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Zu Besuch bei Petra Deichmann. Foto: Frank Rumpenhorst

Zu Besuch bei Petra Deichmann

Die Rüsselsheimerin

23.10.2012 Ι Petra Deichmann ist ein hessisches Urgestein. In Rüsselsheim geboren und aufgewachsen, amtet und lebt sie Opel. Ihr Grundsatz als Betriebsrätin und Aufsichtsrätin: "Wenn nötig keine Konflikte scheuen. Konstruktive Lösungen im Sinne der Beschäftigten hartnäckig verfolgen und durchsetzen."

Büro. Ein paar private Bilder und eine kleine Blume stehen auf ihrem Schreibtisch. Der Rest im Zimmer ist weiß und kühl. Funktionell. Das Büro ist Programm. Hier gibt es keinen unnötigen Schnickschnack, hier wird sich aufs Wesentliche konzentriert.

So tickt auch Petra. "Ich bin preußisch-protestantisch erzogen", beschreibt sie sich. Und das heißt: Sich nicht vor Verantwortung drücken - auch wenn es mühsam ist und Erfolge keine Selbstläufer sind. Ein Anspruch, der sich durch ihr Leben zieht, ob als Maschinenschlosserin, Mutter, Vertrauensfrau, Betriebsrätin oder auch als Aufsichtsrätin.

Maschinenschlosserin

Eigentlich wollte Petra technische Zeichnerin werden. Bei Opel: Dort, wo schon ihr Vater und Bruder arbeiteten. Aber zunächst landete sie vor mehr als 30 Jahren auf der Warteliste für ihren Ausbildungsplatz. Da Abwarten noch nie ihre Stärke war, entschied sie sich,Maschinenschlosserin zu werden, und damit auch Vorzeigefrau zu sein. Sie war die erste weibliche Auszubildende im gewerblichen Bereich.

Damals wie heute eine kleine Sensation. "Auf mich haben immer alle genau geguckt. Meister und Medien. Ich konnte mir nix erlauben, das hat sofort jeder gewusst." Nach ihrer Ausbildung wechselte sie ins technische Entwicklungszentrum. Sie wurde Vertrauensfrau, Betriebsrätin und kümmerte sich um 1000 Leute im Achsenbau. Damals mit 30 Jahren war sie die Jüngste im Betriebsratsgremium. Wenige Jahre später ist sie Mitglied im Personalplanungsausschuss.

Manchmal lagen bis zu 100 Kündigungen pro Jahr auf ihrem Schreibtisch. Da heißt es, kreativ sein. Lösungen finden. Beschäftigung sichern. "Die meisten habe ich im Betrieb untergebracht." Aber leider nicht alle. "Die Kolleginnen oder Kollegen sitzen dann tränenüberströmt vor Dir. Und manchen kannst Du einfach nicht mehr helfen."
 

Mutter

Der Einsatz geht auch nach Feierabend weiter. Beim Bäcker, beim Friseur oder auf der Straße werden Probleme gewälzt. Die Leidensgeschichte von Opel hat Tradition. "Manchmal habe ich mir am Wochenende meine Tochter geschnappt, um wenigstens ihr eine Auszeit zu gönnen", sagt Petra Deichmann.

Die Ehe scheitert. Die Doppelbelastung Familie, Leben und Beruf ist hoch. "Das Schlimmste an der Belastung ist das ewig schlechte Gewissen. Verbringst Du genügend Zeit mit Deinem Kind? Bist Du noch eine gute Freundin? Wann haben Dich Deine Eltern das letzte Mal gesehen?" Sie sieht es wie viele berufstätige Mütter: Die Freiheiten fangen für Männer da an, wo die Hemden gebügelt sind und der Kühlschrank gefüllt ist. Ihre Tochter Maria ist heute 16 Jahre und stolz auf ihre Mutter. "Wenn ich eine wichtige Rede halten muss, dann übe ich das vorher mit ihr. Maria hat immer gute Tipps für mich", schwärmt Petra Deichmann. Entscheidungen treffen die beiden gemeinsam: Auch die, ob sich Petra zur stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden aufstellen lassen soll. "Maria, hat mir Mut gemacht."

Macherin

Petra Deichmann ist kein Mensch, der gerne im Rampenlicht steht. Dinge wegarbeiten, Konzepte entwerfen, Beschäftigung sichern, das ist ihr Ding. "Ich habe kurz überlegt und mir dann gesagt, bevor ich mir jemanden vor die Nase setzen lasse, mache ich die Arbeit als stellvertretende Betriebsratsvorsitzende dann lieber selbst." Jetzt genießt sie die Teamarbeit mit dem Opel-Betriebsratsvorsitzenden Wolfgang Schäfer-Klug.

Eine Quote hat sie für ihre Funktionen nie gebraucht. Vor gut einem Jahr wählten die Arbeitnehmervertreter sie in den Aufsichtsrat. Trotzdem ist die 50-Jährige für eine Frauenquote in Aufsichtsräten. "Nicht alle Frauen sind so wie ich und sagen, ja, hier bin ich. Sie warten ab oder wollen gefragt werden." Frauen in Aufsichtsräten ist nicht eine Frage der Gerechtigkeit, sondern der Kompetenz, davon ist die Rüsselsheimerin fest überzeugt. "Frauen bringen viel Sachverstand und Herz mit, das tut solchen Gremien gut." Für sie persönlich ist ihre Aufgabe im Aufsichtsrat eine konsequente Weiterführung ihrer Betriebsratsarbeit: "Ich will beiOpel Beschäftigung sichern."

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