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VW-Motorenwerk_Utoff

© Privat

VW-Motorenwerk in Chemnitz

Demografiewandel proaktiv gestalten

Wie kommt man gesund und gut in Rente? Für die 1800 Beschäftigten des Volkswagen-Motorenwerkes Chemnitz mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren ist diese Frage nur scheinbar weit weg. "Die Belegschaft altert", sagt der Betriebsratsvorsitzende René Utoff. "Unternehmen wir nichts, haben wir in Zukunft Probleme". Der Betriebsrat setzt sich daher für die Betriebsvereinbarung zum Thema alternsgerechtes Arbeiten ein.

Noch sind die Probleme nicht da - aber sie sind in Sichtweite, sie werden kommen, wenn nichts geschieht, davon ist René Utoff überzeugt: "Wir haben uns angesehen, wie sich der Anteil der Beschäftigten mit Leistungseinschränkungen in den zurückliegenden zehn Jahren entwickelt hat", sagt der Betriebsratsvorsitzende des Volkswagen-Motorenwerkes Chemnitz, "die Tendenz ist steigend, natürlich auch, weil die Belegschaft altert. Unternehmen wir nichts, haben wir in Zukunft Probleme, denn dann steht hier keine Olympiamannschaft mehr." Die Arbeitnehmervertreter im Werk wollen den Demografiewandel gestalten und sich davon nicht überrollen lassen. Seit einem Jahr streiten sie für eine Betriebsvereinbarung "Alternsgerechtes und leistungsgewandeltes Arbeiten".

 

In Workshops erörterten sie, wie Arbeitsplätze ergonomisch gestaltet werden sollten, und wie Stellen für diejenigen geschaffen werden könnten, die ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben können. Im Motorenwerk sind die meisten Jobs taktgebunden. Wer wegen Alter oder Krankheit eingeschränkt ist, wird im Team zum Außenseiter, vom Unternehmen als "leistungsschwach" abgetan, sorgt sich Utoff. "Beide Seiten müssen hier umdenken." Allerdings: Noch fehle es an guten, kreativen Ideen, wie man "Leistungsgeminderte" eingliedern kann. Aber, so Utoff, es ist möglich, taktunabhängige Arbeitsplätze zu schaffen - etwa, indem ausgelagerte Tätigkeiten wieder ins Werk zurückgeholt werden.

 

Sehr viel, gibt Utoff zu bedenken, würde eine bessere Betriebskultur ändern. Mängel im Umgang mit Beschäftigten seien maßgeblich für die krankheitsbedingte Fehlzeitenquote von 6,2 Prozent verantwortlich. Das Unternehmen hat hier bereits etwas unternommen: 2011 startete das Werksmanagement ein Projekt, in dem der respektierte und wertgeschätzte Beschäftigte im Mittelpunkt stand. Fazit der Beraterfirma nach 120 Interviews im Werk: In der Führungsebene muss sich einiges ändern.

 

Noch ein langer Weg

Da ist noch viel zu tun, weiß René Utoff. Einen ersten Entwurf des Betriebsrats für die freiwillige Betriebsvereinbarung zur Alterungs- und Gesundheitsproblematik hat das Management erstmal vom Tisch gewischt, aber einen eigenen vorgelegt. Immerhin, meint René Utoff, zeigt das die Bereitschaft, sich des Themas überhaupt anzunehmen. Streitpunkte sind nun: Die Betriebsräte streben Einzelfalllösungen an, wollen VW in die Pflicht nehmen, Ersatzarbeitsplätze für diejenigen vorzuhalten, die nach vielen Arbeitsjahren für das Unternehmen nicht mehr die volle Leistung bringen können.  VW legt den Schwerpunkt auf ein anderes Prinzip: Die Beschäftigten sollen einen eigenen Beitrag leisten, also nachweisen, dass sie Angebote eines betrieblichen Gesundheitsprogramms wie Ernährungsberatung und den VW-Check-Up in Anspruch genommen haben. Der Betriebsrat will, dass Stellen für Leistungsgeminderte auch für Beschäftigte zur Verfügung stehen, die noch nicht 55 Jahre alt und schon zehn Jahre im Betrieb sind, wie es der Tarifvertrag absichert. 

 

"Wir sind noch lange nicht am Ziel, diese freiwillige Betriebsvereinbarung abzuschließen, aber auf gutem Weg", sagt René Utoff. Er setzt auf  die Überzeugungskraft des Betriebsrats, die Kraft der IG Metall-Mitglieder im Betrieb. Und auf die Vernunft, die das Management zur Einsicht führen werde, dass es in Zeiten knapper werdender Fachkräfte geboten ist, die vorhandenen Spezialisten und ihr Know-How im Motorenwerk zu halten.

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Werner Bachmeier
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