PRESSEMITTEILUNG
IG Metall-Ausbildungsbilanz: Industriearbeitgeber sägen am Ast der eigenen Zukunft

Unternehmen schließen erneut 9 Prozent weniger Ausbildungsverträge +++ Urban: „Weiteres Abwarten auf dem Ausbildungsmarkt wäre fatal“

18. Februar 202618. 2. 2026


Frankfurt am Main – Der deutsche Ausbildungsmarkt rutscht immer tiefer in die Krise. Insbesondere die Industrie spart am Nachwuchs. Die IG Metall warnt vor massiven Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. „Die Jugendlichen sind motiviert. Doch die Industrie unterbietet ihr ohnehin niedriges Ausbildungs-Niveau erneut und sägt damit ideenlos am eigenen Ast“, sagt Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban.

Der „IG Metall-Ausbildungsbilanz 2025“ zufolge schlossen Unternehmen in industriellen Kernberufen mit 25.800 Ausbildungsverträgen 9,1 Prozent weniger ab als im Vorjahr. Dazu zählen etwa Mechatroniker oder Industriemechaniker. Im Vergleich zum Jahr 2019 senkte die Industrie die Zahl der Verträge um ein Fünftel (21,7 Prozent) ab. Vor Corona zählte die Gewerkschaft noch 32.900 Ausbildungsverträge. Besonders betroffen sind der Maschinenbau sowie die Metall- und Elektroindustrie mitsamt der Fahrzeugbauer und Zulieferer.

Auch in den IT-Berufen schlossen die Unternehmen 14,3 Prozent weniger Verträge mit den Jugendlichen als noch im Jahr 2024. Handwerks-Berufe verzeichneten ein Minus von 3,0 Prozent.

Urban: „Die Wirtschaftskrise ist auch für Azubi-Bewerber spürbar, sie darf aber keine Ausrede für die Unternehmen sein. Ausbildung ist kein Kosten-, sondern ein Chancen-Faktor für alle. Der Trend ist fatal: Firmen sind genau dort immer weniger ausbildungswillig, wo für den wirtschaftlichen Wandel dringend Fachkräfte-Nachwuchs gebraucht wird. Das ist perspektivloser Pfusch auf Kosten junger Menschen.“

Bundesweit und über alle Branchen hinweg stieg 2025 die Nachfrage von Jugendlichen nach einer dualen Berufsausbildung um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr leicht an. Das Angebot an Ausbildungsstellen ging jedoch um 4,6 Prozent zurück. 2025 waren 84.400 Jugendliche noch auf der Suche: 40.000 unversorgte Bewerber*innen erhielten keinen Ausbildungsvertrag. Weitere 44.000 Jugendliche suchten weiterhin ihren Wunschausbildungsplatz, während sie etwa jobben oder einen alternativen Azubi-Platz als zweite Wahl annehmen mussten.

Urban: „Deutschland steht an einem Wendepunkt. Entweder wir sichern die industrielle Wertschöpfung durch starke Ausbildung – oder wir verlieren Kompetenzen, Wettbewerbsfähigkeit und soziale Stabilität. Weiteres Abwarten wäre fatal. Schon jetzt haben rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren keinen berufsqualifizierenden Abschluss.“

Um die Negativentwicklung zu stoppen, fordert die IG Metall eine gesetzliche Ausbildungsabgabe, die ausbildenden Unternehmen zugutekommen soll. Zur Unterstützung der Betriebe und Jugendlichen gehöre zudem eine bessere Berufsorientierung von Schüler*innen, Jugendberufsagenturen für ein besseres Übergangsmanagement in einen Ausbildungsplatz und mehr Unterstützung für junge Menschen mit Förderbedarfen.

Grundlage für die „IG Metall-Ausbildungsbilanz 2025“ (Download hier) waren unter anderem Auswertungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB).

 

Weitere Informationen und Pressebilder von Hans-Jürgen Urban

 

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