12. April 2018
Besser mit Betriebsrat
Verlagerung nach China abgewendet
Der Hersteller für Mobilfunkinfrastruktur Andrew Wireless Systems wollte seine komplette Produktion samt produktionsunterstützender Bereiche nach China verlagern. Die Belegschaft wollte der Arbeitgeber um mehr als ein Drittel reduzieren. Doch die Beschäftigten gründeten einen Betriebsrat.

Die Produktion sollte nach China verlagert werden. Mehr als ein Drittel der über 300 Beschäftigten bei Andrew Wireless Systems im bayerischen Buchdorf sollten bis Ende 2017 ihre Arbeitsplätze verlieren. So sah es vor einem Jahr aus.

Doch es kam anders. Die Beschäftigten haben mithilfe der IG Metall erstmals einen Betriebsrat gegründet. Gemeinsam mit der IG Metall und Alexander Nerlinger, Anwalt für Arbeitsrecht, ging die Geschäftsleitung auf die Verhandlungen über einen Interessenausgleich mit Sozialplan ein. Dieser ermöglichte einigen Beschäftigten, freiwillig mit Abfindungen auszuscheiden. Dadurch wurden betriebsbedingte Kündigungen komplett verhindert.


Arbeitsplatzverlust abgewendet

Der Betriebsrat konnte zusammen mit IG Metall, Anwalt und der Geschäftsleitung ein tragfähiges Konzept für den Produktionsstandort Buchdorf ausarbeiten. Der verbleibende Teil der Produktion in Buchdorf wird sich auf definierte Produktlinien und Kleinserien konzentrieren.

Forschung und Entwicklung am Standort blieben unberührt.

Der Stellenabbau fiel somit bedeutend geringer aus.

„Wir haben der Geschäftsleitung aufgezeigt, dass ihre Pläne wenig durchdacht sind und sie damit ihr Geschäft riskieren“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Dietrich Schmid, der als technischer Redakteur in der Entwicklung arbeitet.

 

Frühzeitiges Handeln wichtig

Die Gründung des Betriebsrats bei Andrew ging von einigen Beschäftigten aus, die sich Anfang letzten Jahres bei der IG Metall in Augsburg meldeten. Gerüchte über die Verlagerung machten bereits die Runde im Betrieb. Im März informierte die Geschäftsleitung dann die Belegschaft.

„Ohne Betriebsrat hätten die Beschäftigten bei Andrew keine Handhabe gehabt, die Verlagerung abzuwenden“, macht Schmid klar. „Das war ein steiniger Weg für uns als Anfänger, und die vielen Paragrafen haben uns schon abgeschreckt. Aber mit den Schulungen für Betriebsratsarbeit wurde es besser. Wir sind natürlich stolz darauf, was wir erreicht haben und unsere Kolleginnen und Kollegen sehen das auch so. Es ist wichtig die Betriebsratsgründung voranzutreiben, bevor man vor vollendete Tatsachen gestellt wird und keinen Handlungsspielraum als Arbeitnehmer mehr hat.“


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