Frankfurt am Main/Stuttgart – Mit bundesweiten Aktionen an allen Mercedes-Benz-Standorten haben am Freitag über 33.000 Beschäftigte gemeinsam mit der IG Metall ein deutliches Signal gesetzt: gegen eine unbezahlte Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Stunden, Einschnitte bei tariflichen Leistungen, überzogene Dividenden und einen Kürzungskurs des Konzerns auf dem Rücken der Belegschaft. Damit startete die IG Metall eine Protestwelle für bessere Perspektiven statt Einschnitte: In den kommenden Wochen plant die Gewerkschaft ähnliche Proteste auch bei anderen Autoherstellern und Zulieferern.
Unter dem Motto „Jetzt reicht’s! Standorte sichern, Tarifstandards verteidigen!“ zogen am Vormittag und Mittag Mercedes-Benz-Beschäftigte vor die Werkstore. Vom Konzern und der Regierungskoalition forderte die IG Metall mit dem Betriebsrat sichere Arbeitsplätze, Perspektiven für die Standorte sowie unangetastete tarifliche und soziale Sicherheit. Hintergrund sind falsche Prioritäten und Pläne der Konzern-Führung bei Mercedes-Benz. Während der Vorstand von einer „Produktivitätsoffensive“ mit Einschnitten bei Arbeitszeiten und Leistungen diskutiert, wächst bei den Beschäftigten die Sorge um die deutschen Standorte, Einkommen und Perspektiven.
Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, sagte in Düsseldorf: „Hallo Management: So läuft es nicht! Während Aktionäre mehr als ordentlich profitieren, sollen die Beschäftigten ihre vertraglich festgeschriebenen Rechte opfern? Sicher nicht! So verspielt man Zukunft und Vertrauen! Wer ernsthaft über Wettbewerbsfähigkeit reden will, darf nicht bei den Arbeitsbedingungen ansetzen. Der Schlüssel für eine starke Autoindustrie liegt in Investitionen in zukunftsfeste Produkte, Standorte und Beschäftigte. Auch von der Politik fordern wir ein klares Signal: Der industrielle Kern dieses Landes darf nicht ausgehöhlt werden. Wir brauchen eine aktive Industriepolitik, die Transformation absichert – mit Investitionen, klaren Standortzusagen und guten Jobs. Renditeinteressen dürfen nicht über die Zukunftsfähigkeit ganzer Standorte gestellt werden.“
Barbara Resch, Leiterin IG Metall Bezirk Baden-Württemberg, warnte in Rastatt: „Mercedes zeigt gerade eindrucksvoll, wie man es nicht macht. Denn wer glaubt, die Zukunft der Industrie lasse sich durch längere Arbeitszeiten, Kürzungen bei Sonderzahlungen und Druck auf die Beschäftigten sichern, irrt gewaltig! Die 35-Stunden-Woche ist kein Auslaufmodell, gute Tarifverträge sind kein Standortnachteil, und Beschäftigte sind keine Verfügungsmasse. Mit der tariflichen Zukunftssicherung sind die Mercedes-Beschäftigten längst in Vorleistung gegangen – jetzt muss das Management liefern. Deshalb stehen die Kolleginnen und Kollegen heute unter anderem in Untertürkheim, Rastatt und Sindelfingen auf und machen mit dem Aktionstag deutlich: Wir lassen uns unsere Standards nicht kaputtsparen!“
Ergun Lümali, Gesamtbetriebsrats-Vorsitzender Mercedes-Benz, sagte in Sindelfingen: „Das Vorgehen des Unternehmens verunsichert und demotiviert viele Kolleginnen und Kollegen massiv. Statt Perspektiven für Standorte und Beschäftigung zu schaffen, wird Druck aufgebaut. Wir erleben aktuell eine Belastung nach der anderen: Diskussionen über verlängerte unbezahlte Arbeitszeit, über Einschnitte bei tariflichen Leistungen, über Verlagerung von Produkten und Funktionen sowie Angriffe auf bestehende Arbeitsmodelle. Wir tragen keine Verantwortung für geopolitische Krisen, Energiepreise oder strategische Fehlentscheidungen des Managements. Trotzdem sollen die Beschäftigten jetzt erneut die Hauptlast schultern – das ist nicht akzeptabel. Zukunft entsteht nicht durch Sparprogramme auf dem Rücken der Belegschaft. Wer Wettbewerbsfähigkeit sichern will, muss in starke Produkte, moderne Technologien und die deutschen Standorte investieren. Zukunft entsteht durch Innovation, kluge Strategie und die Einbindung der Beschäftigten. Genau das fordern wir vom Vorstand.“
Unter anderem fanden Kundgebungen mit Teilnehmer*innen von Mercedes-Benz-Werken und Tochterunternehmen aus Stuttgart (Zentrale) und Untertürkheim, Sindelfingen, Bremen, Rastatt und Kuppenheim, Berlin/Marienfelde, Düsseldorf, Hamburg und Germersheim.
Weitere Beschäftigten-Aktionen folgen laut IG Metall beim Volkswagen-Konzern.