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Veranstaltung im Rahmen des Internationalen Frauentags 2016

Diskussion in der "Höhle der Löwinnen"

09.03.2016 Ι Mehr Frauen in Führungspositionen, Equal Pay sowie gute Lösungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf - das sind die Themen, die anlässlich des Internationalen Frauentags im Rahmen vieler Veranstaltungen im ganzen Bundesgebiet aufgegriffen wurden. So auch in bei einer Veranstaltung in der Geschäftsstelle Salzgitter-Peine.

Die Männer der alevitischen Gemeinde Salzgitter stehen hinter dem Büfett. Die Börek-Röllchen, der Hirsesalat und die anderen türkischen Spezialitäten finden reißenden Absatz im Vorraum des Veranstaltungssaales im Gewerkschaftshaus Salzgitter-Lebenstedt. Es ist wieder der 8. März: Heute stehen die Frauen im Mittelpunkt.

 

Zum Internationalen Frauentag lädt die IG Metall Salzgitter-Peine traditionell zu einer Abendveranstaltung ein. Und diese Abende sind legendär. Zumindest hat sich herumgesprochen, dass die dortigen Frauen, speziell im Ortsfrauenausschuss, nicht nur engagiert sondern auch sehr kreativ sind. "Und wir haben auch immer viel Spaß", verrät Marion Koslowski-Kuzu, die mit ihrem Textmanuskript zum Rednerpult geht. Während im Vorraum noch geklönt wird, sind die rund 200 Sitzplätze des Saales bereits besetzt.

 

"Noch nie gab es so viele gut ausgebildete Frauen wie heute", sagt die Gewerkschaftssekretärin. Allerdings würden diese Frauen viel seltener die Karriereleiter emporsteigen, stattdessen oft beruflich auf der Stelle treten. Und meist hätten sie ein deutlich geringeres Einkommen. Dass dies nicht zwangsläufig so sein muss und welche Maßnahmen in den Betrieben der Industrieregion zwischen Braunschweig und Hannover ergriffen werden, solle jetzt auf einer Podiumsdiskussion erörtert werden.

 

Dazu wurden Verantwortliche in die "Höhle der Löwinnen" eingeladen - hauptsächlich Männer: Jens Bünte, Personalleiter von Alstom Salzgitter und mit Baki Erkoc der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende; Michael Kieckbusch, Arbeitsdirektor bei der Salzgitter AG und der KBR-Vorsitzende Hasan Cakir; von Volkswagen Salzgitter kamen der BR-Vorsitzende Andreas Blechner und die Personalleiterin Katrin Börsting.

 

Garnet Alps von der IG Metall Bezirksleitung ("Ich bin ein Fan dieser Veranstaltung") ist die Moderatorin. Alle Teilnehmer, das wurde schnell klar, sind sehr unzufrieden mit der Tatsache, dass Frauen im Betrieb immer noch schlechter gestellt sind als Männer. ".25 Prozent schlechter bezahlt.", Baki Erkoc war bei seinem Dienstantritt vor ein paar Jahren regelrecht schockiert.

 

Seitdem ist viel passiert, bestätigen auch die anderen Diskutanten. Bessere Bezahlung, die Frauenquote steigt. Allerdings habe es die Metallindustrie nicht leicht, Bewerberinnen zu finden. "Mir kann aber keiner erzählen, dass ein Pflegeberuf weniger anstrengend ist, als Schichtarbeit in unserem Stahlwerk", meint der Arbeitsdirektor der Salzgitter AG.

 

Auch die technischen Jobs zwischen Flachstahl und Motorenbau sind für Frauen heutzutage attraktiv. Die Personal-Experten berichten von Mentoren-, Talentförder- oder Austauschprogrammen. Und, das höre die IG Metall möglicherweise nicht gern, die Digitalisierung würden auch dazu führen, dass mehr zuhause gearbeitet werden könne. Die Entgegnung von Garnet Alps, dass die Gewerkschaft diese Fragen intensiv diskutiere und Regelungen entwickle, kam prompt.

 

Während die Internationalen Frauentage in den letzten Jahren mit selbstgeschriebenen und -vorgetragenen Theaterstücken vielleicht etwas lustiger, klamaukiger, kurzweilig waren, "brauchen wir jetzt konkrete Aussagen", wie eine Zuschauerin vor Beginn forderte. "Wir wollen in den nächsten Jahren sagen können: Das hat hier etwas gebracht." 105 Jahre nach dem ersten Internationalen Frauentag kann man sagen, dass dadurch eine Dynamik in Bewegung gekommen ist, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Zumindest, wenn die Frauen in Salzgitter-Peine so weiter machen.

 

Und dann der Auftritt von Marlies Blume mit ihrer rosaroten Brille, die alles haarscharf sieht und anspricht. Die Kabarettistin führt dem Publikum vor Augen, dass "Frauenbewegung" manchmal auch ein Roll-back-Purzelbaum sein kann. Wenn sie zum Beispiel aus der Zeitschrift "Moderne Hausfrau" zitiert, schmunzelt die eine Hälfte des Publikums und die andere lacht und alle denken, man müsste eigentlich noch mal von vorn anfangen mit der Frauenbewegung.

 

Im Vorraum des Veranstaltungssaales stehen die Männer immer noch hinter dem Büfett und der Bar - auch Caipirinhas werden gemixt. Und auch die Gesprächsgruppen, in denen noch ein wenig lebhafter diskutiert wird als zu Beginn, haben sich geschlechtermäßig gemischt.

 

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