E lon Musks Videobotschaft vor der Betriebs- ratswahl beim Elektroautobauer Tesla in Grünheide an die Beschäftigten ist unver- hohlen: »Nun, die Dinge werden sicherlich schwieriger, wenn es sozusagen externe Organisa- tionen gibt, die Tesla in die falsche Richtung drän- gen.« Das heißt: Wenn Ihr die IG Metall wählt, wird hier nicht mehr investiert. Das bekommen die Beschäftigten an den Wahl- tagen Anfang März auch noch mal von ihren Vor- gesetzten am Montageband eingebläut: »Supervisors haben das Band gestoppt und uns zusammengeru- fen«, erzählt ein Montagearbeiter, der für die IG Me- tall-Liste im Betrieb aktiv ist. »Sie sagten uns: ›Wenn die IG Metall gewinnt, dann wird es nichts mit der Werkserweiterung. Also achtet darauf, wen Ihr wählt. Und jetzt gehen wir alle zusammen zur Wahl.‹« Bei der Betriebsratswahl gewinnt dann die unterneh- mensnahe Liste »Giga United« 16 Sitze, die Liste »IG Metall – Tesla Workers« wird mit 13 Sitzen zweit- stärkste Kraft. »IG Metall – Tesla Workers« für bessere Arbeitsbedingungen Die aktiven Beschäftigten der Liste »IG Metall – Tesla Workers« waren angetreten, um endlich die Arbeitsbedingungen im Werk bei Berlin zu verbes- sern: Die Löhne liegen deutlich unter denen anderer Autobauer. Es gibt kein Urlaubs- und Weihnachts- geld, der Arbeitsdruck ist in vielen Bereichen brutal, die Taktzeiten sind kurz. Beschäftigte berichten, dass sie selten Urlaub bekommen, wann sie wollen, über tägliche Schreiereien, über Kollegen, die sich nicht trauen, aufs Klo zu gehen. Der Krankenstand ist hoch, die noch Gesunden müssen umso mehr ar- beiten, Atteste werden angezweifelt, Kranke bekom- men Lohn abgezogen und werden herausgedrängt. Und die unternehmensnahe Betriebsratsmehrheit winkt fast jede Kündigung durch. Um das endlich zu ändern, führen die Metalle- rinnen und Metaller bei Tesla in den Monaten vor der Betriebsratswahl unzählige Gespräche. Nach einer Nikolausaktion der IG Metall für ein Weihnachtsgeld erhöht Tesla die Löhne. Immer mehr Beschäftigte tra- gen offen IG Metall-T-Shirts im Betrieb. Und rund 3500 Beschäftigte geben ihren Handschlag darauf, dass sie die IG Metall-Liste wählen werden. Doch es kommt anders. »Am Ende war die Angst bei vielen stärker als die Hoffnung«, meint Jannes Bojert, Leiter des Tesla-Teams der IG Metall. Aber er macht klar: Die Metallerinnen und Metaller lassen sich nicht entmutigen. Sie führen weiter Gespräche, gewinnen Mitstreiter, treffen sich im IG Metall-Haus im ehemaligen Bahnhof Fangschleuse. Sie sind zu Tesla gekommen, weil sie vom Produkt n e r o t k e j o r P e i D / s y r a F g r ö J : o t o F metall 5/6 2026 Titel 11 fasziniert sind. Aber warum nicht zu guten Arbeits- bedingungen? Viele, die begeistert gekommen sind, sind enttäuscht gegangen. Und warum hat Elon Musk ein Problem damit, dass qualifizierte, moti- vierte Beschäftigte im Betrieb mitbestimmen? Kampagne gegen die IG Metall Elon Musk ist dafür bekannt, dass er keine Gewerk- schaften duldet. Und Tesla scheut keine Kosten und Mühen, um die IG Metall herauszuhalten. Immer wieder werden die Bänder angehalten, um die Be- schäftigten in sogenannten »Team Huddles« davon zu überzeugen, dass die IG Metall schlecht für sie ist. Dafür ist dann auf einmal Zeit und Geld da, ebenso wie für ein exklusives Konzert des Rappers Kool Savas in der Gigafactory. Je näher die Wahl heranrückt, umso schmutzi- ger wird es. IG Metall-Betriebsräte werden drangsa- liert, ein Stand der IG Metall-Liste umgeworfen. Und ein IG Metall-Sekretär, der auf Einladung der IG Me- tall-Betriebsräte einer Betriebsratssitzung beiwohnt, wird beschuldigt, er hätte die Sitzung auf seinem Laptop aufgezeichnet. Der Werksschutz führt ihn in einen Nebenraum und ruft die Polizei, die den Lap- top an sich nimmt. Und der Werkleiter verbreitet eilig per E-Mail an alle Beschäftigten, der IG Metall- Sekretär hätte die Sitzung per Tonaufnahme auf- gezeichnet, was eine Straftat darstelle. Diese Behauptung postete er zudem auf X, sie wurde dann auch über die Medien verbreitet. Ende März teilt die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) endlich mit: Die Ermittlungen ergaben keiner- lei Anhaltspunkte für eine Aufzeichnung auf dem Laptop. Das geschah leider erst drei Wochen nach der Betriebsratswahl. »Alle Beschuldigungen von Tesla sind haltlos«, kritisiert Jan Otto, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. »Hier hat eine Unternehmensleitung mit falschen Vorwürfen in eine Betriebsratswahl eingegriffen.« Angriffe nehmen zu Nach dem Gesetz dürfen Arbeitgeber eine Betriebs- ratswahl nicht beeinflussen. Daher hat die IG Metall die Betriebsratswahl vor dem Arbeitsgericht ange- fochten. Tesla ist ein extremer Fall, mit einem autoritären Boss an der Spitze. Doch auch insgesamt nehmen die Angriffe auf die gesetzliche Mitbestimmung, die De- mokratie im Betrieb und auf Betriebsräte zu. Immer mehr Arbeitgeber wollen wieder allein Herr im Haus sein – und heuern dafür auf Union Busting (Gewerk- schaftjagd) spezialisierte Anwälte an. Jede fünfte Be- triebsratsgründung in Deutschland wird laut einer Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaft- weiter auf Seite 12