herausforderungen. Doch soziale Distanz und gemeinsamer Kampf für eine bessere Zukunft sind nur auf den ersten Blick ein Gegensatz. Gerade jetzt schlägt die Stunde der Solidarität, wollen wir das Virus erfolgreich bekämpfen. Mit Blick auf die Arbeitswelt heißt Solidarität aktuell: Den Beschäftigten in der Produktion die Gesundheit vor dem Virus schützen und jenen im Homeoffice ihr Recht auf gute und gesunde Arbeit sichern. Solidarität bedeutet aber auch, allen Menschen ein Mindestmaß an sozialer Sicherheit zu garantieren. Deshalb: alle rein in die Solidarsysteme, ob bei den Krankenkassen oder der Rente. Und Solidarität verlangt bei der Transformation unserer Wirtschaft danach, keine Spaltung in Gewinner und Verlierer zu akzeptieren – sondern den ökologischen Wandel gemeinsam sozial zu verfassen.

 

DGB Livestream zum Tag der Arbeit: Solidarität ist Zukunft - am 1. Mai 2021 ab 14 Uhr 

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