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Zukunft von Engineering- und IT-Arbeit. Foto: IG Metall

Zukunft von Engineering- und IT-Arbeit

Gesundheit am seidenen Faden

27.09.2012 Ι Projekte, internationale Teamarbeit und globaler Wettbewerb verändern die Arbeit von Ingenieuren und IT-Beschäftigten. Stress und psychische Belastung haben deutlich zugenommen. Was man tun kann, um ein Arbeitsleben lang gesund zu bleiben, diskutierten Praktiker auf der Tagung "Zukunft der Arbeit" von Hans-Böckler-Stiftung und IG Metall.

Arbeit in der IT-Branche hatte lange ein positives Image. Die Leute waren hochmotiviert, selten krank und wurden so gut wie nie frühverrentet. Jüngere Erhebungen zeigen jedoch, dass Stress und Burnout in der Branche inzwischen weit verbreitet sind.


"Seit etwa zwei Jahren verändern sich die Arbeitsbedingungen ins Negative", berichtete Anja Gerlmaier auf der Tagung in Wolfsburg. Die Wissenschaftlerin von der Uni Duisburg forscht seit Jahren zu den Arbeitsbedingungen in der Branche. Gerlmaier coacht Betriebe, um zu verhindern dass Beschäftigte wegen Burnout und anderer Probleme ausfallen. Denn die Unternehmen riskieren erhebliche Umsatzeinbußen, wenn Mitarbeiter ernstlich erkranken und ausfallen und deswegen Termine platzen.


Fließbandarbeit am PC

Viele Beschäftigte im Ingenieurs- und IT-Bereich klagen darüber, nicht abschalten zu können. Ein und derselbe Mitarbeiter muss oft mehrere Projekte parallel bearbeiten und kommt so schnell in Zeitdruck. "Fließbandarbeit am PC ist inzwischen gang und gäbe", sagt Gerlmaier. Entwicklerteams arbeiten oft am Rande der Belastbarkeit. Die Teams sind aus Spargründen knapp besetzt und so spezialisiert, dass man sich nicht mehr gegenseitig vertreten kann, wenn einer krank wird. 


Tücken der Teamarbeit

In der globalisierten IT-Welt werden viele Projekte in international gemischten Teams abgewickelt. In diesen grenzüberschreitenden Teams fühlen sich die Leute oft allein und einsam, auch wenn sie täglich miteinander skypen. Bei Schwierigkeiten fehlt dagegen der direkte Ansprechpartner vor Ort. Durch ständigen Wechsel und Restrukturierungen in den Abteilungen gibt es häufig keine direkten Vorgesetzten. 


Abhilfe schaffen

Was also tun? Bewährt haben sich Regelungen, die verhindern, dass Mitarbeiter parallel an verschiedenen Projekten arbeiten. Auch die Einführung von Blockzeiten macht Sinn, in denen man stundenweise ohne Unterbrechung durch Kollegen und Telefonate arbeiten kann. Solche Regeln muss man in der Abteilung mit allen kommunizieren.


Wissenschaftlich belegt ist der Nutzen von regelmäßigen Pausen. Wer alle ein bis zwei Stunden mal an die frische Luft geht oder mit Kollegen einen Kaffee trinkt, kann seine Effektivität um 30 Prozent steigern. Insgesamt geht es nicht ohne Unterstützung durch die Vorgesetzten. Wenn die Arbeit über Hand nimmt, muss man mit dem Chef über Termine und Arbeitsvolumen reden können.


Mehr zur Prävention tun

Frauen und Männer reagieren übrigens unterschiedlich auf Arbeitsstress. Frauen fühlen sich schneller belastet. Aber wenn sie einmal den Grund des Übels erkannt haben, sind sie konsequenter bei Gegenmaßnahmen. "Frauen sind offener für Veränderungen, Männer bleiben länger in ihrem alten Trott", so Gerlmaier.


Arbeitsgestaltende Maßnahmen, so ein Ergebnis der Tagung, können in der IT-Branche noch erhebliche gesundheitsfördernde Potenziale erschließen. Sie können auch viel dazu beitragen, die Beschäftigten langfristig gesund und leistungsfähig zu halten. Hilfreich kann eine umfassende Gefährdungsanalyse unter Beteiligung des Betriebsrates sein. Die Unternehmen tun gut daran, sich für eine effektive Prävention von Stress und Burnout ins Zeug zu legen. Denn der Fachkräftemangel macht es Unternehmen zunehmend schwierig, geeignetes Personal zu finden.

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