3. Dezember 2021
Tarifrunde Holz und Kunststoff 2021
Tarifabschluss Holz und Kunststoff auch in Sachsen – 5,5 Prozent
5,5 Prozent mehr Geld in zwei Stufen. Demografiefonds verdoppelt. Tarifabschluss nun auch in der Holz- und Kunststoffindustrie Sachsen, mit Extraplus zur Angleichung. Dabei wollten Arbeitgeber sogar Abstriche in Sachsen. Doch die Beschäftigten kämpften. Jetzt fehlen noch Berlin und Brandenburg.

595 Euro Corona-Prämie jetzt, 3 Prozent mehr Geld ab Mai 2022, weitere 2,45 Prozent ab April 2023. Dieses Tarifergebnis hat die IG Metall in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie Sachsen in der dritten Verhandlungsrunde ausgehandelt.

Die Vergütungen der Auszubildenden steigen überproportional – je nach Ausbildungsjahr um 30 bis 50 Euro auf nunmehr rund 1000 Euro im Monat im dritten Ausbildungsjahr. Sie erhalten 250 Euro Corona-Prämie.

Dazu kommt eine Verdoppelung das tariflichen Demografiefonds, schrittweise von derzeit 300 auf 600 Euro pro Beschäftigten ab 2024. Dadurch können etwa künftig mehr Beschäftigte in Altersteilzeit gehen.
 

Schritt zur Angleichung – statt Abkopplung

Mit insgesamt 5,5 Prozent in zwei Schritten fällt die Erhöhung der Tarifentgelte in Sachsen höher aus als in den bisherigen Abschlüssen von 4,9 Prozent in den anderen Tarifgebieten. Damit rücken die Tarifentgelte in Sachsen, die bundesweit zu den niedrigsten gehören, wieder näher heran.

Dabei hatten die sächsischen Arbeitgeber sogar Abstriche verlangt, einen weiteren Sonder-Rabatt für Sachsen. Die in Westdeutschland sitzenden Unternehmensleitungen blockierten massiv jeglichen Fortschritt in den Verhandlungen.
 

Erstmals seit Jahren geschlossen Druck gemacht

Doch am Vortag der dritten Verhandlung demonstrierten die Beschäftigten dann geschlossen mit Aktionen in den Betrieben ihre Streikbereitschaft – erstmals seit Jahren - und überraschten die Arbeitgeber damit.

 „Die Kolleginnen und Kollegen haben sich es nicht mehr gefallen lassen, fremdbestimmt aus dem Westen von der gemeinsamen tariflichen Branchenentwicklung abgehängt zu werden“, erklärt Bodo Grzonka, Verhandlungsführer der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Zum ersten Mal seit vielen Jahren haben wir geschlossen Druck gemacht, um ein weiteres Abkoppeln der Einkommen zu verhindern. Wir haben jetzt einen Wendepunkt eingeleitet und unsere Streikbereitschaft demonstriert, damit die Zeiten von Billiglöhnen in Sachsen enden.“
 

Beschäftigte wollen weitere Angleichung

Allerdings: Beschäftigte und IG Metall hätten sich noch einen deutlicheren Schritt zur Angleichung gewünscht.

„Aber: Vor der Tarifrunde ist nach der Tarifrunde“, bekräftigt Manuela Bergmann von der IG Metall Dresden, die unter anderem die Beschäftigten des Heidenauer Möbelwerks zu einer Aktion vors Tor gerufen hatte. „Die Möbelwerklerinnen und -werkler waren aktiv und konnten so ihrem Arbeitgeber klarmachen: ,Hauptsache Arbeit reicht uns nicht. Die Arbeitsbedingungen müssen stimmen.’ Mit diesem neuen Selbstbewusstsein werden sie auf die nächsten Tarifrunden hinarbeiten, damit die Angleichung vollständig umgesetzt wird.“
 

7,2 Prozent in der Schreibgeräteindustrie Sachsen

Parallel zur Holz- und Kunststoffindustrie hat die IG Metall auch in der Schreibgeräteindustrie Sachsen verhandelt – und schrittweise Tariferhöhungen von insgesamt 7,2 Prozent durchgesetzt. Dadurch steigen die Entgelte auf das Niveau der Holz- und Kunststoffindustrie. Ab April 2023 gelten dann für beide Branchen die gleichen Entgelttarife.
 

Warnstreiks in Berlin-Brandenburg angekündigt

Zuletzt fehlt noch ein Abschluss in Berlin-Brandenburg. Doch hier ist ein Tarifergebnis am Dienstag weiter in die Ferne gerückt, nachdem die Verhandlungen ergebnislos beendet wurden. Die Arbeitgeber stellen sich einer Angleichung der Entgelte an die Löhne im Westen weiter entgegen. Ihr Angebot: Eine zweistufige Erhöhung um 2,7 und 2,5 Prozent – mit einer Laufzeit von 27 Monaten. Die 0,3 Prozent, die die Löhne in Berlin-Brandenburg somit über denen im Westen liegen würden, können kaum ausreichen, um die Entgelte anzupassen. Im Durschnitt verdienen die Beschäftigten der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie im Osten 14 Prozent weniger als die Kolleginnen und Kollegen im Westen.

Das wollen Beschäftigte und IG Metall nicht akzeptieren – Warnstreiks sind bereits angekündigt. Der Verhandlungsführer der IG Metall, Bodo Grzonka, erklärte: „Das ist das Gegenteil von Angleichung! Die Arbeitgeber nehmen den Unmut der Beschäftigten offensichtlich nicht ernst! Sie weichen der Frage aus, wie wir endlich gleiche Arbeits- und Lebensverhältnisse in Ost und West herstellen können. Sie zwingen uns den Konflikt auf. Wir werden jetzt gemeinsam unsere Entschlossenheit auf der Straße zeigen!“, so Grzonka. Die nächste Verhandlung ist für den 31. Januar angesetzt.

 

Zu weiteren Tarifabschlüssen in der Holz- und Kunststoffindustrie


Neu auf igmetall.de

Link zum Artikel