im August 1996 als Industriemechaniker angefangen hat. Er erzählt, dass er zehn Jahre Schicht gearbeitet hat, bevor er Betriebsrat wurde und für die SBV kandidierte. 2014 wurde er Stellvertreter, seit Juni 2025 ist Stefan Vertrauensperson für Schwerbehinderte am Standort. Dann steht er vor einem Gebäude aus Hüttensteinen. Tür auf, hinein in die Holzwerkstatt. Hier arbeitet Frank mit seinen Kolleginnen und Kollegen: Insgesamt sind sie neun Leute, erzählt Ralf Lindenthal. Er ist der Vorarbei- ter. Dazu kommen zwei Beschäftigte, die die Heil- pädagogische Hilfe Osnabrück schickt, ein gro- ßer Träger der Behindertenhilfe in der Region. »Wir haben hier Arbeitsplätze geschaffen g r e B s r a L : o t o F für Beschäftigte mit körperlichen Einschränkun- gen«, sagt Ralf. »Alle Kolleginnen und Kollegen, die hier sind, haben eine Behinderung.« Das be- deutet aber keineswegs, dass ihre Arbeit nicht wichtig sei. »Ganz im Gegenteil. Unsere Werkstatt ist in die Produktion des Stahlwerks integriert. Sie ist vollständig in die Wertschöpfung eingebunden. Und das bedeutet: Die Kollegin- nen und Kollegen hier, die müssen was schaffen.« Eng an der Seite der Kolleginnen und Kollegen Das tun sie. Allein in der Holzwerkstatt werden täglich rund 1000 in Form gesägte Holzstücke produziert. Dazu gibt es einen Arbeitsplatz, an dem Stahlstangen zerkleinert werden, damit sie später in der Stranggussanlage verwendet werden können. »Und dann haben wir Kolleginnen und Kollegen, die im Reinigungsdienst oder in der Poststelle arbeiten«, sagt Stefan. »Es ist nicht immer leicht, eine Lösung zu finden. Aber wenn man alle Beteiligten an Bord hat, kann es gelingen.« Für Frank gab es eine gute Lösung. Seit 2014 arbeitet der 57-Jährige in der Werkstatt. Damals erlitt er zwei schwere Bandscheibenvorfälle. »Den ersten Vorfall hatte ich 2013. Damals dachte ich: ›Das packe ich, das wird wieder gut.‹« Es wurde nicht mehr gut. Trotz Physiotherapie. »Ich war Mitte 40. Ich habe 1985 im Werk meine Ausbildung zum Verfahrensme- chaniker absolviert und im Schichtbetrieb auch am Ofen gear- beitet. Das ging nicht mehr.« Die Möglichkeit, in der Holzwerk- statt zu arbeiten, war seine Rettung. »Ich habe mich hier sofort SBV-WAHLEN 2026 Im Herbst finden die Wahlen der Schwerbehinder- tenvertretungen (SBVen) in Betrieben mit mindes- tens fünf Wahlberechtigten statt. Schwerbehindertenvertreter sind Ansprechpartner für alle Beschäftigten im Betrieb. Die SBVen setzen sich für die Gesundheit erhaltende Arbeit ein, für gleichberechtigte Teilhabe und Prävention von Behinderungen. Von einer starken SBV profitieren nicht nur Kolleginnen und Kollegen mit einer Behinderung, sondern alle Beschäftigten. metall 7/8 2026 Deine 29 wohlgefühlt«, sagt Frank. Gute Jahre sind das, Jahre, in denen Frank an der Säge steht. Daheim ein Sohn, eine Tochter. Fuß- ball, Radfahren. Grillabende mit Freunden. Dann kam der Krebs. Es ist ein Tag im Februar 2019, als Frank die Diagnose Speiseröhrenkrebs bekommt. Als sein Leben von einem Tag auf den anderen in sich zusammenstürzt. Die Erschütterung, die die Diagnose in ihm auslöst, das Einstürzen von Gewiss- heiten, dieses Beben und Fallen, das, sagt Frank, sei geblie- »Wir beraten und begleiten betroffene Kolleginnen und Kollegen eng. Gemeinsam wollen wir für sie gute Lösungen finden.« Stefan Lührmann, Schwerbehindertenvertreter ben. Es ist auch jetzt da, hier an einem Besprechungstisch oben im ersten Stock der Holzwerkstatt zur Mittagszeit. »Der Krebs ist weg«, sagt Frank. »Aber das heißt nicht, dass alles wieder gut ist. Das ist es nicht.« Frank spricht von komplizierten Operationen, denen er sich unterziehen musste. Sie haben ihm unter anderem den Magen entfernt. Er erzählt, dass er Nahrung und Nährstoffe in flüssiger Form über einen Beutel direkt in den Körper geleitet bekommt und davon, dass er heute oft schwach sei und viel grübele. »Ich bin nicht mehr derselbe Mensch. Die Krankheit hat mich verändert.« 18 Monate nach der Diagnose, Anfang 2020, kehrt Frank zurück in die Holzwerkstatt. An der Säge, das ist schnell klar, kann er nicht länger arbeiten: Dafür fehlt die Kraft. »Da wurde geschaut, was ich machen kann. Was überhaupt noch möglich ist«, sagt Frank. »Schließlich bin ich auf dem Stapler gelandet. Das ist eine gute Arbeit. Ich komme jeden Tag gern zur Arbeit. Ich freue mich auf die Stunden hier.« Für Stefan, für das ganze Team der SBV am Standort, gibt es kaum Schöneres als solche Sätze. Dann wissen sie, dass es sich gelohnt hat: Dass ihre Arbeit nicht umsonst gewesen ist. »Wir begleiten unsere Beschäftigten sehr eng«, sagt Stefan. »Ich sehe mich als ersten Ansprechpartner bei allen Fragen rund um Integration und Eingliederung schwerbehinderter Menschen.« Was alles dazugehört? Natürlich die Beratung und Aufklärung betroffener Kolleginnen und Kollegen. Die Unter- stützung beim Ausfüllen von Hilfsangeboten und Fördermaß- nahmen, beim Einreichen eines Gleichstellungsantrags oder bei der Ermittlung des Grades der Behinderung. »Und sehr elementar ist die Mitwirkung der SBV, wenn es darum geht, Beschäftigte mithilfe des betrieblichen Eingliede- rungsmanagements wieder dauerhaft in den Betrieb zu inte- grieren«, sagt Stefan. Da komme es darauf an, individuelle Lösungen zu finden, die der oder dem einzelnen Beschäftigten gerecht werden. Das gelinge nicht immer. »Aber wir haben hier mit der Familie Großmann Gesellschafter, die sich einsetzen, denen die Menschen nicht egal sind«, sagt Stefan. »Und wir haben eine schlagkräftige, eine tolle Belegschaft, die mit viel Herzblut täglich zur Arbeit kommt. Zusammen können wir viel bewegen.«