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Zwischenbericht der Nationalen Plattform für Elektromobilität

Zwischenbericht der Nationalen Plattform für Elektromobilität

Made in Germany soll auch für Elektroautos gelten

03.12.2010 Ι Die Nationale Plattform für Elektromobilität (NPE) soll dafür sorgen, dass auch in Deutschland hochwertige Elektroautos hergestellt werden. Das ist durchaus möglich, wie der Zwischenbericht der NPE zeigt. Darin werden auch die wichtigsten Schritte genannt, die jetzt unternommen werden müssen.

Am 30. November 2010 ist der Zwischenbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität erschienen. Wer nicht alle 49 Seiten  lesen will, dem haben wir die aus der Sicht von Beschäftigten besonders wichtigen Passagen herausgesucht.

Zur industriepolitischen Bedeutung
Die Stärke der deutschen Industrie speist sich zu einem wesentlichen Anteil aus ihrem Erfolg auf den Exportmärkten. Eine Ausweitung des Qualitätssiegels "Made in Germany" auf die Elektromobilität ist notwendige Konsequenz, um eine starke Position im neuen Markt zu erlangen und die Aufgabe aktueller Wettbewerbsvorteile deutscher Schlüsselindustrien zu verhindern. Die deutsche Industrie ist Leitanbieter in vielen für die Elektromobilität relevanten
Technologiefeldern. Der Aufbau eines Leitmarkts Elektromobilität in Deutschland soll dem Klima- und Ressourcenschutz Vorschub leisten. Forschungsvorhaben in Höhe von rund vier Milliarden Euro bis 2013 wurden definiert und priorisiert. Die Industrie leistet einen signifikanten Beitrag.

Was soll erreicht werden
Das Ziel ist ein deutscher Leitmarkt von einer Millionen Elektrofahrzeugen bis zum Jahr 2020. Daraus ergibt sich ein Bedarf an intelligenter Förderung. Zu den momentanen Herstellungskosten sind diese Fahrzeuge nicht zu verkaufen. Eine Förderung des Kaufs durch eine Prämie - das gibt es in einigen Ländern schon - wird im Bericht nicht direkt gefordert. Es ist aber auch noch kein deutsches Elektroauto auf dem Markt.

Automobilindustrie und Elektrofahrzeug
Die deutsche Automobilindustrie ist mit einem Umsatz von über 260 Milliarden Euro einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in Deutschland und steht für gut 20 Prozent des Gesamtumsatzes der deutschen Industrie. Sie steht gleichzeitig repräsentativ für die Exportstärke der deutschen Industrie: drei von vier in Deutschland gebauten Autos werden im Ausland abgesetzt. Mehr als fünf Millionen Arbeitsplätze sind in der gesamten Wertschöpfungskette eingebunden, weil neben den Automobilherstellern und der Zulieferindustrien eine große Bandbreite weiterer Industriesektoren beteiligt ist. Bei einem Bestand von einer Millionen Elektrofahrzeugen im Jahr 2020 können unter der Annahme eines hohen lokalen Wertschöpfungsanteils neue Arbeitsplätze in der deutschen Automobilindustrie sowie den verschiedenen Zulieferindustrien entstehen. (Über die Anzahl wird nichts genaueres gesagt, doch kommen auch andere Untersuchungen insgesamt zu einem positiven Saldo. Immer vorausgesetzt, dass die Fertigungstiefe auf dem heutigen Niveau bleibt)

Ausbildung
Die Elektromobilität bedarf einer Vielzahl neu ausgebildeter Fachkräfte und des rechtzeitigen Aufbaus der erforderlichen Kompetenzen. Dies gilt insbesondere für drei Kernthemen der Elektromobilität: die Elektrochemie beziehungsweise die Batterieforschung, die Leistungselektronik sowie den Leichtbau. Sowohl in der akademischen und der beruflichen Bildung besteht erheblicher Bedarf in der berufsbegleitenden Fortbildung der heutigen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Dazu müssen Elektromobilitäts-Kompetenzzentren aufgebaut und zeitnah mit Trainern und Ausstattung versehen werden.

Was heißt das für die Arbeitsplätze?
Einen Strukturbruch in der Wertschöpfungskette und damit den Verlust von Arbeitsplätzen gilt es in jedem Fall zu vermeiden. (Hier geht es vor allem darum, wie man Batterieproduktion und Endfertigung in Deutschland zusammen bekommt.) Die in den Betrieben vertretenen Gewerkschaften spielen eine wichtige Rolle als Bindeglied zwischen Beschäftigten, Unternehmen und staatlicher Politik. Die Gewerkschaften tragen dazu bei, dass der mit der Elektromobilität verbundene Systemwechsel in der Antriebstechnologie nicht als Bedrohung bestehender Arbeitsplätze, sondern als Chance für Innovation und Wachstum wahrgenommen wird

Batterie
Die Batterie ist eine Schlüsselkomponente des Elektrofahrzeuges. Deutschland braucht eine integrierte Zell- und Batteriesystemproduktion. Der Anspruch Leitanbieter in der Elektromobilität zu sein, ist eng mit der Technologieführerschaft auf dem Gebiet der Batterie verbunden. Das scheint einer der technologischen Knackpunkte zu sein, warum Deutschland hier hinterher ist. Warnend heißt es an anderer Stelle: Die chinesischen Programme zur Elektromobilität, sowie die großen Hybridvolumina insbesondere japanischer Hersteller und Zulieferer sind eine ernste Gefahr bzw. echte Konkurrenz zum deutschen Anspruch. 

Umwelt
Die Einführung der Elektromobilität wird nur dann einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn sichergestellt ist, dass der Energiebedarf der Elektrofahrzeuge mit erneuerbaren Energien gedeckt wird. Es ist erfreulich, dass dieser Gesichtspunkt so deutlich formuliert ist und hier kein Argument für den Betrieb von Atomkraftwerken abgeleitet wird.
Aufgrund des im internationalen Vergleich besonders hohen Anteils volatiler erneuerbarer Energien existieren besonders große Synergiepotenziale mit der Elektromobilität. Die Berücksichtigung der Elektrofahrzeuge in intelligenten Netzsteuerungen kann früher als in anderen Ländern stattfinden. Die Batterien der Elektrofahrzeuge könnten eine Art Ausgleichspuffer mit stromerzeugenden Windrädern und Solarkollektoren darstellen.

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