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Gute Arbeit / Mai 2010

Zeitschrift Gute Arbeit - Mai 2010

Leiharbeit - eine Grauzone des Arbeitsschutzes

Leiharbeitnehmer sind bei der Gefährdungsbeurteilung und Arbeitsplatzunterweisung besonders benachteiligt. Vor allem kurze Einsatzzeiten führen dazu, dass eine angemessene Arbeitsplatzunterweisung nicht stattfindet und Belastungen nicht dokumentiert werden. Forscher des Projekts GRAziL untersuchen die besondere Gefährdungssituation von Leiharbeitnehmern und verweisen auf eine Reihe von Defiziten und Problemen bei der Arbeitnehmerüberlassung.

GRAziL steht für "Gestaltung, Umsetzung und Transfer von Instrumenten zum Ressourcenmanagement und zum Arbeitsschutz im Rahmen eines zielgruppenbezogenen Ansatzes für Leiharbeitnehmer in Entleihunternehmen". Die Projektforscher untersuchen die besondere Gefährdungssituation von Leiharbeitnehmern, insbesondere ihre hohen psychischen Fehlbelastungen. Bei der ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung zeigen die Erfahrungen des Forschungsteams eine Reihe von Problemen bei der Arbeitnehmerüberlassung auf. Das Projekt GRAziL wird gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) fachlich begleitet.

Nicht vergleichbare Arbeitsbedingungen
Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) regelt unter Paragraf 12 (1), dass dem Zeitarbeitsunternehmen die wesentlichen Arbeitsbedingungen angegeben werden müssen, die für einen vergleichbaren Stammarbeitnehmer gelten. Problemetisch ist jedoch, dass Betriebe zwischenzeitlich ganze Abteilungen oder Berufsgruppen mit Leiharbeitnehmern besetzen, so dass es unter Umständen keinen vergleichbaren Arbeitsplatz eines Stammarbeitnehmers mehr gibt. Für ganze Arbeitsbereiche, die mit Leiharbeitern besetzt sind, gibt es keine Gefährdungsbeurteilungen mehr. Hier muss dann ein Arbeitsschutzplan zum Einsatz von Leiharbeitnehmern gemacht werden (vorausschauende Gefährdungsbeurteilung).

Um Arbeitsbedingungen vergleichen und angeben zu können, müssen im Betrieb anteilig genügend Stammarbeitnehmer in Berufsgruppen und Abteilungen gehalten werden. Dazu sollte der Betriebsrat mit der Geschäftsleitung vereinbaren, den Einsatz von Leiharbeitnehmern prozentual zu begrenzen.

Kurze Einsatzzeit der Leiharbeitnehmer
Sind Leiharbeitnehmer nur wenige Tage oder Wochen im Entleihunternehmen eingesetzt, kann eine angemessene Arbeitsplatzunterweisung nicht stattfinden. Nach Paragraf 12 (2) Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und der berufsgenossenschaftlichen Vorschrift BGV A1 sind diese jedoch zwingend vorgeschrieben. Die Inhalte der Unterweisung ergeben sich aus der dokumentierten ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung. Verkürzen oder weglassen wichtiger Inhalte der Arbeitsplatzunterweisung sind unzulässig.

Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte
Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und der Betriebsarzt des Entleihunternehmens sowie des Zeitarbeitsunternehmens sind für die Betreuung der Leiharbeiter zuständig. In der Realität verursacht diese "Doppelbetreuung" mehrheitlich ein gegenseitiges "Zuschieben" von Verantwortungen der Arbeitsschutzakteure. Durch die Komplexität und Anforderungen des Arbeitsschutzes beim Einsatz von Leiharbeitnehmern haben der Regelungsbedarf, das Festlegen von Verantwortlichkeiten und die Kommunikation mit dem Zeitarbeitsunternehmen zugenommen, ohne bisher zu klaren Verfahrensweisen zu kommen.

Der Autor
Prof. Dr. Thomas Langhoff ist Diplom-Arbeitswissenschaftler, Diplom-Psychologe, Geschäftsführer der prospektiv Gesellschaft für betriebliche Zukunftsgestaltungen mbH, Dortmund sowie in der Projektleitung GRAziL.

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