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Von der Ausbildung in die Leiharbeit abgerutscht

Von der Ausbildung in die Perspektivlosigkeit

Gefangen in den Mühlen der Leiharbeit

03.07.2012 Ι Es gibt kaum etwas Schlimmeres für junge Menschen, als nach der Ausbildung nicht übernommen zu werden. Viele geraten in die Mühlen der Leiharbeit - mit schwindenden Chancen auf eine Festanstellung. Mit dem jüngsten Tarifabschluss hat die IG Metall dieser unguten Entwicklung in der Metall- und Elektroindustrie einen Riegel vorgeschoben.

Die Jungfacharbeiter in der Metall- und Elektroindustrie haben es gut. Mit dem Tarifabschluss im Mai 2012 hat die IG Metall für sie die Übernahme nach bestandener Prüfung in einen festen Arbeitsvertrag durchgesetzt. Sie können nahtlos im Betrieb weitermachen, ihr Wissen anwenden und Berufserfahrung sammeln. Ein Berufsstart, wie er sein sollte. Doch der Tarifvertrag gilt nur für die Metall- und Elektroindustrie. Auszubildende in anderen Branchen müssen weiterhin zittern, ob sie nach der Ausbildung fest übernommen werden. Die Unternehmen lassen die jungen Leute oft im Regen steht. 

So kommt es, dass ein Drittel der Leihbeschäftigten in Deutschland 30 Jahre oder jünger ist. Viele junge Leute rutschen nach ihrer Ausbildung ungewollt in die Leiharbeit, wenn sie das Pech haben, nach ihrer Ausbildung keine Festanstellung zu bekommen. Für die Betroffenen bleibt dann nur noch Arbeitslosigkeit oder sich als Leiharbeiter zu verdingen. 40 Prozent aller Beschäftigten unter 25 Jahre haben nach der Ausbildung befristete Verträge. Im Schwarzbuch der IG Metall  zu Leiharbeit berichten junge Menschen über ihre Erfahrungen mit unsicherer Beschäftigung. 


Schlechter bezahlt

Johannes ist 23 Jahre alt und immer noch in dem Betrieb beschäftigt, wo er seine Ausbildung gemacht hat. Nach seinem Abschluss wurde er mit mehreren befristeten Arbeitsverträgen hingehalten. "Ich bekam viermal Arbeitsverträge über sechs Monate. Doch während meiner letzten Befristung musste ich zur Bundeswehr", erzählt Johannes. "Ich sollte einen Aufhebungsvertrag unterschreiben, aber das lehnte ich ab. Der Vertrag lief dann fristgemäß aus."

Nach dem Wehrdienst wollte Johannes zurück an seinen Arbeitsplatz. Das ist ihm zwar gelungen, doch er hatte keine Chance auf eine Direktanstellung. Seit Januar 2010 ist er als Leiharbeiter im Unternehmen beschäftigt. Und fühlt sich ungerecht behandelt. "Ich habe meinen Arbeitsplatz zwar jetzt wieder, aber schlechter bezahlt und mit schlechterer Behandlung." Die Frage, wie es weitergeht, macht Johannes zu schaffen. "Man weiß nie, wie lange man noch arbeiten darf. Ich hangele mich von Woche zu Woche."


Stückchenweise abgerutscht

Robert ist Einkäufer bei einem großen Unternehmen. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung wurde er übernommen, sein Vertrag zunächst um ein Jahr verlängert. Als es am Standort schlechter lief, bekam Robert keine weitere Vertragsverlängerung. Neun Monate überbrückte er mit diversen Jobs. Nun ist er Leiharbeiter bei einer Tochterfirma des alten Arbeitgebers, wieder befristet und mit unsicheren Perspektiven. "Das Nervenaufreibendste ist, jedes Vierteljahr darauf zu hoffen, dass der Einsatz verlängert wird." Die quartalsweisen Verlängerungen zermürben ihn. 

Robert hat das Gefühl, im System Leiharbeit gefangen zu sein. "Uns alle plagt das Gefühl, dass man heute als junger Mensch einfach keine Chance bekommt, in einen festen Job zu kommen, geschweige denn, auf dieser Grundlage eine vernünftige Familienplanung zu gestalten." Obwohl die Vorgesetzten versichern, dass die Übernahme angestrebt wird, hoffen die meisten vergeblich auf eine Festanstellung.    


Als Hilfsarbeiter eingestellt

Mario fand nach seiner Ausbildung als Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik, zunächst keine feste Anstellung und landete bei einer Verleihfirma. Trotz seiner abgeschlossenen Ausbildung wurde er als Hilfsarbeiter für 6,50 Euro eingestellt. Verliehen wird er aber entsprechend seiner Qualifikation als Facharbeiter. "So spart die Leiharbeitsfirma beim Arbeitnehmer und verdient mehr beim Kunden", empört sich Mario. Er hofft noch immer auf eine gerechte Bezahlung und faire Arbeitsbedingungen. Die Erfahrungsberichte sprechen für sich. Das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden und auf dem Arbeitsmarkt zweiter Klasse zu sein, ist gerade für junge Leute eine große Belastung. In der Zeit nach der Ausbildung ist es für junge Ausgebildete immens wichtig, Berufserfahrung zu sammeln und unter verlässlichen Rahmenbedingungen zu arbeiten. 

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