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Wind- und Offshore-Industrie: Stockender Netzausbau gefährdet Arbeitsplätze

Wind- und Offshore-Industrie: Stockender Netzausbau gefährdet Arbeitsplätze

Wille zur echten Energiewende fehlt bisher

28.08.2012 Ι Der Umbau der Energieversorgung gerät ins Stocken. Der Netzausbau kommt nicht voran. Der ist dringend nötig, um den Windstrom von Norden nach Süden zu leiten. Das könnte Standorte und Arbeitsplätze gefährden. Die IG Metall fordert einen Masterplan und die Beteiligung der Betroffenen.
Die IG Metall hat sich klar positioniert - für Biogas, Sonne und Wind als künftige Energiequellen. Sie ist überzeugt: Mit dem technischen Können, dem Know-how und der Innovationsfähigkeit der Beschäftigten hat die Branche der Winderenergie sehr gute Zukunftsaussichten. Das bestätigt auch der europäische Branchenverband European Wind Energy Association (EWEA). Er schätzt, dass weltweit bis zum Jahr 2030 der Arbeitsmarkt im Windenergie-Sektor um etwa 250 Prozent anwachsen wird.

Positive Aussichten könnten zerplatzen

Doch das derzeitige Berliner Energiechaos könnte die Chancen auf die Energiewende in Deutschland und die positiven Jobaussichten zerschlagen. Der Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung an der Küste ist Ernüchterung gewichen. Ein Jahr nach der beschlossenen Energiewende muss die IG Metall feststellen: Die Bundesregierung tut zu wenig - vor allem beim Netzausbau und Betrieb der Wind- und Offshore-Parks.

Mehrere tausend Windenergieanlagen sollen in der Nord- und Ostsee aufgestellt werden. Doch den Windparks fehlt die nötige Netzinfrastruktur. Der erforderliche Netzausbau, um den Windstrom von Norden nach Süden zu transportieren, findet nicht statt. Vor den Küsten wehen die Winde stärker und beständiger. Deshalb spielen die Windparks eine tragende Rolle. Die Offshore-Anlagen in Deutschland müssen allesamt ein paar Dutzend Kilometer von der Küste entfernt in Wassertiefen von bis zu 40 Metern erbaut werden. Bis zum Jahr 2016 sollen 1834 Trassenkilometer fertiggestellt sein. Bisher realisiert sind 214 Kilometer. Die Regierung wollte in der Nord- und Ostsee 10 000 Megawatt bis zum Jahr 2020 und 25 000 Megawatt bis 2030 installieren lassen. Auch das muss als fraglich eingeschätzt werden.

Bisher nur Blockierer am Werk

Der Zweite IG Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel macht für die derzeitige desolate Energiesituation das Konzept der Regierung und den fehlenden Willen verantwortlich. "Es ist das alte Regierungskonzept - nur ohne Atomenergie. Und es fehlt der Wille zur echten Wende. Die Blockierer wie die vier großen Energieversorgungskonzerne verteidigten nur ihre konventionellen Großkraftwerke, meint Detlef Wetzel. Er ist überzeugt, dass die Erneuerbare Energie zur Leittechnologie werden muss. "Aber zurzeit sind Kräfte am Werk, die ihren Anteil so klein wie möglich halten wollen", kritisiert Wetzel. Das zeige sich sehr deutlich am Umgang mit der Photovoltaik: Statt sie voranzubringen, wird die Förderung gekürzt und der weitere Ausbau begrenzt.

Energiewende - zu wertvoll nur für Lobbyisten

Die IG Metall warnt vor einem Scheitern der Offshore-Industrie in Norddeutschland. Die jetzige Situation könnte Standorte und Arbeitsplätze gefährden.

Die Energiewende ist eine nationale Aufgabe und muss als Chefsache behandelt werden, die nicht umsonst zu haben ist. Zugespitzt formuliert, sagt Detlef Wetzel, reiche es eben nicht, die Blockierer der Energiewende zu Runden ins Kanzleramt oder in Ministerien einzuladen. Infrastruktur, Netzausbau von Nord nach Süd, Netzintegration, Speicherung und Finanzierung sind gewaltige Aufgaben und verlangen ein koordiniertes gemeinsames Vorgehen. Sie dürfen nicht zwischen Lobbyismus und Konzeptlosigkeit zerrieben, sondern müssen angepackt werden. Dazu bedarf es eines im Kanzeleramt entwickelten Masterplans. Besonders wichtig dabei ist es, die vom Netzausbau Betroffenen am Umbauprozess zu beteiligen. Nur so hat die Energiewende eine echte Chance.

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