PRESSE-STATEMENT
„Jungen Menschen wird eine neue Hürde errichtet“

Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, zur Reform des Berufsbildungsgesetzes.


Hans-Jürgen Urban: „Die Reform des Berufsbildungsgesetzes enthält mit Blick auf die Mindestausbildungsvergütung richtige Ansätze. Mit Blick auf die  Bedingungen für die berufliche Ausbildung bleibt sie jedoch weitgehend hinter den Anforderungen an eine zeitgemäße Berufsausbildung zurück.“

Positiv ist zu bewerten, dass sich die Mindestausbildungsvergütung für Azubis künftig an den tariflichen Vergütungen orientiert. Unternehmen, die nicht tarifgebunden sind, dürfen den Tariflohn ihrer Branche um höchstens 20 Prozent unterschreiten. Diese Regelung wird jetzt gesetzlich fixiert, bisher war sie nur durch die Rechtsprechung festgelegt.

„Mit dem BBiG wird unter den Facharbeitern eine Zweiklassengesellschaft forciert.“ Die Arbeitgeber können zweijährige Ausbildungen anbieten, ohne dass es für Azubis einen Anspruch gibt, danach in eine drei oder dreieinhalbjährige Ausbildung durchzusteigen. „Damit wird die längere Ausbildung vom Wohlwollen des Arbeitgebers abhängig gemacht. Ausbildungswilligen jungen Menschen wird eine neue Hürde errichtet, anstatt ihnen den Weg zu einer guten Ausbildung zu ebnen. Das ist das Gegenteil von dem, was die moderne Arbeitswelt erfordert.“

Nicht nachvollziehbar ist auch, dass die Praxisphasen im dualen Studium nicht in das novellierte BBiG aufgenommen wurden. Gesetzliche Schutzbestimmungen und die Kriterien zur Qualitätssicherung des BBiG gelten für diese Studierenden nicht. „Das duale Studium ist eine Ausbildungsform der Zukunft. Hier brauchen verbindliche Qualitätsstandrads und zeitgemäße Formen der Mitbestimmung. Hier versagt der Gesetzesentwurf schlichtweg.“

Auch mit Blick auf die notwendige  Qualitätssicherung in der Ausbildung, Unterstützung des Ehrenamts im Prüfungswesen und verbesserte Weiterbildungsmöglichkeiten für betriebliche Ausbilde bleibt der Gesetzentwurf hinter den Forderungen der IG Metall weit zurück.

„Insgesamt fehlt dem Gesetzentwurf der Wille, die berufliche Ausbildung attraktiver zu machen und junge Menschen auf die neue Arbeitswelt vorzubereiten“, sagte Urban.

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