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Werkverträge: Missbrauch nicht hinnehmen

Feste Beschäftigte, keine ungesicherten Randbelegschaften

25.06.2012 Ι Werkverträge sind auf dem Vormarsch. Damit haben die Unternehmen einen neuen Hebel gefunden, um die Löhne zu drücken. Denn anders als bei der Leiharbeit gilt hier kein Mindestlohn. Zudem sind industrielle Dienstleistungen auf Werkvertragsbasis derzeit noch unreguliert. Aber auch diese Form des Lohndumpings wird die IG Metall nicht hinnehmen.

Das Geschäft mit Dienstleistungen auf Werkvertragsbasis boomt. Nach der Leiharbeit haben die Unternehmen damit eine weitere Möglichkeit gefunden, Arbeitskraft geringer zu entlohnen. Inzwischen werden in den Betrieben zunehmend Bereiche ausgelagert, deren Leistungen anschließend über Werkverträge wieder eingekauft werden. Auf diesem Weg werden allerdings gleichzeitig die Leistungen gedrückt. Denn gerade die industriellen Dienstleister bezahlen außerordentlich schlecht, Mitbestimmungsrechte werden umgangen und Tarifverträge gibt es kaum. Dass in Deutschland der Reallohn sinkt, geht vor allem auf Dienstleistungsfirmen zurück, die nicht adäquat entlohnen.


Werkverträge gibt es schon länger. Werbeargenturen gestalteten die Firmenprospekte. Der Elektronikermeister aus der Nachbarschaft verlegte die Leitungen und der Gärtner kümmerte sich um die Außenanlagen. Sie alle erledigten Aufgaben, für die keine Qualifikation im Betrieb notwendig war und die keinen unmittelbaren Bezug zur Produktion hatte. Doch inzwischen hat sich eine neue Form von Werkverträgen in den Betrieben etabliert. Kernaufgaben des Betriebes werden an "billigere" Anbieter vergeben. Inzwischen werden in über 70 Prozent der Betriebe systematisch Werkverträge genutzt. Das ergab eine Umfrage unter knapp 900 Betrieben in Baden-Württemberg. In 53 Prozent der Betriebe werden dadurch bereits Stammarbeitsplätze ersetzt. Und: Die Betriebsräte sagen, dass tagtäglich bis zu 25 Prozent zusätzliche externe Beschäftigte mit Werksausweisen im Betrieb tätig sind.


Werkverträge statt regulierter Leiharbeit

Beispielsweise beim Autobauer BMW in Leipzig. Am Montageband arbeiten auf der einen Seite BMW-Beschäftigte, auf der anderen Seite des Bandes stehen Leute, die das Material zuliefern. Sie tragen eine andersfarbige Arbeitskleidung, werden anders bezahlt und haben niedrigere tarifliche Standards, also schlechtere Arbeitsbedingungen.


Tatsächlich haben wir inzwischen eine Mehrklassengesellschaft auf dem Arbeitsmarkt. Nachdem die Gewerkschaften nun in vielen Unternehmen Equal Pay durchgesetzt haben, haben die Personalleitungen nun eine neue Variante des Lohndumpings gefunden. Die Werkvertragsfirmen stellen ihrerseits Leiharbeiter ein und umgehen so die Equal Pay-Regelung.


Die Unternehmen suchen gezielt Bereiche, die sie auslagern können. Dazu gehören Logistikfunktionen, Instandhaltung und Service, die Bearbeitung von Projekten in der Entwicklung oder bei IT. Sogar Vormontagen werden durch "Fremdpersonal" erledigt. Die so eingekauften Leistungen werden nicht mehr der industriellen Wertschöpfung zugerechnet. Und das ist das Problem. Denn auf diesem Weg werden die Mitbestimmungmöglichkeiten des Betriebsrats ausgehebelt, der im Unternehmen geltende Tarifvertrag gilt für die Werkvertragsbeschäftigten nicht. Zusätzlich setzten die Unternehmen so die eigene Belegschaft unter Druck. 


Ein Betrieb - ein Tarifvertrag - eine Gewerkschaft

Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall kündigte bereits ein umfängliches Tarifsystem an, das ordentliche Einkommen und Arbeitsbedingungen garantiert. Er forderte, dass die Gewerkschaft, die die Mehrheit der Mitglieder in der Belegschaft organisiert hat, auch die Zuständigkeit haben sollte.


Die IG Metall wird Lohndumping nicht weiter voranschreiten lassen. Sie fordert, feste Beschäftigte im Betrieb und nicht ungesicherte Randbelegschaften. Sie will verhindern, dass irgendwann einmal nur noch einige wenige das Markenzeichen am Auto montieren und alles andere ist ausgegliedert ist. Doch um das tatsächlich zu erreichen, müssen sich auch die Stammbeschäftigten wehren. Dass das funktionieren kann, zeigt sich in der Stahlbranche. Dort haben die IG Metall und Betriebsräte schon Fortschritte erzielt: Bei ThyssenKrupp in Duisburg, bei ArcelorMittal und Salzgitter Flachstahl.

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