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Tarifrunde Stahl 2010: Oliver Burkhard zur Begründung der Tarifforderung

Tarifrunde Stahl 2010: Oliver Burkhard zur Begründung der Tarifforderung

Die Formel lautet: Mehr ist fair.

27.08.2010 Ι Die Tarifkommission hat die Forderung für die kommende Stahltarifrunde beschlossen: sechs Prozent mehr Geld, faire Leiharbeit und bessere Arbeitsbedingungen für Ältere. Oliver Burkhard, IG Metall-Bezirksleiter für NRW, erklärt im Interview, warum diese Forderungen in der ersten Tarifrunde der Nachkrisenzeit für die Menschen richtig sind.

Am 27. August 2010 hat die Tarifkommission Stahl der IG Metall ihre Forderung aufgestellt. Was genau wollt ihr durchsetzen?
Der Schwerpunkt dieser Tarifrunde liegt beim Thema Geld. Wir fordern, dass die Entgelte um sechs Prozent erhöht werden, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem wollen wir, dass Leiharbeit erstmals in einem Flächentarifvertrag geregelt wird. "Gleiche Arbeit - gleiches Geld" muss der Grundsatz sein. Und wir wollen den demographischen Wandel in den Betrieben gestalten. Gerade einmal ein halbes Prozent der Beschäftigten in der Stahlindustrie ist 63 oder älter. Wir wollen die Arbeitsbedingungen für Ältere verbessern und Möglichkeiten zum Einstieg für junge Beschäftigte schaffen.

Das Gegenargument zu Lohnerhöhungen ist derzeit mal wieder, dass damit der Aufschwung gefährdet würde. Stimmt das?
Wenn es nach ein paar Kommentatoren geht, passen Lohnerhöhungen nie: In der Krise nicht, weil kein Geld da ist. Im Aufschwung nicht, weil sonst das Geld für Investitionen fehlt. Das ist alles Unfug. Wir haben in der Krise im Konsens mit den Arbeitgebern dafür gesorgt, dass Arbeitsplätze erhalten geblieben sind und zumindest die Einkommen gesichert. Jetzt im Aufschwung geht es darum, dass auch die Beschäftigten vom Profit profitieren. Unsere Formel lautet: Mehr ist fair. Es wäre wirklich bedauernswert, wenn die Arbeitgeber zu Beginn des Aufschwungs den Konsens wieder aufkündigen, mit dem wir gemeinsam gut durch die Krise gekommen sind.

Die Stahlarbeitgeber wollen nicht, dass Leiharbeiter gleich bezahlt werden, wie Stammbeschäftigte. Leiharbeit sei gar kein Thema in der Branche, weil nur rund drei Prozent Leiharbeiter seien. Warum ist es trotzdem wichtig, gleiches Geld für gleiche Arbeit durchzusetzen?
Richtig ist: Leiharbeit wird in der Stahlindustrie nicht so intensiv eingesetzt wie in anderen Bereichen. Wir sagen: Leiharbeit kann durchaus ihre Berechtigung haben, um zum Beispiel Auftragsspitzen abzufangen. Aber sie darf nicht missbraucht werden, um dauerhaft eine Personalpolitik der untersten Linie zu betreiben oder einen Niedriglohnsektor im Betrieb zu etablieren. Deshalb müssen Beschäftigte in Leiharbeit so bezahlt werden wie Stammbeschäftigte. In den meisten Betrieben der Stahlindustrie ist das bereits in Betriebsvereinbarungen geregelt. So schlimm kann der Grundsatz "Gleiche Arbeit - gleiches Geld" also gar nicht sein. Der Gerechtigkeit halber sollten wir ihn im Flächentarifvertrag festschreiben.

Im derzeit geltenden Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie ist festgelegt, dass die für April 2011 vereinbarte Lohnerhöhung von 2,7 Prozent um zwei Monate vorgezogen werden kann. In welchen Fällen ist das sinnvoll und wie geht das vor sich?
Wir haben uns mit den Arbeitgebern geeinigt, dass die Tariferhöhung um zwei Monate nach vorne oder nach hinten verschoben werden kann. Ausschlaggebend ist die wirtschaftliche Lage im Betrieb. Sie muss von den betrieblichen Akteuren bewertet werden. Betriebsrat und Unternehmen können sich in einer freiwilligen Betriebsvereinbarung auf eine Verschiebung einigen. Wenn keine Einigung zustande kommt, bleibt es bei dem Erhöhungstermin zum 1. April 2011.

Was können die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen tun, damit auch sie am Aufschwung beteiligt werden?
Wenn sie es noch nicht sind: Mitglied der IG Metall werden. Die anlaufende Stahl-Tarifrunde zeigt: Geschenkt bekommen wir von den Arbeitgebern gar nichts. Wie gut wir unsere Forderungen durchsetzen können, hängt in erster Linie davon ab, wie viel Druck wir entfalten können. Und das heißt: Je stärker wir im Betrieb sind, desto mehr können wir auch gemeinsam erreichen.

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