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Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Foto: Panthermedia

Vereinbarkeit bei Arcelor Mittal

Die Balance von Job und Familie

28.09.2011 Ι Die IG Metall hat im Sommer eine Umfrage unter Betriebsräten gestartet: Wie ist in Eurem Betrieb die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Über 4000 Betriebsräte haben mitgemacht: Auch Esther Block von Arcelor Mittal war dabei. Sie fasst die Ergebnisse zusammen und berichtet aus ihrem Betrieb, was noch besser werden muss.

Junge Menschen brauchen sichere Verhältnisse, wenn sie Kinder haben wollen. Dazu gehören zwei Dinge: Ein gutes und geregeltes Einkommen sowie die Möglichkeit, die Arbeitszeit an die Bedürfnisse einer Familie anpassen zu können. Doch gerade junge Arbeitnehmer leiden unter unsicherer Beschäftigung, die ja immer mehr zunimmt.Viele entscheiden sich deshalb erst einmal gegen Kinder. Lieber abwarten, "bis alles sicher" ist. Michwundert es nicht, wenn junge Kolleginnen und Kollegen, die nicht normal fest angestellt sind, das Kinderkriegen hintenanstellen.

Umso mehr wundert mich, dass so mancher Arbeitgeber die Gefahren nicht erkennt. Wer jetzt den jungen Leuten viel bietet - zum Beispiel gute Betriebsvereinbarungen zu Familie und Beruf -, der wird ein beliebter Arbeitgeber. Die anderen werden irgendwann das Problem mit dem Fachkräftebedarf haben.

Manche Firmen brüsten sich zwar bereits mit dem Schlagwort "Familienfreundlichkeit". Doch tatsächlich gibt es nur bei zehn Prozent überhaupt eine Betriebsvereinbarung zum Thema Familie. Im Alltag werden die Betriebsräte meistens alleine gelassen. Das ergab eine Umfrage der IGMetall, an der sich 4127 Betriebsräte beteiligten. 


Ergebnisse im Überblick

Ein Betriebsrat, der an der Umfrage mitmachte, fasst zusammen: "Es wird immer schwieriger, mit dem Arbeitgeber Vereinbarungen zu treffen." Und: "Eine soziale Verantwortung des Arbeitgebers ist fast nicht mehr vorhanden." Die Fakten dazu sind:

  • 67 Prozent der Betriebsräte gaben an, dass die Vereinbarkeit in ihrem Betrieb ein sehr wichtiges oder wichtiges Thema ist.
  • Nur 10 Prozent der über die Umfrage erfassten Unternehmen haben dazu eine Betriebsvereinbarung.
  • 56 Prozent der Betriebsräte werden wenig oder gar nicht vom Arbeitgeber unterstützt. 42 Prozent erhalten gute oder sehr gute Unterstützung.
  • In 65 Prozent der Unternehmen wurden die Betriebsräte und Vertrauensleute aktiv. Bei 28 Prozent ging die Initiative von einzelnen Beschäftigten oder Beschäftigtengruppen aus. Nur bei sieben Prozent gab die Firmenleitung den Anstoß.
  • Leiharbeitnehmer haben die schlechtesten Bedingungen: Auch wenn es beim Entleiher einen Betriebskindergarten oder flexible Arbeitszeiten gibt - es ist eher die Ausnahme, dass sie diese Angebote auch nutzen können.

Umsetzung bei Arcelor Mittal

Das Thema Vereinbarkeit steht bei uns bei Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt hoch im Kurs. Wir sehen darin unter anderem die Möglichkeit, dem demografischenWandel entgegenzuwirken und junge qualifizierte Leute an das Unternehmen und an die Region zu binden und somit dem Fachkräftemangel vorzubeugen.

 

Seit 2006 gehört der Standort zu den zertifizierten Unternehmen der Hertie-Stiftung. In der Projektgruppe "Beruf und Familie" arbeiten Betriebsrat und Geschäftsleitung gemeinsam an den Maßnahmen zur Vereinbarkeit. Aber es wird auch über den Tellerrand geschaut: Auf lokaler Ebene bildet das von uns mit initiierte Bündnis "Forum Familie" eine gute Plattform, um mit anderen Unternehmen, Vertreterinnen und Vertretern der Stadt, freien Trägern und Vereinen ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen auszutauschen und zu schauen wo man Bedingungen verändern oder verbessern kann.

In einem Kontibetrieb wie unserem, also mit Rund-um-die- Uhr-Schichten, ist es nicht immer einfach, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Selbst wenn Verschiedenes geregelt ist, wie zum Beispiel die Arbeitszeit, müssen wir gelegentlich nach individuellen Lösungen suchen, denn an jedem Einzelschicksal hängt ein Kollektiv und letztendlich muss der Betrieb laufen. Die Unterbringung der Kinder in Tageseinrichtungen unterschiedlicher Art (es gibt sogar ein Kinderhotel, in dem die Kinder über Nacht bleiben können) ist dabei das kleinere Problem. Schwierig wird es, wenn es plötzlich um die Pflege von Angehörigen geht.

Servicestelle in der Firma

Hilfe undUnterstützung können sich die Kolleginnen und Kollegen vor allem in unserer "Anlaufstelle für Beruf und Familie" holen. Diesen Beratungsservice gibt es seit vier Jahren. Das ist der kürzeste Weg zu allen Antworten rund um Familie und Beruf. Beispielsweise Gesetze, finanzielle Unterstützung, Mutterschutz, Elterngeld, Pflege, Eltern-Kind-Kuren und mehr.

Ich wünsche mir, dass jeder die Brisanz dieses Themas erkennt und aktiv daran mitarbeitet, denn es ist gelebter Alltag. Auch könnte ich mir vorstellen,dass man bei der  Pflege andere Wege geht, analog der Elternzeit. Zusammenfassend kann man sagen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist der Schlüsselfaktor für Chancengleichheit jedes Einzelnen. Es ist die Grundlage für gute, motivierte Arbeit und somit ein Garant für eine zufriedene Belegschaft und letztlich für ein funktionierendes Unternehmen.

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Esther Block
Zur Autorin

Esther Block ist bei Arcelor Mittal Eisenhüttenstatt im Betriebsrat.

Sie gehört dort zur Projektgruppe "Beruf und Familie" und hat schon einiges für die Vereinbarkeit auf den Weg gebracht. Trotzdem sagt sie: "Es muss noch mehr passieren".  

Kontakt: Esther.Block@arcelormittal.com

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