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Jeder Tag ist eine Herausforderung
Managerin des Alltags

Wenn Frauen Kinder, Ehemann und Beruf unter einen Hut bringen wollen, ist jeder Tag eine neue Herausforderung. Das kennen viele Mütter, auch Nicole Saletin. Sie stellt sich der Aufgabe gern. Denn am Ende des Tages fühlt sie sich richtig gut, wenn mal wieder alles beinahe reibungslos gelaufen ist.


Jeder Tag ist wie ein Kartenhaus gebaut. Zieht einer auch nur eine Karte heraus, kann alles zusammenbrechen. Für Nicole Salentin ist die eine Karte an manchen Tagen der Kindergarten, der geschlossen hat, und an anderen ist es der Stau auf der A4 zwischen Köln und Düren.

Als Mutter von zwei Kindern mit Halbtagsjob in Köln und Familie in Düren jongliert sie immer mit mehreren Bällen gleichzeitig. An manchen Tagen verliert sie auch mal den einen oder anderen Ball aus den Augen. Dann kann es passieren, dass Tochter Mara morgens auf dem Sprung in die Schule ruft: »Ach, hab’ ich ganz vergessen. Wir schreiben heute eine Mathearbeit. Ich brauche ein Heft. «Einen kurzen Moment lang rauft sich die Mutter dann verzweifelt die Haare, drückt ihrer Tochter Geld für einHeft in die Hand und wünscht ihr viel Glück. Nur eins verliert Nicole fast nie: ihre gute Laune. »Ich hab es mir so ausgesucht, ich möchte es nicht anders.«

Sie hat es sich nicht nur ausgesucht, sie managt es auch 365 Tage imJahr – an den meisten sehr erfolgreich. Seit zwei Jahren arbeitet die 31-Jährige im Gastronomie- und Service-Bereich bei Ford. Sie pendelt täglich 64 Kilometer über die Autobahn von Düren nach Köln und wieder zurück.

Morgens um sieben schickt sie ihre zwölfjährige Tochter zur Schule. Um acht bringt sie den fünfjährigen Jan in den Kindergarten und um zehn sitzt sie mit ihren Kolleginnen in der Morgenbesprechung. Anschließend hilft sie in der Küche, das Essen für 2500 hungrige Fordinaer vorzubereiten. Um halb zwölf steht sie an der Essensausgabe und begrüßt die Kollegen: »Mahlzeit. Einmal die Ravioli oder die Spaghetti?«. Um halb zwei heißt es aufräumen, abwaschen, sauber machen. Eine Stunde später sitzt sie wieder im Auto auf dem Weg zum Kindergarten.

Als Frau behauptet
Gelernt hat Nicole Friseurin. Doch nach fünf Jahren im Beruf wechselte sie zu Ford in Saarlouis in die Endmontage. Ihr Vater war dort Meister. Genutzt hat ihr das allerdings nie etwas. »Im Gegenteil«, sagt Nicole. »Bei beliebten Urlaubsterminen musste ich immer eher verzichten. Damit keiner denkt, mein Vater würde mich bevorzugen.« Als Frau unter lauter Männern hatte sie es in der Endmontage nicht leicht. Schwere Arbeiten wie das Einhängen der Achsen trauten ihr die Kollegen nicht zu. Aber Nicole fragte immer wieder nach und machte schließlich auch diese Arbeit. »Es hat mir Spaß gemacht, mich als Frau unter so vielen Männern zu behaupten.«

In Saarlouis lebte sie die Woche über allein mit ihrer Tochter Mara. Ihr Mann arbeitete damals schon als Fliesenleger in Düren. Das Ehepaar führte eine Wochenendbeziehung. Als vor fünf Jahren ihr Sohn Jan auf die Welt kam, zog die Familie zusammen. Nach drei Jahren Elternzeit fiel Nicole die Decke auf den Kopf. »Ich wollte unbedingt wieder arbeiten. Allerdings nur halbtags. Das ging am Band nicht.» Da kam die halbe Stelle in Köln gerade recht.

»Ich mach’ das gern«
Wenn Nicole aufsteht, springt bei ihr sofort das Tagesprogramm an. Der erste Gedanke ist immer: »Hoffentlich krieg’ ich das alles hin.« Den Termin beim Arzt um vier, das Fußballtraining, der Schwimmkurs, die Hausaufgaben. Um sechs muss heute das Essen auf dem Tisch stehen, denn ihr Mann hat abends noch einen Termin. »Eigentlich habe ich einen 14-Stunden-Tag«, lacht Nicole. Dennoch findet sie ihr Leben nicht stressig. »Ich mache das eigentlich gern. Es ist einfach ein tolles Gefühl, arbeiten zu gehen, und trotzdem alles unter einen Hut zu kriegen.« Und sie bekommt auch oft Hilfe. Wenn der Kindergarten zu hat, springen Freundinnen oder die Schwiegereltern ein. Meist organisiert ihr Mann einen Ersatz.
Um halb drei hat Nicole Feierabend – zumindest bei Ford. Sie setzt sich in ihr Auto und denkt: »Hoffentlich ist jetzt kein Stau«.

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