Pressemitteilung Nr. 32/2018
Jörg Hofmann: Chancen für nachhaltige Entwicklung in Ostdeutschland nutzen

Auf einer Betriebsrätekonferenz in Leipzig diskutieren am Dienstag und am Mittwoch 200 betriebliche Interessenvertreter aus Ostdeutschland über Tarifbindung, die digitale Transformation, den ökologischen Strukturwandel und den Umgang mit Rechtsextremismus in Ostdeutschland.


Leipzig – Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, sieht die Notwendigkeit für eine nachhaltige industrielle Entwicklung in Ostdeutschland. „Die Transformation in die digitale Arbeitswelt muss auch für Innovationen und für eine Stärkung des Standorts Ostdeutschland genutzt werden. Ostdeutsche Betriebe dürfen nicht länger die verlängerten Werkbänke westdeutscher Konzerne sein“, sagte Hofmann auf einer Betriebsrätekonferenz am Dienstag in Leipzig. Dazu brauche es selbstbewusste Belegschaften und durchsetzungsfähige Betriebsräte sowie eine starke Tarifbindung. Die Digitalisierung sei innerhalb nur einer Generation der zweite Umbruch in Ostdeutschland. Sie dürfe nicht zu einer Spaltung der Gesellschaft zwischen Gewinnern und Verlierern führen.

Auf der Konferenz diskutieren am Dienstag und am Mittwoch 200 betriebliche Interessenvertreter aus Ostdeutschland über Tarifbindung, die digitale Transformation, den ökologischen Strukturwandel und den Umgang mit Rechtsextremismus in Ostdeutschland. Morgen wird Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zu den Betriebsräten sprechen.

Hofmann verwies darauf, dass Betriebsräte bei der Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten sowie bei Innovationen eine Schlüsselrolle spielen. „Viele Leuchttürme der ostdeutschen Industrieproduktion gibt es heute nur noch, weil Belegschaften, Betriebsräte und Gewerkschaften dafür gekämpft haben.“

Um der Industrie in Ostdeutschland bessere Perspektiven zu geben, stehe auch die Politik in der Verantwortung, sagte Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. „Wir brauchen eine Strategie, damit Unternehmen wieder stärker in hiesige Standorte investieren.“ Dazu seien andere Rahmenbedingungen nötig, zum Beispiel eine gezielte Industrie-, Wirtschafts- und Förderpolitik, mehr öffentliche Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie der Ausbau der Tarifbindung. Eine stärkere Tarifbindung sei nach Ansicht von Lemb die wichtigste Voraussetzung für die überfällige Angleichung der Arbeits- und Lebensbedingungen in West- und Ostdeutschland.

Ein zukunftsfähiges, gesamtdeutsches Fördersystem in der Industriepolitik sei dringend geboten, weil die EU plane, ihren Haushalt zu verkleinern und die Mittel für die Strukturförderung zusammenzustreichen. Lemb: „Dass der Rotstift insbesondere die Regionen in Ostdeutschland treffen könnte, ist nicht akzeptabel.“

Auf der Konferenz wird auch der Preis „Gemeinsam. Engagiert. Mutig. Für eine gute Zukunft“ verliehen. Er ist eine Auszeichnung für besonderes Engagement zur Stärkung von Respekt, Solidarität, Toleranz und Gerechtigkeit. Preisträger ist der Metaller Uwe Lippmann, Betriebsratsvorsitzender der Firma Werkö in Königssee bei Erfurt. Lippmann vereint zwei wichtige Eigenschaften von Betriebsräten: „Er ist kommunikativ und konfliktfähig, um die Interessen der Belegschaft wirksam vertreten zu können“, sagte der IG Metall-Vorsitzende Hofmann in seiner Laudatio. Lippmanns Einsatz sei zu verdanken, dass das Unternehmen wieder in den Arbeitgeberverband eingetreten ist und der Tarifbindung unterliegt. Lippmann engagiert sich auch für Geflüchtete und gegen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert, der Preisträger erhält zudem eine kleine Skulptur.

 

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