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70 Jahre Kriegsende: Verfolgte Gewerkschafter im Dritten Reich. Zeichnung: Käthe Kollwitz

70 Jahre Kriegsende: Verfolgte Gewerkschafter im Dritten Reich

Die Widerständler schwebten in großer Gefahr

08.05.2015 Ι Heute vor 70 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Damals wurden viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter Opfer der Schreckensherrschaft der Nazis. Auch heute kommt es wieder zu Anfeindungen von Rechts.

Gewerkschaftsaktivisten gehörten zu den ersten Opfern des Naziterrors. Nach dem 2. Mai 1933 verschleppten SA und SS  viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in Konzentrationslager. Sie wurden gefoltert, nicht wenige wurden ermordet. Einzelne Arbeiterinnen und Arbeiter sowie ganze Gewerkschaftsgruppen leisteten Widerstand -und brachten sich mit ihren Aktionen in Lebensgefahr. 

Einer von ihnen war Richard Teichgräber. Der gelernte Schlosser wurde 1927 Bezirksleiter des Deutschen Metallarbeiterverbandes in Dresden. Nach der Machtergreifung des NS Regimes brachte er Schreibmaschinen und Vervielfältigungsgeräte mit einigen Kollegen vor den Nazis in Sicherheit. Er baute ein großes Netzwerk gegen die Nazis auf und stand in ständiger Verbindung zu Gewerkschaftskollegen. Die geretteten Geräte benutzten sie, um Flugblätter zu drucken oder sich mit Kollegen in Verbindung zu setzen. Nach jahrelanger Haft starb Teichgräber im Februar 1945 im Konzentrationslager Mauthausen.

Netzwerke im Untergrund

Max Urich war der ehemalige erste Bevollmächtigte des Deutschen Metallarbeiterverbandes (DMV) im Bezirk Berlin und gehörte zu den führenden Personen des Widerstands aus den Reihen des DMV. Max Urich beeinflusste zusammen mit Alwin Brandes maßgeblich die Widerstandsaktivitäten ehemaliger DMV-Funktionäre. Nach der Zerschlagung der Gewerkschaften unterstützten sie entlassene Gewerkschaftsangehörige dabei, entgangene Rentenzahlungen vor Gericht zu erstreiten. Urich hielt Kontakt zu Kollegen in verschiedenen Berliner Betrieben und schuf so ein umfassendes Netzwerk, über das illegale Nachrichten verteilt werden konnten. Hinzu kamen vielfältige Verbindungen zur Gruppe um Wilhelm Leuschner.

Durch den Erwerb einer Fabrik legte Wilhelm Leuschner 1936 den Grundstein für ein umfassendes Netzwerk von politischen Gegnerinnen und Gegnern der Nationalsozialisten. Es gelang ihm, befreundeten Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern eine Anstellung und ein Einkommen in seiner Firma zu verschaffen. Zudem diente die Firma "Leuba" als Tarnung, um ungehindert den Kontakt zu anderen Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern herzustellen. Die damit verbundenen Reisen unterlagen kaum einer Kontrolle durch die Nationalsozialisten, da Leuschners Firma dank einiger Patente zur Metallverarbeitung als kriegswichtig eingestuft worden war. So gelang es der Widerstandsgruppe, Kontakt zu Carl Friedrich Goerdeler und den Attentätern des 20. Juli aufzubauen. Nach dem Scheitern des Umsturzversuches wurde Leuschner 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. 


Im Visier der Gestapo

Auch Gewerkschafterinnen gerieten in Visier der Nationalsozialisten. Clara Sahlberg war Vorstandsmitglied der christlichen Fabrik- und Transportarbeitergewerkschaft. 1933 verlor Clara Sahlberg ihre Position und fand nach einiger Zeit der Arbeitslosigkeit eine Anstellung im Steglitzer Arbeitsamt. Dort stieg sie bis zur Abteilungsleiterin auf, was zu dieser Zeit ohne NSDAP-Mitgliedschaft ungewöhnlich war. Ihre Position nutzte Sahlberg, um verfolgten Gewerkschaftern Arbeitspapiere oder Unbedenklichkeitsbescheinigungen zu besorgen. Die Verfolgten konnten so gefahrloser ausreisen oder Verdachtsmomente abwenden. Obwohl sie der Gestapo überwacht wurde und stets in großer Gefahr schwebte, rettete Sahlberg vielen Menschen das Leben.

Auf Facebook denunziert

"Unser Gedenken gilt den mutigen Menschen, darunter auch vielen Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, die Widerstand leisteten und andere schützten und ihren politischen Einsatz gegen die Nazi-Diktatur mit ihrer Gesundheit oder ihrem Leben bezahlten", erklärte die IG Metall in einer Stellungnahme zum 8. Mai. "Leider ist jedoch auch nach so vielen Jahren die Auseinandersetzung mit dem Rechtsradikalismus, mit Ausländerfeindlichkeit und mit dem Rassismus erschreckend aktuell." Die Morde des rechtsradikalen NSU und die fremdenfeindlichen Parolen, die in einigen Städten Deutschlands öffentlich geäußert werden, zeigten dies leider allzu deutlich.

Anfang dieses Jahres wurden zwei junge IG Metall-Mitglieder, die sich in Braunschweig im Bündnis gegen Rechts engagieren, in sozialen Medien Opfer von Denunziation. In einem Flyer wurde zu Straftaten gegen sie aufgerufen. Neben einem Foto wurden die Privatadressen und Arbeitgeber der IG Metaller veröffentlicht. Die Betriebsratsvorsitzenden und der IG Metall-Bevollmächtigte von Braunschweig, Detlef Kunkel verurteilten die Hetzjagd im Netz. "Wir werden das nicht tolerieren und als Gewerkschafter dem entschieden entgegentreten."

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