19. August 2020
Ergänzungstarifvertrag sichert Jobs bei MTU Maintenance Hannover
Verlängerung für Befristete – aber nur für IG Metall-Mitglieder
Befristet Beschäftigte bei MTU Maintenance Hannover bleiben an Bord, trotz Corona-Flaute – aber nur, wenn sie IG Metall-Mitglied sind. Das hat die IG Metall mit einem Ergänzungstarifvertrag durchgesetzt. Der Betrieb kann dadurch Fachkräfte für die Zeit nach Corona halten.

Tarifvertrag nutzt Öffnungsklausel im Gesetz

Der neue Ergänzungstarifvertrag bei MTU Maintenance Hannover nutzt eine Öffnungsklausel im Teilzeit- und Befristungsgesetz. Eigentlich schreibt das Gesetz vor, dass befristete Arbeitsverträge ohne Sachgrund maximal 24 Monate laufen dürfen. Allerdings erlaubt das Gesetz, dass Gewerkschaften und Arbeitgebern in Tarifverträgen eine längere Laufzeit vereinbaren können.

300 befristet Beschäftigte haben durch den neuen Tarifvertrag nun eine Perspektive, obwohl ein Großteil der Beschäftigten hier in Langenhagen im Norden von Hannover in Kurzarbeit ist, vor allem im Reparaturbereich.

„Unter den derzeitigen Corona-Bedingungen würde MTU niemals fest einstellen“, erklärt Dirk Schulze, Verhandlungsführer und Erster Bevollmächtigter der IG Metall Hannover. „Ohne unseren Tarifvertrag würden die befristen Verträge einfach auslaufen und die Leute wären raus.“


Win-Win-Win-Situation – für Beschäftigte, Unternehmen und IG Metall

Auch das Unternehmen profitiert vom Ergänzungstarifvertrag. MTU kann die qualifizierten Fachkräfte halten. „Die Wartung der zahlreichen verschiedenen Triebwerksmuster erfordert Spezialkenntnisse, die das Unternehmen auch in Zukunft braucht“, erklärt Kai Eisenblätter, Betriebsratsvorsitzender bei MTU Hannover. „Wir haben unsere befristet Beschäftigten gezielt dafür qualifiziert. Dadurch können wir sie nun halten, bis sich die wirtschaftliche Lage wieder verbessert – und sie dann hoffentlich unbefristet übernommen werden.“

Und schließlich haben die Mitglieder der IG Metall einen konkret erlebbaren Bonus von ihrer Mitgliedschaft. Darüber sind in wenigen Wochen etwa 100 neue Mitglieder in die IG Metall eingetreten, die so ihre Chance auf Weiterbeschäftigung erhöhen möchten. Die Vertrauensleute der IG Metall bei MTU Hannover haben in den letzten Tagen ausführlich über die Regelungen informiert, unter anderem in ihrer Betriebszeitung „Schlaumacher“, und führen jetzt Gespräche mit den befristet Beschäftigten in der Halle.


„No-Go“ durchbrochen: Vorteil für IG Metall-Mitglieder

„Fast täglich kommen Leute und wollen in die IG Metall eintreten“, berichtet Karsten Roß, Leiter der IG Metall-Vertrauensleute im Betrieb. „Es gab auch einige wenige, die von ‚Erpressung‘ reden. Aber fast alle, mit denen wir gesprochen haben, finden die Regelung gut. Denn nur mit genügend Mitgliedern können wir solche Tarifverträge auch durchsetzen. Seit Jahren kämpfen wir für Vorteile für IG Metall-Mitglieder. Bis jetzt war das ein absolutes No-Go bei uns. Doch mit dem Ergänzungstarifvertrag ist uns nun der Durchbruch gelungen.“

Normalerweise wehren sich Arbeitgeber mit Händen und Füßen gegen exklusive Vorteile für IG Metall-Mitglieder – und gewähren lieber freiwillig auch den Nicht-Mitgliedern Löhne und andere Vorteile aus Tarifverträgen der Gewerkschaft, auf die eigentlich nur Mitglieder einen rechtlichen Anspruch haben. Damit wollen sie Eintritte in die IG Metall verhindern. Doch schließlich gab auch der Arbeitgeberverband grünes Licht für die Bevorzugung für IG Metall-Mitglieder bei MTU.

„Als IG Metall handeln wir in erster Linie Verbesserungen für unsere Mitglieder aus, die dafür jeden Monat ihren Gewerkschaftsbeitrag zahlen und sich aktiv beteiligen“, macht Dirk Schulze von der IG Metall Hannover klar. „Hier bei MTU Hannover ist uns eine Regelung gelungen, die wir exklusiv für unsere Mitglieder zur Anwendung bringen werden.“


Corona-Krise

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