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Bundestagswahl_2017

© Fotolia/Christian Müller

Metallerinnen und Metaller nach der Bundestagswahl

"Das fordern wir von einer neuen Regierung"

21.11.2017 Ι Digitalisierung, Fortbildung, Arbeitszeit: Für eine neue Regierung - wie immer sie aussehen wird - gibt es viel zu tun. Wir haben Metallerinnen und Metaller gefragt, was ihnen besonders wichtig ist.

Ayse Harman, Vertrauensfrau bei Procter & Gamble, Berlin:

"Eine neue Regierung sollte Tarifbindung und Mitbestimmung stärken. Für Weiterbildung brauchen Betriebsräte ein Initiativrecht. Werden Firmenteile ausgegliedert, müssen Tarifverträge weiter gelten. Betriebsräte sollten mitbestimmen, wenn Arbeit an Fremdfirmen vergeben wird. Dasselbe gilt für Arbeitszeitfragen. Als Vertrauensfrau weiß ich: Gute Personalplanung gibt es nur mit Betriebsrat. Und wenn eine Branche im Umbruch ist, sollte Kurzarbeitergeld den Übergang in die digitale Arbeitswelt erleichtern."


Detlef Decho, Betriebsrat bei Airbus in Bremen und Selbstverwalter bei der Techniker Krankenkasse:

"Das größte Thema bei der Krankenversicherung ist die ungerechte Lastenverteilung: Die Krankenkassenbeiträge der Arbeitgeber sind gedeckelt, die Beschäftigten müssen steigende Zusatzbeiträge schultern. Wir müssen wieder zur Fifty-fifty-Finanzierung zurück. Beide Seiten sollen die Hälfte zahlen. Die Unternehmen können sich das locker leisten, die Wirtschaft brummt. Außerdem sind die Arbeitsbedingungen oft mit dafür verantwortlich, dass Menschen krank werden. Es ist also nur fair, wenn die Unternehmen die Hälfte der Gesundheitskosten ­tragen. Die Selbstverwaltung bei der gesetzlichen Sozialversicherung muss gestärkt werden. Und ­Präventionsmaßnahmen, die der gesamten Bevölkerung zugutekommen, dürfen nicht vor allem von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden."
 

Kristin Oder, Jugend- und Auszubildendenvertreterin bei VW Sachsen in Zwickau:

"Die neue Regierung muss sich dringend mit den Themen Bildung und Ausbildung beschäftigen. Als JAVi will ich Antworten auf die großen Zukunftsfragen: Wohin bewegt sich diese Welt? Wie gehen wir mit der Digitalisierung und der Industrie 4.0 um? Wie zukunftssicher sind meine Ausbildung und der Job danach? Zur Umsetzung neuer Berufsbilder braucht es die IHK und Impulse von der Regierung, die Druck auf die Wirtschaft ausüben sollte. Die Unternehmen müssen mehr ausbilden. Auch hier sollte die neue Regierung den Finger in die Wunde legen. Für die jungen Fachkräfte und älteren Kollegen muss es Angebote zur Weiterbildung und Qualifizierung geben. Und: Die Befristung von Arbeitsverträgen ohne sachlichen Grund gehört abgeschafft. Das geht gar nicht. Gerade junge Leute werden heute oft nur befristet eingestellt. Wie sollen sie da an Lebensplanung oder Familie denken?"
 

Bernd Feuerpeil, Betriebsratsvorsitzender Aleris Rolled Products Germany, Koblenz:

"Eine neue Regierung sollte die Finger von der Rente ab 63 lassen. Die gehört nicht abgeschafft, sondern ausgebaut: Belastete Arbeitnehmer, zum Beispiel Schichtarbeiter, sollten grundsätzlich nach 45 Beitragsjahren in Rente gehen können. Das Rentenniveau muss stabilisiert und danach wieder erhöht werden. Die Rente ist sonst immer weniger wert. Die jetzige Rentenpolitik verschärft das Problem. Wer sein Leben lang gearbeitet hat, muss im Alter ein gutes Auskommen haben. Alle Erwerbstätigen sollten in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen - auch Selbstständige, Beamte und Politiker. Außerdem muss die Erwerbsminderungsrente verbessert werden. Oft können Kollegen eigentlich nicht mehr arbeiten, können aber nicht aufhören, weil das Geld nicht zum Leben reichen würde."
 

Sabine Pfleghar, Betriebsrätin bei ZF Friedrichshafen:

"Wir brauchen modernere Arbeitszeiten. Dazu muss auch eine neue Regierung ihren Teil beitragen. Die Menschen brauchen ein Recht auf ausreichend lange Pausen und Ruhezeiten. Arbeiten rund um die Uhr geht nicht. Bei uns im Betrieb hängen viele Frauen in der Teilzeitfalle fest. Sie würden gerne mehr arbeiten, dürfen aber nicht. Hier muss ein Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit her. Arbeitszeiten müssen zur jeweiligen Lebensphase passen - ohne Risiko. Wichtig wäre auch ein Entgeltzuschuss für alle, die ihre Arbeitszeit für Pflege oder Kindererziehung reduzieren. Das sind Aufgaben, von denen die ganze Gesellschaft profitiert."

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