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Vertrauensleute im Betrieb: Christopher McNeill, ISL Automotive Saarlouis. Foto: Winfried Becker/Becker & Bredel

© Foto: Winfried Becker

Vertrauensleute im Betrieb: Christopher McNeill, ISL Automotive Saarlouis

Zusammen Riesiges bewegen

01.11.2016 Ι 90 Prozent sind bei ISL Automotive in Saarlouis IG Metall-Mitglied. Das war früher anders. "Allein sind wir klein, zusammen können wir Riesiges bewegen", sagt Christopher McNeill. Der Metaller ist einer von 50 000 Beschäftigten, die ehrenamtlich in den Betrieben aktiv sind - als Vertrauensleute der IG Metall.

Christopher McNeill verlädt Autos auf Züge. Der Mann aus North Carolina arbeitet immer im T-Shirt, auch bei Minustemperaturen, treibt die anderen an - oder bremst sie. Er redet mit ihnen über ihre Probleme und klärt sie mit den Vorgesetzten und dem Betriebsrat. McNeill ist seit rund einem halben Jahr Vertrauensmann beim Kontraktlogistiker ISL auf dem Werksgelände von Ford in Saarlouis. Die ISL-Beschäftigten liefern Autos und Teile und montieren Scheiben vor.

McNeill kann stundenlang diskutieren, wenn ihm etwas wichtig ist, erzählt sein ehemaliger Schichtleiter Torsten Hild grinsend. "Was habe ich mit Chris schon gestritten. Er war schon als Leiharbeiter immer derjenige, der im Team offen seine Meinung gesagt hat. "Daher sprach Hild, der auch Vertrauensmann der IG Metall ist, Chris schließlich an: Willst Du bei uns mitmachen? Klar. Wollte er ja schon immer. "Aber ich dachte, als Leiharbeiter ginge das nicht", meint Chris McNeill, der als Soldat nach Deutschland kam und eine deutsche Frau heiratete. Vor sieben Jahren fing er als Leiharbeiter bei ISL an, für 8,49 Euro in der Stunde. Drei Viertel der Belegschaft waren früher Leiharbeiter. Heute sind es nur noch 10 bis 20 Prozent, dank IG Metall und Betriebsrat. Auch McNeill hat seit fast zwei Jahren einen festen Vertrag und verdient nun 12,86 Euro.

Kaum war er fest drin bei ISL, trat er auch in die IG Metall ein und sagte: Ich will bei Euch mitmachen. Im Frühjahr wurde er bei den Vertrauensleutewahlen gewählt. Seither hat er schon zwei Wochenseminare besucht und dafür auch eine Woche Urlaub geopfert.

"Ohne IG Metall läuft alles nur so, wie der Firmenbesitzer es will. Das habe ich ja auch erlebt. Etwa wenn Du länger arbeiten musst, ohne dass Du dafür bezahlt wirst", erklärt der Vertrauensmann. "Mit der IG Metall haben auch die Arbeitskräfte eine Stimme. Mich hat das immer beeindruckt, wenn bei Ford ein Warnstreik war. Diese Stärke. Und wir werden umso stärker, umso mehr wir sind. Allein sind wir klein, zusammen können wir Riesiges bewegen."

Heute sind 90 Prozent bei ISL in der IG Metall. Das war früher ganz anders. Die damalige Geschäftsleitung wollte die IG Metall raushalten und die Wahl eines Betriebsrats verhindern. Doch sie haben es geschafft und sich letztes Jahr einen Tarifvertrag erkämpft. Sogar die Beschäftigten, die frei hatten, kamen von zu Hause zur Warnstreikaktion. Weil sie wussten, worum es geht, vor allem dank der Vertrauensleute, betont der Betriebsratsvorsitzende Uwe Seiwert. "Unsere 200 Beschäftigten sind über das ganze Ford-Werk verteilt und arbeiten in drei Schichten. Wir neun Betriebsräte können unmöglich überall sein. Dazu brauchen wir unsere 22 Vertrauensleute."

Genau so sieht Chris McNeill seine Rolle: als Bindeglied und Sprachrohr für seine Kolleginnen und Kollegen, als erste Linie. "Viele Kollegen sind zu schüchtern, zu reden und zum Betriebsrat zu gehen. Das ist meine Verantwortung: Dinge zu klären und die Mitarbeiter zu ermutigen, Fragen zu stellen. Ich habe keine Angst, höchstens vor Schlangen - aber nicht vor Menschen."

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