IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Textil_Blick_in_die_Branche_120Pix

Textil-Tarifrunde 2012: Blick in die Branche

Innovativ und fair - zwei Seiten einer Zukunftsbranche

02.11.2012 Ι Die Textil- und Bekleidungsindustrie zählt mit ihren innovativen Produkten zu den Zukunftsbranchen. Deshalb sind für sie das Know-How ihrer Fachkräfte unverzichtbar. Die könnten allerdrings der Branche bald den Rücken kehren, sollte sie es nicht schaffen, ihr schwaches Image mit guten Löhnen und guten Jobs aufzupolieren.
Nach wie vor zählt die Textil- und Bekleidungsindustrie zu den wichtigsten Konsumbranchen in Deutschland. Sie beschäftigt im Westen rund 120 000 Arbeitnehmer. Für sie verhandelt die IG Metall zur Zeit über einen neuen Tarifvertrag.

Über die Hälfte des Bedarfs an Heimtextilien und Bekleidung wird hierzulande hergestellt oder zu Heim- und Haustextilien weiterverarbeitet. Durch neue Nischenprodukte und qualitativ hochwertige Segmente haben sich deutsche Firmen international einen Platz in der ersten Reihe gesichert. Begehrt sind vor allem die technischen Textilien "made in Germany". Die Gewebe, Vliese und Filze für Isolation, Dichtung oder Arbeitsschutz sind globale Spitzenreiter und genießen den Ruf höchster innovativer Qualität. Ihr Anteil macht inzwischen die Hälfte der deutschen Textilproduktion aus.

Deutsche Bekleidungsbetriebe konnten im ersten Halbjahr 2012 ihre Umsätze erneut um vier Prozent auf 3,4 Milliarden Euro steigern. Und selbst in Europa sind trotz Eurokrise die Umsätze um 3,8 Prozent gestiegen. Keine Frage - die Textil- und Bekleidungsindustrie hat sich zu einer Zukunftsbranche gemausert. Damit die Firmen im globalen Wettbewerb jedoch weiter mithalten können, müssen sie das Know-How ihrer Beschäftigten halten und ausbauen. Das gelingt aber nur, indem sie ihre Mitarbeiter wertschätzen, die äußerst flexibel und hochqualifiziert gute Arbeit leisten.

Lohnkostenanteil besonders niedrig
Die Lohnquote, also der Anteil der Entgelte am Umsatz, beträgt in der Textilindustrie nur 17,2 Prozent, in der Bekleidungsindustrie sogar nur 13,7 Prozent. Deutlich stärker ins Gewicht fallen der Material- und Energieverbrauch. Mit fast 60 Prozent am Umsatz schlägt er bei den Textil- und Bekleidungsproduzenten zu Buche.

Zur Zeit machen die Energiekosten laut Verband textil & mode den Unternehmen zu schaffen. Der Verband verweist dabei auf die steigenden Kraftstoff- und Logistikkosten sowie die EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz). Das brachte die Arbeitgeber auf die absurde Idee, in der Tarifrunde die Energiekosten mit der Lohnerhöhung verrechnen zu wollen. Dabei machen diese weniger als vier Prozent am Materialverbrauch aus - konstatiert das Statistische Bundesamt. In der Bekleidungswirtschaft liegt der Energiekostenanteil sogar unter einem Prozent.

Die IG Metall findet solche abstruse Kompensationsfantasien unredlich. Statt endlich ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen, "wollen sie den Beschäftigten die steigenden Energiekosten von der Entgelterhöhung abziehen", kritisiert Michael Jung, der für die IG Metall die Verhandlungen führt.

Dabei hätte es die Branche nötig, ihr schwaches Image endlich mal aufzupolieren. Geringe Einkommen und unsichere Jobs wirken da eher kontraproduktiv. Vor allem Fachkräfte sind damit nicht zu halten, geschweige denn, den Nachwuchs zu sichern. Und auf den sind die Betriebe angewiesen, wenn sie weiterhin den Ruf einer Zukunftsbranche genießen wollen.

Privater Konsum muss steigen

Doch nicht nur deshalb sind höhere Löhne ein Muss. Sie stärken auch die Binnennachfrage. Denn: Die Krise in der Eurozone zeigt deutlich, dass die deutsche Industrie auf einen nachhaltigen exportgetriebenen Aufschwung nur bedingt hoffen kann. Deshalb muss der private Konsum endlich aus dem Schattendasein der letzten Jahre heraus. Das funktioniert nur mit mehr Geld in den Taschen der Beschäftigten. Fünf Prozent mehr Einkommen sind deshalb nicht nur sozial gerechtfertigt, sondern volkswirtschaftlich sinnvoll. Und für die Betriebe bezahlbar.

Die IG Metall bleibt dabei: Nicht billiger und der Wettlauf um niedrige Löhne stützen die Wirtschaft und machen deutsche Firmen wettbewerbsfähig, sondern
  • bessere Produkte,
  • effektive und schnelle Wege,
  • gezielte Dienstleistung,
  • Qualifizierung und Innovation und
  • die Bewältigung des demografischen Wandels.


Beim letzten Punkt hatten sich beide Seiten im Tarifabschluss von 2011 verpflichtet, bis Ende Oktober 2012 die Altersteilzeit und die Übernahme der Auszubildenden tariflich zu regeln. "Es ist jetzt höchste Zeit, neben einer kräftigen Lohnerhöhung die Übernahme der Ausgebildeten und die Altersteilzeit zu regeln. Nur damit wird die Textil- und Bekleidungsindustrie attraktiver und bleibt zukunftsfähig", betont Michael Jung.

Sollten die Arbeitgeber sich auch bei der dritten Runde am 6. November in Bocholt noch immer nicht bewegen, sind ab 8. November Warnstreiks möglich.

Tarif

Lohn, Gehalt und mehr.

Links und Zusatzinformationen


Tarifabschluss Textil Ost
am 19. April 2013: 60 Euro mehr im April 2013. Ab Mai gibt es für die nächsten 14 Monate ein Plus von 3 Prozent, dann noch einmal 2,6 Prozent mehr.
Textil-Tarifrunde
Textil-Tarifrunden
Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

Servicebereich