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UN-Klimakonferenz in Bonn

© Fotolia/scharfsinn86

UN-Klimakonferenz in Bonn

Betriebsräte schützen das Klima

09.11.2017 Ι Unter den rund 25 000 Menschen auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Bonn sind auch viele Gewerkschaftsmitglieder. Auf einer Veranstaltung heute Nachmittag diskutieren sie darüber, was sie in den Betrieben für den Klimaschutz tun können.

Was hat Mitbestimmung mit dem Klima zu tun? Das wird sich mancher fragen, der den Titel einer Veranstaltung von IG Metall und anderen DGB-Gewerkschaften liest, die heute um 17 Uhr im Bonner Universitätsclub beginnt: "Welchen Beitrag kann Mitbestimmung zum Klimaschutz leisten?"

Die Antwort ist einfach. Ihre Mitbestimmungsrechte ermöglichen es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, in ihren Firmen Veränderungen anzustoßen - und immer mehr von ihnen nutzen diese Chance. Sie wollen - wie alle Bürgerinnen und Bürger - in einer intakten Umwelt leben und gute und sichere Arbeitsplätze haben. Zukunftsträchtige Arbeit hängt aber immer mehr davon ab, dass Herstellungsverfahren und Produkte umwelt- und klimafreundlich sind. Die Dieselaffäre, die zigtausende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um ihre Arbeitsplätze bangen lässt, hat den Beschäftigten und der ganzen Bevölkerung gerade drastisch vor Augen geführt, wie gefährlich es sein kann, sich beim umweltfreundlichen Umbau der Wirtschaft nur auf das Management zu verlassen.

 

Von 0 auf 95

Der Klimawandel zwingt die Länder zum Handeln. In Paris hat sich die Weltgemeinschaft 2015 darauf verständigt, dass die Erde höchstens zwei Grad wärmer werden soll als sie in der vorindustriellen Zeit war. Der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung legt ehrgeizige Ziele fest: Bis 2020 soll der Ausstoß von Treibhausgasen 40 Prozent niedriger sein als 1990, bis zum Jahr 2030 soll er sich schon um 55 verringern und 2050 sogar um 80 bis 95 Prozent. Für fünf Sektoren sind in dem Plan konkrete Minderungsziele benannt: Energie, Industrie, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft.

 

Autos ohne CO2

Die IG Metall und andere DGB-Gewerkschaften sehen in den Klimazielen nicht nur eine Last, sondern auch eine Chance. Unternehmen, die zum Beispiel Heizungen produzieren, die ohne fossile Brennstoffe, wie Öl, auskommen, oder Autos, die wenig Kohlendioxid (CO2) ausstoßen, werden in Zukunft auf den weltweiten Märkten Wettbewerbsvorteile haben. "Uns ist klar, dass Autos in Zukunft weniger oder möglichst gar kein CO2 mehr emittieren dürfen und der Verkehr umweltfreundlicher werden muss", sagt Wolfgang Nieke, Betriebsratsvorsitzender von Mercedes Benz in Stuttgart-Untertürkheim. Der Daimler-Konzern plant zurzeit eine große Umstrukturierung. Ihre Zustimmung dazu haben die Betriebsräte unter anderem davon abhängig gemacht, dass sie Vorschlags- und Mitspracherechte bei neuen Produkten, wie Batterien, oder bei neuen Mobilitätsdienstleistungen erhalten. "Die Transformation hin zu neuen Antriebskonzepten muss aber auch so gestaltet werden, dass die Belegschaften in den Aggregatewerken, in denen heute Motoren und Getriebe gefertigt werden, in Zukunft eine sichere Beschäftigung haben."

 

Internationale für das Klima

Viele Betriebsräte haben den Klimaschutz inzwischen zu ihrer Sache gemacht. Sie machen Vorschläge zur Energieeinsparung in der Produktion, befassen sich mit energieeffizienteren und klimafreundlichen Produkten und entwickeln umweltfreundliche Konzepte für die Fahrten zur Arbeit. Auf der Veranstaltung der Gewerkschaften heute in Bonn berichten Betriebsräte und Gewerkschafter aus europäischen Ländern, aus Nord- und Südamerika, Asien und Afrika über ihr Engagement für Klimaschutz. Auch in Deutschland gibt es vielfältige Initiativen.

 

Stromfresser entsorgt

Zum Beispiel bei SMA Solar Technology in der Nähe von Kassel. "Bei uns ist Energieeffizienz ein wichtiges Thema", erklärt Martin Breul, Betriebsrat bei SMA. Ein großer Stromfresser war beim SMA in der Vergangenheit die Beleuchtung. Allein durch neue Lichttechnik gelang es, die Energiebilanz erheblich zu verbessern und dabei als Nebeneffekt auch noch die Kosten zu senken. "Bei der Auswahl von Zulieferern versuchen wir, auf räumliche Nähe zu achten - und darauf, dass sie mit regenerativer Energie arbeiten", sagt Breul. Räumliche Nähe bedeutet kurze Transportwege und damit weniger Abgase durch Benzin oder Diesel. Außerdem bietet SMA Führungskräften Elektroautos an und fördert es finanziell, wenn auch Beschäftigte auf Elektroautos oder E-Bikes umsteigen. Auf dem Betriebsgelände stehen 20 Ladestationen, etwa 30 weitere sind geplant.

 

Klimafreundliche Aluminiumhütte

Zu den Branchen, bei denen die Produktionsprozesse besonders viel Energie verschlingen, gehört die Aluminiumindustrie. Wie zum Beispiel die Hütte des Hydro-Konzerns in Neuss. Der Betriebsrat von Hydro hat einen Energieausschuss gegründet, der sich damit befasst, die bestmöglichen Lösungen für einen umweltverträglichen Energieeinsatz zu finden. Eine große Rolle spielt dabei Recycling: Wenn Aluminium wiederverwertet wird, braucht es nur fünf Prozent des ursprünglichen Energieeinsatzes. "Der Hydro-Konzern will es bis 2020 schaffen, CO2-neutral zu sein", berichtet Ernst Schumacher, der Vorsitzende des Euro- und Gesamtbetriebsrats. Das heißt: Die Menge an Energie, die Hydro bei der Herstellung verbraucht, wird bei den Produkten wieder eingespart. Zum Beispiel bei "Außenhäuten" aus Aluminium für Autos. Die Leichtbaukarosserien machen Pkws leichter und dadurch fressen sie weniger Sprit.

 

Heizen ohne Fossile

Viel Energie und damit CO2 einsparen lässt sich auch in Gebäuden - ein Thema für die Heizungsindustrie. Die Betriebsräte von Bosch Thermotechnik haben den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen im Aufsichtsrat und Wirtschaftsausschuss eingebracht. "Kurzfristig muss der Austausch alter Heizgeräte durch energieeffizientere und die energetische Gebäudesanierung steuerlich viel stärker gefördert werden, um die Klimabilanz zu verbessern", erläutert Arno Böttcher, Betriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied. Die Zukunft sieht er in Elektrowärmepumpen, die Öl- und Gasheizkessel ersetzen, und in Power-to-Gas-Technologien, also regenerativ erzeugtem Gas. "Wir engagieren uns für klimafreundliche Technologien, weil wir überzeugt sind, dass das entscheidend für die Zukunftssicherung unserer Arbeitsplätze ist", sagt Böttcher.

 

Vorreiter für gute Arbeit

Das sehen die Gewerkschaftsverbände im In- und Ausland genauso. Die Gewerkschaften der in der G7 zusammengeschlossenen westlichen Industrieländer machen auf der Konferenz in Bonn deutlich, dass sie die Klimaziele des Pariser Abkommens unterstützen. Allerdings betonen sie auch, dass der Strukturwandel "gerecht" gestaltet werden muss: Er darf nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen, sondern in diesem Prozess müssen sichere und menschenwürdige Arbeitsplätze erhalten werden oder neu entstehen. Dazu bedarf es aus Sicht der internationalen Gewerkschaftsverbände einer klugen Innovations-, Investitions- und Qualifizierungsoffensive. Die G7-Länder, fordern sie, sollen dabei eine Vorreiterrolle übernehmen.

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