14 Titel metall 7/8 2025 weiter von Seite 12 Tisch, neue Investitionen sollen in einem neuen Zu- kunftstarifvertrag festgeschrieben werden. Auf diese Grundsatzvereinbarung einigten sich IG Me- tall und der Thyssenkrupp-Vorstand und nun kann wieder verhandelt werden. Knut Giesler, Bezirkslei- ter der IG Metall Nordrhein-Westfalen, ist zufrieden: »Damit ist gewährleistet, dass wir die dringend nö- tige Restrukturierung von Thyssenkrupp Steel unter geordneten Bedingungen angehen können.« Am Ende soll ein Tarifvertrag für die Zukunft stehen, »der Beschäftigung, Standorte und die notwendi- gen Investitionen für die grüne Transformation sichert«. Doch in trockenen Tüchern ist deswegen noch längst nicht alles. »Eine sozial verantwort- liche Restrukturierung und Verselbstständigung von Thyssenkrupp Steel wird Geld kosten«, mahnt Gesamtbetriebsratsvorsitzender Tekin Nasikkol. Der Metaller fordert: »Hier wird der Mutterkonzern noch Farbe bekennen müssen.« Während sich in der Zentrale von Thyssen- krupp Steel im Duisburger Norden die Wogen lang- sam glätten, stecken die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) im Süden von Duisburg noch mitten im Sturm. Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzen- der der IG Metall, steht fest an der Seite der Kolleginnen und Kollegen: »Die HKM hat drei Ei- gentümer, zwei davon haben sich schon verdrückt. Thyssenkrupp Steel hat die Verträge gekündigt und »Wir dürfen keinen unkontrollierten Import von Stahl zulassen, der unter Bedingungen produziert wird, die in Europa unzulässig sind.« Tekin Nasikkol, Gesamtbetriebsratsvorsitzender, Thyssenkrupp Steel Vallourec will keine Mengen mehr beziehen, und die Frage ist jetzt, wie sich Salzgitter positioniert. Wir erwarten aber von allen drei Eigentümern, dass sie sich klar zu den Beschäftigten und zum Stand- ort bekennen. Die HKM braucht mit ihren 3000 Arbeitsplätzen eine Alternative. Wir werden dafür kämpfen.« Mitbestimmung verteidigen 300 Kilometer entfernt, diesmal Richtung Osten, sind wir bei der Salzgitter AG, in der Mitte Deutsch- lands, angelangt. Hier musste die IG Metall einen ganz anderen Abwehrkampf führen: Sie musste die Mitbestimmung verteidigen. Es ist Anfang Dezem- ber 2024 und in einem Hotel erklärt die Geschäfts- führung der Salzgitter AG gerade dem Aufsichtsrat, dass ein Konsortium aus der GP Günter Papenburg Das sind die größten Rohstahlproduzenten China ist mit weitem Abstand auf Platz eins. Deutschland kommt auf Platz sieben. Weltstahlproduktion (2023): 1 885,7 Millionen Tonnen China Indien Japan USA Russland 140,8 87,0 81,4 76,0 Südkorea 66,7 Deutschland 35,4 Türkei 33,7 Brasilien 31,8 Iran 31,0 1019,1 53,9 % 7,4 % 4,6 % 4,3 % 4,0 % 3,5 % 1,9 % 1,8 % 1,7 % 1,6 % G A e p o r u E l e e t S p p u r k n e s s y h t : o t o F Stand: 2024 Quelle: EUROFER AG und TSR Recycling Anteile an dem Stahlherstel- ler erwerben und so die Kontrolle übernehmen will. Als die Beschäftigten davon Wind bekommen, for - dern 3000 Metallerinnen und Metaller laut stark vor dem Hotel: »Wir wollen Eigenständigkeit« und »Keine Übernahme«. Was hat sie dazu veranlasst? Die IG Metall und die Beschäftigten sehen die Ge- fahr, dass die Mitbestimmung durch die Über- nahme ausgehebelt wird. Im April verkündet Salzgitter dann per Presse- mitteilung: »Salzgitter AG bleibt eigenständig.« Die Übernahme ist also vom Tisch. Das Konsortium und der Vorstand der AG konnten sich nicht auf einen Preis einigen. Hans-Jürgen Urban, geschäfts- führendes Vorstandsmitglied der IG Metall, der im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt, freut das: »Wir sind früh zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Über- nahme durch das Bieterkonsortium keinen Beitrag zur Zukunft der Salzgitter AG leisten würde.« Warum der Stahlkonzern mit dem Konsortium liebäugelte, erklärt Hasan Cakir, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Salzgitter AG, so: »Von der Übernahme versprach sich der Vorstand finanzielle Sicherheiten für unsere Investitionen. Doch das Konsortium zahlt nicht unsere Transformation.« Hasan betont: »Der Vorstand verkündet in seiner Pressemitteilung weitere Aktivitäten in der Port - folioentwicklung und Einsparungen durch das Effizienzprogramm Performance 2028 in Höhe von 500 Millionen Euro. Die Haltung des Vorstands zeigt, dass uns Be- schäftigten schwierige Zeiten bevorstehen, denn die Finanzierung der Transformation ist bislang nicht gelöst. Das Ende der Übernahmegespräche ist den- noch ein wichtiger Schritt, auf den die Beschäftigten stolz sein können.« Doch wie kann es sein, dass bei