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Wanzl in Leipheim: Beschäftigte fordern Tarifvertrag. Foto: Günter Frey

Wanzl in Leipheim und Kirchheim: Beschäftigte fordern Tarifvertrag

"Dynamik, Verlässlichkeit und Fortschritt" gehen nur mit Tarif

11.05.2016 Ι Wanzl ist nicht tarifgebunden. Trotzdem engagieren sich die Beschäftigten bei der Metall-Tarifrunde - etwa mit Solidaritätsaktionen. Dabei geht es ihnen nicht nur um Prozente. Die Mitarbeiter des Einkaufs- und Gepäckwagenherstellers im bayerischen Leipheim und in Kirchheim im Allgäu haben ein grundsätzliches Ziel: Einen Tarifvertrag, an den sich der Arbeitgeber halten muss.

"Wir wollen uns nicht mehr darauf verlassen, dass der Arbeitgeber uns Leistungen freiwillig gewährt", sagt Betriebsrat Jürgen Kienle. Und ob er die Tariferhöhungen an die Beschäftigten bei Wanzl weitergibt oder nicht. Zwar haben die Mitarbeiter in dem traditionellen Familienunternehmen schon einiges, was der Flächentarifvertrag für die bayerische Metall- und Elektroindustrie regelt - wie etwa die 35-Stunden-Woche und die Entgelte nach dem Lohn- und Gehaltsrahmentarifvertrag. Doch während andere in tarifgebundenen Betrieben pünktlich ihre Entgelterhöhungen bekommen, gibt sie der Arbeitgeber bei Wanzl seinen Mitarbeitern in der Regel erst ein halbes Jahr später weiter. Bei einem Plus von 3,4 Prozent, das es in 2015 gab, entgingen damit einem Facharbeiter mit der Lohngruppe 7 - 554 Euro.

Im Grundsatz geht es der Belegschaft des bayerischen Familienbetriebs aber um das Gesamtpaket, das in einem Tarifvertrag steckt. "Bisher haben wir keinen Anspruch auf Altersteilzeit, auf Leistungsschutz für ältere Mitarbeiter, Kündigungsschutz oder die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung", erklärt Stefan Frey vom Betriebsrat. Und genau diesen tariflichen Anspruch wollen er und seine Kolleginnen und Kollegen durchsetzen.



Leipheim: Wanzl-Mitarbeiter demonstrieren am 21. April erneut für einen Tarifvertrag.
Foto: Günter Frey


Etwa 2300 Mitarbeiter produzieren bei Wanzl im bayerischen Leipheim und in Kirchheim im Allgäu Einkaufs- und Transportwagen für fast jeden Gebrauch. Auf seiner Internetseite präsentiert sich der Betrieb als "leistungsstarkes und werteorientiertes Familienunternehmen", das für "Dynamik, Verlässlichkeit und Fortschritt" steht. Doch genau diese drei Eigenschaften lässt das Unternehmen bei den Arbeits- und Tarifbedingungen missen. Ohne Tarifvertrag, meint der Arbeitgeber, könne er bei seinen Mitarbeitern und deren Knowhow mehr sparen und so billiger produzieren. Denn Wanzl ist OT-Mitglied bei "bayme". Das ist der bayerische Unternehmensverband Metall und Elektro e.V. ohne Tarifbindung und das Gegenstück zum "vbm", dem Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie mit Tarifbindung.


Ohne Tarifvertrag geht's ungerecht zu

Im Handwerk sind solche Mitgliedschaften ohne Tarifbindung (OT) nicht mehr erlaubt. Das hat das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) kürzlich entschieden und damit Handwerksinnungen untersagt, ihre Mitgliedsfirmen aus der Tarifbindung zu entlassen. Denn es sei gerade ihre Aufgabe, für Einheitlichkeit zu sorgen, so das BVerwG. Was für Innungen geltendes Recht ist, sollte für Verbände der Metall- und Elektroindustrie und ihre Mitgliedsunternehmen ebenfalls recht und billig sein.

"Viel Zeit und Kraft" haben sie bei Wanzl schon für eine Tarifbindung investiert, sagt Betriebsrat Kienle. Seit etwa fünf Jahren kämpfen sie in ihrem Betrieb für einen Tarifvertrag und konnten auf dem Weg dahin auch schon etwas erreichen: Bis 2014 war die Entlohnung zum Teil von der Rendite abhängig. Das hatte zur Konsequenz, dass nicht jede geleistete Stunde auch vergütet wurde. Die Vereinbarung, die das regelte, gibt es Dank Betriebsrat und IG Metall nicht mehr. Heute wird jede geleistete Stunde bezahlt.

Die IG Metall nutzt die aktuelle Metall-Tarifrunde, um auf tariflose Zustände wie bei Wanzl aufmerksam zu machen und OT-Betriebe wieder in die Tarifbindung zu bringen. Denn ohne Tarifvertrag geht es im Betrieb ungerecht zu und Beschäftigte haben spürbare Einkommenseinbußen. Im Schnitt verdient ein Arbeitnehmer in einem Unternehmen ohne Tarifvertrag fast ein Viertel weniger als Beschäftigte in einem tarifgebundenen Betrieb.

"Die Chancen auf einen Tarifvertrag bei Wanzl stehen ganz gut", meint Günter Frey, Geschäftsführer der IG Metall Neu-Ulm-Günzburg. Die Beschäftigten brennen darauf und lassen nicht locker. Unter dem Motto "Mehr Wert mit Tarif" waren sie anlässlich des Tarifrundenstarts erneut vor das Werkstor gezogen und haben für ihren Tarifvertrag demonstriert. Und um der IG Metall für ihre Verhandlungsposition den Rücken zu stärken, treten immer mehr der Gewerkschaft bei. Seit 2014 kann die IG Metall einen verstärkten Mitgliederzuwachs bei Wanzl verzeichnen. Günther Frey zeigt sich deshalb zuversichtlich, dass sie bald mit Tarifgesprächen beginnen können.

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Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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