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Hans Matthöfer. Foto: Picture Alliance

Zum Tod von Hans Matthöfer

Bildungsarbeit konkret

16.11.2009 Ι Der IG Metall Gewerkschafter und SPD Politiker Hans Matthöfer war ein Vordenker gewerkschaftlicher Bildungsarbeit und betrieblicher Mitbestimmung. Beide Bereiche wollte er praktisch auf die Arbeits- und Lebenspraxis der Beschäftigten ausrichten. Selbstbestimmung statt Stellvertretung war sein Ziel.

Hans Matthöfer wurde am 25. September 1925 als Kind einer Arbeiterfamilie in Bochum geboren. Er war 26 Jahre lang für die SPD im Bundestag und zur Zeit der sozialliberalen Koalition Forschungs-, Finanz- und Postminister. Der SPD-Politiker war ein überzeugter Demokrat und vertrat eine basisnahe Gewerkschaftspolitik. So forderte er: "Eine Gewerkschaft muss nicht nur in ihrer Struktur selbst demokratisch sein, sie muss darüber hinaus auch eine Politik betreiben, die das Unabhängigkeitsstreben ihrer Mitglieder, deren Initiative und Teilnahme am innergewerkschaftlichen Prozess der demokratischen Willensbildung systematisch fördert".

Nach dem Studium trat Matthäfer 1954 in die Wirtschaftsabteilung der IG Metall ein, IG Metall-Mitglied wurde er bereits 1946. Schon vorher hatte er einen engen Kontakt zu Gewerkschaften gesucht und sich schon im Hessenstreik 1951 auf Seiten der IG Metall engagiert.  

Bahnbrechende Bildungsarbeit
Der studierte Ökonom leitete von Oktober 1960 bis August 1972 die Bildungsabteilung beim Vorstand der IG Metall. Dort entwickelte er eine bahnbrechende neue Bildungskonzeption, die 'betriebsnahe Bildungsarbeit' und erprobte sie erstmals in den Fordwerken in Köln (Ford Aktion). Bildungsarbeit wurde unmittelbar eingesetzt, um schwachorganisierte Betriebe gewerkschaftlich zu organisieren, oder vorhandene Potentiale zu stärken. Um diesen Ansatz zu verbreitern, wurde ehrenamtliche Bildungsobleute ausgebildet und die Bildungsarbeit auf eine breitere Basis gestellt. In seine Zeit fällt beispielsweise die Planung des Bildungszentrums Sprockhövel.

Engagement für Mitbestimmung
Für Matthöfer war gewerkschaftliche Bildungsarbeit immer auch ein Element betrieblicher Mitbestimmung, die er stets in engem Zusammenhang dachte. Bildungsarbeit "würde sich dann am wirksamsten erweisen, wenn sie als betriebsnahe Bildungsarbeit als Teil einer Betriebspolitik, auf eine stetige Erweiterung des individuellen Freiheitsbereichs der Arbeitnehmer durch Ausweitung der Mitbestimmungsrechte am Arbeitsplatz gerichtet ist", so Matthöfer. Bereits 1972 hatte er sich bei der Neuformulierung des Betriebsverfassungsgesetzes energisch für eine Ausweitung der Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer eingesetzt.

Der Politiker
Matthöfer war von 1961 - 1987 Bundestagsabgeordneter der SPD. 1972 verließ er die IG Metall um in der sozialliberalen Regierung  zunächst als parlamentarischer Staatssekretär und dann ab 1974 als Minister für Forschung und Technologie neue Aufgaben zu übernehmen. In seiner Funktion als Forschungsminister leistete er Pionierarbeit durch seine Projekte zur Humanisierung der Arbeitswelt. Arbeitsbedingungen wurden systematisch erfasst und auf mögliche Alternativen im Sinne einer 'guten Arbeit' untersucht.

Hans Matthöfer ist am 15. November 2009 im Alter von 84 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

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