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Wie Beschäftigte in den USA für ihre Rechte kämpfen

Beharrlichkeit und Standvermögen zahlen sich aus

05.10.2017 Ι Die USA sind für Gewerkschaften ein schwieriges Pflaster. Seit Präsident Trump an der Macht ist, haben sich die Rahmenbedingungen weiter verschlechtert. Das Beispiel Kirchhoff in Michigan zeigt, dass es auch anders geht.

Der Autozulieferer Kirchhoff hat seine Zentrale in Westfalen und ist mit fünf Standorten in den USA vertreten. In Lansing, Michigan, fertigt Kirchhoff mit modernster Technik Stanzteile und Armaturentafelträger. Dort wollte die amerikanische Automobilgewerkschaft UAW Fuß fassen. Das sah das Management gar nicht gern. T-Shirts mit dem Firmenlogo und dem Aufdruck "Vote No" wurden verteilt. Das Management versuchte, die Belegschaft gegen die Gewerkschaft einzuschwören. Alles typische Methoden von gewerkschaftsfeindlichem Union Busting, wie sie in den USA weit verbreitet sind.

Die Belegschaft ließ sich indes nicht einschüchtern. Parallel wandte sich in Deutschland die IG Metall an Firmenchef Arndt Kirchhoff, der auch Präsident von Gesamtmetall in Nordrhein-Westfalen ist. Mehrmals intervenierten bei ihm Andre Arenz, der Bevollmächtigte der IG Metall Olpe, und Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen. "In den Gesprächen mit dem Firmenchef haben wir auf einen konstruktiven Weg zwischen Unternehmensleitung und Gewerkschaft gedrungen", sagt Arenz.

Der direkte Draht brachte die Wende. Die Anerkennungswahl lief ohne Störungen. Die UAW ist inzwischen in Lansing vertreten. Die Zusammenarbeit zwischen Management und Gewerkschaft ist sachlicher geworden. Seit Sommer gibt es einen Tarifvertrag, der vieles verbessert: Die maximale Leiharbeitsquote darf 15 Prozent nicht überschreiten. Die Stundenlöhne starten bei 13,50 Dollar. Bei einer Fluktuation der Belegschaft von bis zu 50 Prozent im Jahr ist ein Tarifvertrag ein gutes Argument, um Mitarbeiter länger zu binden. "Das Beispiel Kirchhoff zeigt, was transnationale Gewerkschaftsarbeit in einem gewerkschaftsfeindlichen Umfeld bewirken kann", sagt das zuständige IG Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Lemb.  

Insgesamt ist die Lage der Gewerkschaften in den USA unter Trump nicht einfacher geworden. Die Wahl Donald Trumps vor etwa einem Jahr hat die US-Gewerkschaften in eine schwierige Lage gebracht. Einerseits hatte Trump versprochen, die Interessen des "kleinen Mannes" zu vertreten. Andererseits ist es das Ziel der Republikaner, die Gewerkschaften weiter zu entmachten. Sie wollen das Arbeitsgesetz verschärfen und gewerkschaftsfeindliche Gesetze auf weitere Bundesstaaten ausdehnen. Trump hat schon erkennen lassen, dass er diese Initiativen begünstigen wird. Manche Gewerkschaften sind deshalb in offener Opposition zum Präsidenten. Nun geht es um gemeinsame Anstrengungen der Gewerkschaften zusammen mit der Demokratischen Partei und progressiven Gruppen, die Angriffe abzuwehren und wieder in die Offensive zu kommen.

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