DIGITALE PESSEMAPPE
Zukunft statt Standortflucht: IG Metall fordert Initiative für Arbeit und Aufschwung

Appell zur gemeinsamen Kraftanstrengung für Innovation und Investitionen +++ Heimische Wertschöpfung stärken, Deindustrialisierung stoppen

26. Januar 202626. 1. 2026


Frankfurt am Main – Angesichts der anhaltend schwierigen Situation der deutschen Wirtschaft ruft die IG Metall Arbeitgeber und Politik zu neuen Lösungen auf. Konkret fordert die Gewerkschaft eine Initiative für Arbeit und Aufschwung mit Fokus auf Innovation, Investition und Industrie – und legt dafür ein klares Programm vor.

„Die IG Metall, ihre Betriebsräte und die Beschäftigten haben geliefert“, sagte die Erste Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, auf der Jahrespressekonferenz der Gewerkschaft. „Wir haben Ideen, wir bringen uns ein! Die Beschäftigten in unseren Bereichen verzichten auf Milliardenbeträge. Im Gegenzug ist es uns gelungen, in Auseinandersetzungen zehntausende Arbeitsplätze zu sichern und Investitionszusagen für deutsche Standorte zu vereinbaren. Ohne uns wäre es in der deutschen Industrie schon zappenduster!“, betonte Benner mit Verweis auf Zukunftstarifverträge und ähnliche Vereinbarungen.

Nun seien die Arbeitgeber am Zug. Benner fordert die Arbeitgeber auf, die Deindustrialisierung des Landes zu stoppen: „Wir erwarten mehr! Ein klares Bekenntnis gegen Verlagerungen, Standortschließungen und Kündigungen, und zwar umgehend. Wir erwarten eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und eine klare Unterstützung unserer Initiative für Arbeit und Aufschwung.“

„Schluss mit dem Vorwurf, die Beschäftigten seien faul. Schluss damit, unser Land schlechtzureden!“, unterstrich der Zweite Vorsitzende, Jürgen Kerner. „Wir müssen jetzt gemeinsam anpacken.“ Der IG Metall gehe es bei ihrem Vorstoß keineswegs bloß um einen weiteren Runden Tisch. „Bei unserer Initiative geht es um konkrete Arbeit im Maschinenraum der Industrie, vor Ort, in den Regionen und Unternehmen“, führte Kerner aus.

Dabei sei es zentral, Wertschöpfungsnetzwerke in Europa zu stärken: „Wer hier verkaufen will, muss auch hier produzieren“, machte Kerner klar und kritisierte Unternehmen aus Branchen wie Automobil, Bahntechnik oder Windkraft: „Manche profitieren von Steuergeld, wollen aber möglichst billig ohne Vorgaben wo auch immer auf der Welt einkaufen. Das geht nicht! Wir erwarten, dass sie künftig zum Beispiel grünen Stahl aus Europa verarbeiten.“ Bei öffentlichen Aufträgen brauche es klare Regeln: „Das Sondervermögen für Infrastruktur muss bei heimischen Herstellern ankommen. Und Subventionen der EU dürfen nicht länger für Standortverlagerungen innerhalb Europas missbraucht werden. Das ist schizophren und sofort zu beenden.“

Tarifvorständin und Hauptkassiererin Nadine Boguslawski erwartet von den Unternehmen, sich mit Tarifverträgen zu Innovationen, Investitionen und Qualifizierung zu bekennen. „Wir sind konfliktbereit bei Unternehmensstrategien, die erst Gewinne machen und dann auf Tarifflucht und Verlagerungen ins Ausland setzen.“ In die große Tarifrunde für die 3,8 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie gehe die IG Metall „entschlossen, selbstbewusst und mit großer Beteiligung der Beschäftigten“. Eingriffe in die Entgelte seien kontraproduktiv. „Träger des Aufschwungs 2026 sind die Beschäftigten und ihre Einkommen“, sagte Boguslawski.

IG Metall-Sozialvorstand Hans-Jürgen Urban sagte: „Der Sozialstaat ist kein Ballast, sondern Gelingensbedingung für einen sozial-ökologischen Wandel. Wir wollen den Sozialstaat weiterentwickeln: zu mehr Verlässlichkeit und Verteilungsgerechtigkeit.“ Es gehe darum, in Zeiten des Wandels möglichst alle mitzunehmen und die Menschen zu ermutigen. „Unter der Krise leidet auch die Gesundheit der Beschäftigten, die durch ‚Faulenzer‘-Vorwürfe zusätzlich beschimpft werden.“ Die IG Metall startet 2026 eine Offensive für Gesundheit in den Betrieben, um die Ursachen krankheitsbedingter Fehlzeiten zu bekämpfen. Beim Rechtsschutz für ihre Mitglieder verzeichnet die Gewerkschaft deutlich mehr Fälle, insbesondere beim Arbeits- und Sozialrecht sowie dem Kündigungsschutz.

Bildungsvorstand Ralf Reinstädtler nannte die bevorstehenden Betriebsratswahlen eine Richtungsentscheidung mitten im industriellen Umbruch: „Qualifizierte Betriebsräte verhandeln die Zukunft von Betrieben, Standorten, Berufen und Qualifikationen: über Investitionen, Weiterbildung, Personalbemessung und den Einsatz neuer Technologien.“ Wer Beschäftigte der Willkür von Unternehmen ausliefere, öffne Tür und Tor für Frust, Angst und für die Feinde der Demokratie. „Betriebsratswahlen sind kein Spielplatz für politische Brandstifter. Mitbestimmung heißt Verantwortung, nicht Lautstärke.“

Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, betonte, dass Zukunftstechnologien und neue Beschäftigungsfelder stärker fokussiert werden müssen, auch durch gezielte Investitionen: „Wir können der Erneuerungskrise dieses Landes stark entgegentreten. Dafür müssen wir unsere Möglichkeiten und Potenziale besser nutzen. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz sowie Industrie und Handwerk gehören zusammen!” Mit Blick auf die Initiative für Arbeit und Aufschwung verband sie das mit der Forderung nach einer gemeinsamen Kraftanstrengung, um Perspektiven zu schaffen und Unsicherheiten zu überwinden. Dies soll auf zwei Ebenen passieren: konkrete Arbeit in den Betrieben und gleichermaßen in regionalen Netzwerken, um Chancen umfassend zu nutzen und Arbeitsplätze in Industrie und Handwerk zu sichern und zu schaffen.

2025 sind 93.285 Beschäftigte neu in die IG Metall eingetreten. Der anhaltend hohe Stellenabbau in der Branche und die zurückhaltende Einstellungspolitik der Unternehmen führte zu einem geringen Mitgliederverlust. Mit 2.015.495 Mitgliedern ist die IG Metall weiterhin die größte Einzelgewerkschaft in Deutschland.

 

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