Pressemitteilung Nr. 37/2015
IG Metall: Strukturwandel in der Automobilindustrie gemeinsam bewältigen

17. Juni 201517. 6. 2015


Leipzig – Die IG Metall hat Unternehmen und Politik aufgefordert, den Strukturwandel in der Automobilindustrie gemeinsam zu bewältigen. Anlässlich der zweitägigen Konferenz von Hans-Böckler-Stiftung und IG Metall „Wertschöpfung im Wandel – die Rolle der Zulieferer in der Automobilindustrie“ haben IG Metall und Betriebsräte der Automobilbranche ein Kommuniqué beschlossen. Darin werden die Grundsätze einer fairen und solidarischen Gestaltung des Strukturwandels festlegt und verstärkte Innovationen zur langfristigen Beschäftigungssicherung gefordert. „Der Strukturwandel in der Automobilindustrie darf nicht zu Lasten der Beschäftigten am Standort Deutschland gehen“, sagte Detlef Wetzel, Erster Vorsitzender der IG Metall, am Mittwoch in Leipzig. Zudem warnte er vor willkürlicher Produktions- und Standortverlagerung ins Ausland. „Gerade die leistungsfähigen industriellen Cluster sowie Entwicklungs- und Innovationspartnerschaften entlang der Wertschöpfungskette sind die wesentliche Stärke der Automobilindustrie.“

Die Automobilindustrie sei nach wie vor die wichtigste Schlüsselbranche in Deutschland und müsse es auch bleiben. Drei Viertel der Wertschöpfung werde von den Automobilzulieferern erbracht. Deshalb könne nicht hingenommen werden, dass die Hersteller kraft ihrer Marktmacht in Unternehmensentscheidungen selbstständiger Zuliefererunternehmen eingriffen. „Diese skandalösen Praktiken müssen öffentlich gemacht werden – und sie müssen Konsequenzen nach sich ziehen“, forderte Wetzel. Das erfordere auch die tarifpolitische Erschließung von Werkvertragsunternehmen. Werkverträge allein zum Zweck von Lohndumping seien nicht hinnehmbar. „Insbesondere bei der industriellen Kontraktlogistik, im Industrieservice und bei den Entwicklungsdienstleistern werden wir uns weiter anstrengen, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu verbessern“, sagte Wetzel.

„Die Automobilindustrie steht vor enormen industriepolitischen Herausforderungen“, sagte Jörg Hofmann, Zweiter Vorsitzender der IG Metall. Neben dem anhaltenden Preisdruck, der entlang der Wertschöpfungskette von den Unternehmen weitergereicht werde, stellten Leichtbau, E-Mobilität, Klimaschutz und Digitalisierung neue Anforderungen an Automobilhersteller und Zulieferer. So würden Anwendungen durch Industrie 4.0 nicht nur die Wertschöpfungsketten verändern, „auch die Mitbestimmungsstrukturen müssen für die Zukunft abgesichert werden“, forderte Hofmann. „Deshalb ist der im Frühjahr mit den Arbeitgebern vereinbarte Einstieg in die Bildungsteilzeit ein wichtiger Baustein, um die Qualifizierung der Beschäftigten zu sichern.“

Der Anteil der Automobilzulieferer an der branchenweiten Entwicklungs- und Forschungswertschöpfung betrage 40 Prozent mit steigender Tendenz. „Die Entwicklungsperspektiven der Zuliefererunternehmen entscheiden zugleich über die Zukunftsperspektiven der deutschen Automobilindustrie insgesamt“, warnte der Gewerkschafter. Werde den Zulieferern „über die Kostenschraube die Luft abgeschnürt“, fehlten die notwendigen Ressourcen für aktive Gestaltung notwendiger Veränderungsprozesse und die Innovationskraft gehe verloren. Der Druck auf Tarifverträge, Arbeits- und Leistungsanforderungen nehme weiter zu. Dies gelte es zu verhindern. „IG Metall und Betriebsräte können und werden durch gemeinsames, entschlossenes und solidarisches Handeln die Wirklichkeit gestalten“, sagte Hofmann.

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