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Vakuumschmelze Hanau verkauft: Beschäftigte wollen Anteil am Gewinn. Foto: Conny Gramm

Vakuumschmelze Hanau verkauft: Beschäftigte wollen Anteil am Gewinn

VAC-Beschäftigte gehen leer aus

08.08.2011 Ι Zwei Prozent Anteil am Verkaufserlös - das wäre nur berechtigt und legitim. Doch der frühere Besitzer hat den Gewinn aus dem Weiterverkauf der Vacuumschmelze in Hanau komplett eingestrichen. Die Belegschaft ist enttäuscht und empört. Letztendlich ist es gerade den Beschäftigten zu verdanken, dass das Unternehmen heute so gut dasteht.

Anfang August wurde die Hanauer Vacuumschmelze (VAC) mit einem Riesengewinn weiterverkauft. Doch statt die Belegschaft an dem Erlös zu beteiligen, hat der alte Eigentümer den kompletten Gewinn eingestrichen. Von den Verkaufsplänen erfuhr die Belegschaft Anfang Juli aus dem Internet. Der Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) hatte die VAC 2005 für rund 340 Millionen erworben. Nun hat er das Hanauer Unternehmen an das US-amerikanische Chemieunternehmen OM Group verkauft - für etwa eine Milliarde Dollar, umgerechnet 700 Millionen Euro. Das ist mehr als das Doppelte des Einkaufspreises. Dabei hatte der Finanzinvestor OEP den Kauf damals noch nicht einmal voll aus eigenen Mitteln bestritten, sondern - wie bei "Heuschrecken" üblich - zum großen Teil über Kredite finanziert. Die Schulden musste die Vakuumschmelze aus ihren Gewinnen abbezahlen.

Bereits in der Vergangenheit hatte die Belegschaft mit der OEP, dem früheren Eigentümer, viele Auseinandersetzungen. 2008 wollte der Finanzinvestor keine Tariflöhne mehr zahlen und trat aus dem Arbeitgeberverband aus. Die Belegschaft, in der sehr viele in der IG Metall organisiert sind, trat in den Streik und erzwang neue Verträge. Dafür, dass das Unternehmen zusicherte, keine betriebsbedingen Kündigungen auszusprechen, nahmen die Beschäftigten 2009 und 2010 Kurzarbeit, Lohnverzicht und Kürzung der Betriebsrente in Kauf.

Zwei Prozent als Anerkennung und Wertschätzung

"In diesen zwei Jahren verlor jeder Beschäftigte zwischen 10 000 bis 15 000 Euro", berichtet Robert Weissenbrunner, der IG Metall-Geschäftsführer von Hanau. Und als es wirtschaftlich wieder bergauf ging, fuhr die Belegschaft Sonderschichten und leistete jede Menge Überstunden. Jetzt meldet das Unternehmen wieder Umsatz- und Gewinnrekorde. Im vergangenen Jahr setzte es fast 390 Millionen Euro um und erwirtschaftete ein Betriebsergebnis von 54 Millionen Euro.

"Dafür möchten wir eine Anerkennung, eine Wertschätzung", sagt Conny Gramm, die Betriebsratsvorsitzende der Vakuumschmelze. Zwei Prozent Anteil am Erlös seien "berechtigt, legitim und alles andere als unverschämt". Und auch nicht besonders viel, findet Weissenbrunner. Doch obwohl die Belegschaft Anfang August mit öffentlichen Aktionen vor den Werkstoren Druck machte - der frühere Eigentümer hat den Gewinn einfach eingestrichen.

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