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Foto: ERnst Boese/Fotolia.de

Würth-Gruppe

Von Zurückhaltung keine Spur

28.08.2009 Ι Nur noch bis zum Wahltag gelte der Stillhaltepakt zwischen Industrie und Regierung. Danach drohe massiver Arbeitsplatzabbau. Unternehmer Reinhold Würth äußerte diese Woche in der "Financial Times Deutschland", dass angesichts der Überkapazitäten im Maschinenbau und der Autoindustrie Kurzarbeit nicht ausreiche, der Krise Herr zu werden. Dass Würth mit Jobabbau nicht bis zum 27. September wartet, zeigt das Beispiel des Tochterunternehmens Arnold Umformtechnik.

Bei der Würth-Tochter Arnold Umformtechnik sollen von den 545 Beschäftigten über 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren. Die Vorgabe des Mutterkonzerns ist klar: Der Jahresabschluss 2010 soll eine schwarze Null ausweisen. Dazu müssen 4 bis 4,5 Millionen Euro bei den Personalkosten eingespart werden.

Jobabbau bei Arnold
In den Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall wurde den Beschäftigten zwischenzeitlich das Messer auf die Brust gesetzt: Wenn die Belegschaft auf die Hälfte ihrer Sonderzahlungen verzichten würde, wäre die Geschäftsleitung bereit gewesen, 20 Kündigungen weniger auszusprechen, bei einem Komplettverzicht sollten 40 Jobs weniger gestrichen werden. Für die IG Metall vor Ort stand von Anfang an fest: Gleichzeitig verzichten und entlassen, das passt nicht zusammen.

Die Forderung der Arbeitgeber ist mittlerweile vom Tisch, auch weil die Beschäftigten einen Verzicht abgelehnt und am vergangenen Montag vor dem Verhandlungsraum demonstriert haben. Doch die Geschäftsleitung besteht weiterhin auf Entlassungen. Durch Aufhebungsverträge und vorzeitiges Ausscheiden in den Ruhestand wurden bereits etwa 30 Arbeitsplätze abgebaut, weitere 58 Entlassungen sind noch geplant. Nach Meinung der IG Metall gäbe es auch ohne Kündigungen noch viel Einsparpotenzial: Noch bis Herbst 2010 kann das Instrument Kurzarbeit genutzt werden.

Einschnitte im Stammwerk
Auch die Beschäftigten im Stammsitz des Würth-Konzerns in Künzelsau müssen Einschnitte hinnehmen. Es wurde Kurzarbeit gefahren und zusätzlich verzichtet ein Teil der Belegschaft als Solidarbeitrag auf fünf Prozent des Gehaltes. Das wurde im Einvernehmen so vereinbart - zwischen der Geschäftsleitung und dem so genannten "Vertrauensrat". Denn: Einen Betriebsrat gibt es bei Würth nicht. Der Vertrauensrat ist eine hausgemachte Lösung, die allerdings nicht über die rechtliche Grundlage eines Betriebsrats verfügt.

Für Heidi Scharf, IG Metall Schwäbisch Hall, handelt es sich um eine Art "Goodwill-Instrument". Gegenüber unserer Redaktion sagte sie: "Der Vertrauensrat wird zwar bei Kündigungen angehört, ein Widerspruch zu einer Kündigung ist uns bisher nicht bekannt. Der hätte auch rechtlich keine Folgen für die Betroffenen." Denn nur ein nach dem Gesetz gewählter Betriebsrat kann bei Kündigungen seine Zustimmung rechtswirksam verweigern.

Kein Betriebsrat
Auch beim Thema Kurzarbeit hat der Vertrauensrat seine arbeitgeberfreundliche Haltung gezeigt. Sie wurde mit Zustimmung des Vertrauensrates bei der Agentur für Arbeit angemeldet und von dieser akzeptiert. "Obwohl jede und jeder Beschäftigte dem ausdrücklich persönlich hätte zustimmen müssen", empörte sich Heidi Scharf.

Die UnternehmenskuItur der Würth-Gruppe wird noch heute wesentlich von Reinhold Würth geprägt. Würth hatte das Schrauben-Handelsunternehmen zum internationalen Marktführer in der Befestigungs- und Montagetechnik mit rund 60.000 Beschäftigten weltweit aufgebaut. In der Region ist er als großer Kunstmäzen und Kulturförderer bekannt. 1994 zog sich Würth aus dem operativen Geschäft zurück und fungiert nun als Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats, dem obersten Gremium der Unternehmensgruppe.

"Schraubenkönig" Würth
Der wegen Steuervergehen vorbestrafte Multimilliardär, der verdiente Mitarbeiter auch gerne mal mit einer Reise in die Karibik belohnt und Außendienstmitarbeiter mit Drohbriefen unter Druck setzt, bewies zuletzt wenig Fingerspitzengefühl: Während Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt wurden, kaufte er sich nach Berichten des "Spiegel" eine 85 Meter lange Luxusyacht.

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