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Windradhersteller REpower: Sechster Verhandlungstag war Aktionstag. Foto: windpower-aktiv.de

Windradhersteller REpower: Sechster Verhandlungstag war Aktionstag

Mit Power für einen Tarifvertrag

30.10.2012 Ι Sechsmal verhandelt - sechsmal ist nichts passiert: Seit Juli 2012 kämpfen die Beschäftigten des Windradherstellers REpower um einen Tarifvertrag. Bisher ohne Ergebnis. Doch sie geben nicht auf. Am 31. Oktober wird die IG Metall mit dem Arbeitgeber weiterverhandeln.
Mit Tröten, Megafonen und Transparenten zogen 100 Metallerinnen und Metaller am sechsten Verhandlungstag durch Bremerhaven, um ihre IG Metall in Hamburg zu unterstützen. Viele Passanten erklärten sich spontan solidarisch.

Mit dieser Aktion und den vorausgegangenen Warnstreiks demonstrierten die Beschäftigten eindrucksvoll, wie ernst es ihnen mit dem Tarifvertrag ist. Dennoch konnte sich die Geschäftsleitung auch am 17. Oktober nicht zu einer Unterschrift durchringen. Fast elf Stunden lang hatte die IG Metall versucht, REpower zu überzeugen. Leider noch ohne Erfolg. "Wir sind vorsichtig optimistisch, dass wir in der nächsten Runde einen Tarifabschluss erreichen", sagte Stephanie Schmoliner, die die Verhandlungen für die IG Metall-Bezirke Küste und Berlin-Brandenburg-Sachsen führt. Am 31. Oktober wird weiter verhandelt.

Bei dem Windradhersteller gab es nicht immer tariflose Zustände. Von 2002 bis 2005 regelten dort Tarifverträge unter anderem die Einkommen. Dann kündigte das Unternehmen die Verträge.

Warnstreiks der REpower-Beschäftigten am 2. Oktober 2012

Wie hier in Hussm machten am 2. Oktober über 900 Repower-Beschäftgite mit Warnstreiks ordentlich Wind für einen Tarifvertrag. Foto: Daniel Friedrichs/dpa/pa


Bei den zahlreichen Mitbewerbern wird bereits nach Tarif bezahlt. Areva Wind und Weserwind in Bremerhaven sowie Siemens Windpower sind mittlerweile tarifgebunden.

Die Faxen dicke

Die Beschäftigten von REpower waren es irgendwann leid, für dieselbe Arbeit weniger Geld zu bekommen. Im Juni dieses Jahres startete die IG Metall mit REpower die Tarifverhandlungen für die rund 1800 Beschäftigten. Sie fordert vom Unternehmen, die Tarifverträge für die Metall- und Elektroindustrie stufenweise anzuerkennen, sowie einen Tarifvertrag für die Rufbereitschaft der Servicetechniker.

Fünfmal hatte die IG Metall seither mit dem Windradhersteller verhandelt und war keinen Schritt weitergekommen. Dann hatten die Belegschaften die Faxen dicke. Die IG Metall rief erstmals in der Geschichte von REpower und Power Blades zu Warnstreiks auf. Mit großem Erfolg: An allen sieben Standorten demonstrierten am 2. Oktober über 900 Metallerinnen und Metaller für einen Tarifvertrag. Selbst die Monteure im Ausland machten mit: Auf den Baustellen in Frankreich, Kanada, Australien, Oklahoma und Alaska (USA) legten sie ebenfalls die Arbeit nieder.

In der Windenergiebranche arbeiten etwa 100 000 Menschen. Die Beschäftigten leisten einen immensen Beitrag zur Energiewende. Doch leider mangelt es oft an guten Arbeitsbedingungen. Leiharbeit, lange Arbeitszeiten und erhöhte Unfallgefahren prägen die Jobs in der Windkraftbranche. Bei REpower in Bremerhaven sind von knapp 800 Mitarbeitern 470 Leiharbeiter beschäftigt.

Die IG Metall findet diese prekäre Situation unerträglich. Saubere Energie funktioniert nur mit guter Arbeit und guten Tarifen. Hier könnte REpower ein gutes Beispiel für die Branche sein.

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Links und Zusatzinformationen
Nicht immer tariflos
2001 fusionierten Jacobs Energie, BWU und pro+pro Energiesysteme zu REpower Systems SE. Seit 2007 gehört REpower zur Suzlon-Gruppe. REpower und ihr Tochterunternehmen Power Blades waren nicht immer tariflos, wie die Tarifhistorie zeigt:

19. Mai 2000
Mantel-Tarifvertrag (MTV) mit Jacobs Energie

16. Juli 2001

Änderungstarifvertrag zum MTV

20. Juni 2002
Anerkennungstarifvertrag Entgelt mit REpower

28. August 2003
Änderungstarifvertrag zum MTV

1. September 2003

Entgelt-Tarifvertrag
2005 gekündigt von Arbeitgeberseite
Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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