Hoher Krankenstand von Leiharbeitnehmern
Leiharbeit kein Zukunftsmodell für unsere Gesellschaft
Arbeitsplatzunsicherheit, mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten, wechselnde Einsatzorte und -bereiche sowie die Entlohnung schlagen Beschäftigten in Leiharbeit auf die Nerven und auf die Knochen. Das schreibt die Techniker Krankenkasse (TK) in ihrem "Gesundheitsreport 2011" zum Krankenstand bei Leiharbeitern. Das Fazit der Krankenkasse: "Zeitarbeit macht krank."
Leiharbeiter sind häufiger arbeitsunfähig
Nach Angaben der TK sind Leiharbeiter generell häufiger arbeitsunfähig als Beschäftigte in anderen Branchen. So sei 2010 jeder Leiharbeiter in Deutschland durchschnittlich 15 Tage krankgeschrieben gewesen. Bei "konventionellen Arbeitnehmern" seien es hingegen gut 3,5 Tage weniger gewesen. Die Ursache für den erhöhten Krankenstand sehen die Autoren der TK hauptsächlich in den oftmals körperlich belastenden Tätigkeiten für die Leiharbeiter eingesetzt werden. Etwa ein Drittel der Differenz sei allerdings auf die Beschäftigungsform Leiharbeit an sich zurückzuführen.
Angesichts finanzieller Unsicherheit und fehlender Zukunftsperspektiven - nur sieben Prozent der vorher arbeitslosen Leiharbeiter werden in eine Festanstellung übernommen - litten viele Leiharbeiter unter Existenzängsten. Und so gehörten 2010 laut TK psychische Störungen zu den Hauptursachen für Fehlzeiten.
Missbrauch unterbinden
"Leiharbeit zerfrisst nicht nur eine faire Ordnung am Arbeitsmarkt, sondern auch die Gesundheit der Menschen. Finanzielle Unsicherheit und Existenzangst haben eine fatale Wirkung auf die Leiharbeitnehmer", kommentiert der Zweite Vorsitzende der IG Metall Detlef Wetzel, die TK-Gesundheitsreport. Auch deshalb müsse Leiharbeit deutlich eingeschränkt und der Missbrauch für Lohndumping und schlechtere Arbeitsbedingungen unterbunden werden.
Wetzel bekräftigte die Forderung der IG Metall nach gesetzlichen Rahmenbedingungen, die den Grundsatz "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" und den Einsatz von Leiharbeit nur für Auftragsspitzen sicherstellen. "Leiharbeit", sagte Wetzel, "ist kein Zukunftsmodell für unsere Gesellschaft."
Prekäre Beschäftigung greift die Würde des Menschen an
Die TK ist nicht die erste Krankenkasse, die auf die erhöhte gesundheitliche Belastung von prekär Beschäftigten wie Leiharbeitern hinweist. Breits im Februar 2010 schrieben Antje Ducki und Christine Busch in einer Analyse für die vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) und dem AOK-Bundesverband herausgegebene Publikation "G+G Wissenschaft": "Prekäre Beschäftigungsverhältnisse greifen die Würde des Menschen an, da sie die objektiven Möglichkeiten, ein selbst bestimmtes Leben unter angemessener sozialer Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen zu führen, einschränken."
Die Autorinnen sehen psychische, körperliche und soziale Belastungen bei ihnen stärker ausgeprägt als bei regulär Beschäftigten, und auch ein höheres Unfallrisiko. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse förderten das Stresserleben und ein gesundheitsschädliches Verhalten.


























