3. Februar 2014
Rente nach 45 Beitragsjahren: Ein richtiger Schritt
Wir haben’s verdient
Ob am Band oder im Büro – 45 Jahre Arbeit schlauchen. Nach 45 Beitragsjahren sollen ältere Arbeitnehmner mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen können. So sieht es der Gesetzentwurf der Regierung vor. Für die IG Metall ist es ein richtiger Schritt. Für manche Beschäftigte wäre es das Größte.

Der Lärm, am schlimmsten ist der Lärm. Peter Plate arbeitet im Presswerk bei Daimler in Bremen. Die Pressen dröhnen mit 110 bis 120 Dezibel, so laut wie eine Kreissäge, jenseits der Schmerzgrenze. „Ich bin abends kaputt vom Lärm“, sagt Peter Plate. Und vom Rütteln der Maschinen. Der Betonboden federt nichts ab. „Dein Körper ist der Puffer für alle Vibrationen.“ Zu Hause muss ihn seine Frau oft bitten, leiser zu sprechen. Er selbst merkt es gar nicht mehr.

Seit 31 Jahren überholt und repariert Peter Plate die Pressen bei Daimler. Seit 41 Jahren steht er im Beruf. Mit 14 machte er bei der Deutschen Bahn eine Ausbildung zum Maschinenschlosser, ging zu Daimler, zwischendurch zur Bundeswehr und dann wieder zu Daimler. Seine Rente hat er sich verdient, findet Plate: „Wer fast 50 Jahre gearbeitet hat,sollte die volle Rente kriegen – und zwar ohne Abzüge. Alles andere ist Diebstahl“, sagt der 55-Jährige.
 

Früher ohne Abschläge

Plate und andere können hoffen, früher und ohne Abschläge in Rente zu gehen. Das Arbeitsministerium legte Ende Januar einen Entwurf vor, wonach Beschäftigte nach 45 Beitragsjahren mit 63 ohne Abschläge in Rente gehen können. Zu den Beitragszeiten zählen unter anderem Kindererziehungs- und Pflegezeit sowie Zeiten des Krankengeldbezugs. Entsprechend des Renteneintrittsalters, das auf 67 steigt, soll sich für Beschäftigte mit 45 Beitragsjahren die Grenze auf 65 erhöhen.

Peter Plate ist Jahrgang 1958. Für ihn würde das Gesetz bedeuten: Er kann mit 64 ohne Abschläge in den Ruhestand gehen. Ginge er nach derzeitiger Gesetzeslage mit 64, bekäme er 7,2 Prozent weniger Geld. Mit 63 kann er weiter nur mit vollen Abschlägen von 10,8 Prozent gehen.

Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, begrüßte das Konzept als richtigen Schritt. „Es geht um mehr Leistungsgerechtigkeit für diejenigen, die durch ihre jahrzehntelangen Beiträge die zentrale Stütze des Systems darstellen“, sagt Urban.
 

Die Jungen für die Alten

Wie Dietmar Dietzler. 1972 begann er seine Ausbildung, seither zahlt er in die Rentenkasse. 42 Arbeitsjahre liegen hinter ihm, 30 davon beim Aluminiumhersteller Aleris in Koblenz, immer im Schichtbetrieb. Erst Zwei-, dann Drei-, dann Vier und zuletzt sogar Fünf-Schicht-System. „Das mit dem Schlafen haut nicht mehr richtig hin“, sagt Dietzler. „Ich fühl?mich einfach erschöpft.“ Früher aussteigen und nicht auf Geld verzichten müssen, wäre für ihn das Größte. Auch die meisten jüngeren Kolleginnen und Kollegen finden es in Ordnung. Sie unterstützen die Älteren. Bei Aleris verzichten alle täglich auf vier Minuten ihrer Umkleidezeit. Dafür können sechs statt vier Prozent der Belegschaft in Altersteilzeit gehen.
 

Rentenkonzept ist ein richtiger Schritt

Das Rentenkonzept ist nach Ansicht der IG Metall ein richtiges Signal. Zum Konzept gehören auch Verbesserungen für Erwerbsgeminderte und Eltern, die sogenannte Mütterrente. Die IG Metall hält es für richtig, die Leistung der Eltern zu honorieren. Kritik übt sie an der Finanzierung. Da die Mütterrente eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, muss sie aus Steuergeld bezahlt werden.

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