IG Metall und Arbeitgeber wollen die Tarifverträge im Kfz-Handwerk Nordost (umfasst alle östlichen Bundesländer) harmonisieren. Die Auszubildenden profitieren bereits massiv: Ab August steigen die monatlichen Ausbildungsvergütungen in den östlichen Bundesländern um bis zu 184 Euro, auf 1088 Euro monatlich im ersten Ausbildungsjahr bis 1244 Euro im vierten Ausbildungsjahr für alle.
Das haben IG Metall und Arbeitgeber bereits in der Tarifrunde vergangenes Jahr vereinbart. Nun wollen IG Metall und die Tarifgemeinschaft Mitteldeutsches Kraftfahrzeuggewerbe (TG MDK) auch die Tarifverträge der übrigen Beschäftigten im Kfz-Handwerk Nordost harmonisieren. "Fachkräftesicherung im Kfz-Handwerk in Ostdeutschland kann flächendeckend nur mit guten tarifgebundenen Arbeitsbedingungen gelingen", heißt es in dem gemeinsamen Tarifpartnerpapier.
IG Metall und Arbeitgeber betonen die Herausforderungen durch die tiefgreifende Transformation des Kfz-Handwerks: die Digitalisierung, neue Mobilitätskonzepte, veränderte Kundenbedürfnisse sowie der Übergang zu alternativen Antriebsformen. Autohäuser und Werkstätten müssen massiv in neue Technologien investieren, in Werkstattausrüstungen und digitale Prozesse, während Wettbewerbsdruck und Fachkräftemangel steigen.
Das Tarifpartnerpapier betont: Die Mobilitätswende ist ohne qualifizierte Fachkräfte nicht zu bewältigen. Die Branche benötigt gut ausgebildete Beschäftigte – sowohl in technischen Berufen als auch im kaufmännischen Bereich. Gleichzeitig müssen Betriebe wirtschaftlich tragfähige und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen erhalten, um die Transformation erfolgreich zu meistern. Beide Tarifparteien sehen hierin eine gemeinsame Verantwortung von Gewerkschaften, Arbeitgebern, Politik und Betrieben.
IG Metall und Arbeitgeber gehen nun zunächst die Harmonisierung der unterschiedlichen Tarifverträge im Kfz-Handwerk Nordost an: In den Bundesländern Mecklenburg Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen Anhalt und Thüringen gibt es teils deutlich unterschiedliche Regelungen. Zudem geht es auch um die Modernisierung der oft Jahrzehnte alten Regelungen. Dazu vereinbarten IG Metall und Arbeitgeber einen strukturierten Dialogprozess, die „Erfurter Gespräche“.
„Wir haben einen guten, fachlichen Austausch mit den Arbeitgebern. Bei den Azubis ist uns bereits ein Durchbruch gelungen, auf dem höchsten Niveau aller ostdeutschen Bundesländer“, meint Thomas Jagmann, Betriebsratsvorsitzender im Audi-Zentrum Leipzig. „Wir gehen jetzt zunächst die Manteltarifregelungen wie Urlaub, Urlaubs- und Weihnachtsgeld an. Danach erst kommen die Entgelttarife, wo wir erhebliche Unterschiede haben. Allerdings würde ich mir von den Arbeitgebern noch etwas mehr Mut für Modernisierungen wünschen, angesichts des Marathons, der uns bevorsteht.“
Die Modernisierung der Tarife soll sowohl die Verbandsarbeit der Arbeitgeberseite als auch die Mitgliederbasis der IG Metall stärken. Besonders heben beide wird die zunehmende Bedeutung digitaler Arbeitsformen. Arbeiten 4.0 erfordert tarifpolitische Antworten, die Flexibilität ermöglichen, ohne soziale Standards aufzugeben.
„Klar wollen die Arbeitgeber das möglichst kostenneutral machen – trotz Fachkräftemangel“, meint Sandra Adler, Betriebsratsvorsitzende bei S&G in Halle und Mitglied der Verhandlungskommission. „Und die Regelungen in den einzelnen Tarifgebieten sind teils sehr unterschiedlich. Wenn wir die vereinheitlichen, müssen wir alles im Blick behalten. Das wird nicht einfach. Aber wir haben eine gute Grundlage, die Arbeitgeber sind grundsätzlich bereit, mit uns die Harmonisierung anzugehen - und sie wollen auch die Tarifbindung stärken.“