Pressemitteilung
IG Metall-Umfrage: Behinderte Beschäftigte sind zunehmend unter Druck

Stellenabbau und Umstrukturierung: In 83 Prozent der Betriebe wächst die Unsicherheit +++ Nur jedes zweite Unternehmen erfüllt gesetzliche Behinderten-Quote +++ Urban: „Wer Teilhaberechte missachtet, muss Konsequenzen spüren.“

30. November 202530. 11. 2025


Frankfurt am Main – Menschen mit Behinderung haben im Beruf immer schlechtere Perspektiven. In 83 Prozent der Betriebe wächst ihre Unsicherheit, in jedem vierten sogar deutlich. Das zeigt eine IG Metall-Umfrage unter rund 1000 Schwerbehindertenvertretungen (SBV) zum Welttag der Menschen mit Behinderung (3. Dezember). Nur 5 Prozent berichten von mehr Sicherheit.

Hauptursachen für geringere Perspektiven sind Stellenabbau und Umstrukturierungen in den Unternehmen (84 Prozent). 44 Prozent der SBV melden, dass gezielt Arbeitsplätze behinderter Beschäftigter wegfallen. Fast ein Viertel (23 Prozent) kritisiert mangelnde Integration in den Betrieb. Die größten Belastungen für behinderte Beschäftigte sind körperliche Anforderungen (68 Prozent), gefolgt von schlechter Arbeitsorganisation (40 Prozent) – etwa Zeitdruck, unklare Aufgaben oder monotone Tätigkeiten.

„Beschäftigte mit Behinderung gehören zu den ersten Opfern der sich zuspitzenden Krise in den Betrieben“, sagt IG Metall-Sozialvorstand Hans-Jürgen Urban. „Schwerbehinderte brauchen gerade jetzt Solidarität und Sicherheit in der Arbeitswelt.“

Beschäftigung Behinderter: Jeder zweite Betrieb drückt sich vor gesetzlicher Quote

Urban fordert einen „barrierefreien Arbeitsmarkt für alle“ und spürbare Sanktionen für Betriebe, die nicht genügend Schwerbehinderte beschäftigen. „Es reicht offensichtlich nicht, wenn sich hier Betriebe billig mit einer Ausgleichsabgabe freikaufen können. Wer gesetzliche Teilhaberechte missachtet, muss Konsequenzen spüren.“

Laut der IG Metall-Umfrage erfüllt nur jeder zweite Betrieb (47 Prozent) in ihrem Organisationsbereich die gesetzliche Pflicht zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen. Mittelgroße Unternehmen mit 100 bis 1000 Beschäftigten halten die vorgeschriebene Quote von mindestens 5 Prozent nur zu 44 Prozent ein. Kleine Betriebe (bis 100 Beschäftigte) und große Unternehmen (über 1000 Beschäftigte) liegen bei 56 Prozent.

Die Online-Befragung erfolgte unter 994 Betrieben mit einer Schwerbehindertenvertretung. Befragungszeitraum war der 10. bis 23.11.2025.

Pressemitteilungen abonnieren