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Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie. Foto: IG Metall

Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie

IG Metall-Vorstand empfiehlt bis zu 6,5 Prozent

07.02.2012 Ι Bis zu 6,5 Prozent höhere Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen - für eine Laufzeit von zwölf Monaten. Diese Entgeltforderung empfiehlt der IG Metall-Vorstand den regionalen Tarifkommissionen für die Metall-Tarifrunde. Das ist wirtschaftlich machbar und die Menschen haben es verdient.

In den vergangenen Wochen haben die Mitglieder der IG Metall in den Betrieben intensiv diskutiert, um wie viel Prozent die tariflichen Entgelte in der Metall- und Elektroindustrie steigen sollen. Heute hat der Vorstand der IG Metall darüber beraten - und ist zu dem gleichen Ergebnis gekommen.

In der Metall- und Elektroindustrie sind rund 3,6 Millionen Menschen beschäftigt. Die derzeitigen Entgelt-Tarifverträge laufen Ende März aus.


Sichere Perspektiven für Junge

Zwei weitere Forderungspakete für die anstehende Tarifrunde hatte der Vorstand schon im September 2011 beschlossen: Eines betrifft die Jugend. Die IG Metall will die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung zur Regel machen. "Wir wollen sichere Berufsperspektiven für junge Menschen", erklärte Berthold Huber, der Erste Vorsitzende der IG Metall, heute in einer Pressekonferenz. Außerdem will die IG Metall die Ausbildungsfähigkeit benachteiligter Jugendlicher fördern. Firmen sollen lernschwächeren Jugendlichen eine Chance geben und sie vor der Ausbildung ein Jahr lang im Betrieb darauf vorbereiten.


Fairness für Leiharbeitnehmer

Beim zweiten Forderungspaket geht es um "faire Bedingungen in der Leiharbeit". Die IG Metall will mit den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie vereinbaren, dass Betriebsräte, also die Interessenvertreter der Beschäftigten in den Firmen, mehr Mitbestimmungsrechte erhalten. Sie sollen darüber mitreden, ob, wo, wie lange und in welchem Umfang Leihbeschäftigte eingesetzt werden.

Berthold Huber verkündet auf der Pressekonferenz die Forderungsempfehlung des IG Metall-Vorstandes


Wirtschaft ist stabil

"Die wirtschaftliche Lage in der Metall- und Elektroindustrie ist heute zum Glück besser als wir im Herbst noch befürchtet hatten", sagte Huber. Die Metallbranchen stünden "stabil da". Die deutsche Wirtschaft könne auf ein "bemerkenswert gutes Jahr 2011" zurückblicken. Für 2012 "rechnen wir im ersten Quartal mit einem stagnierenden Wachstum und danach mit einer spürbaren Belebung".

Doch auch wenn die IG Metall keinen Kriseneinbruch wie in 2009 erwartet: Das wirtschaftliche Umfeld bleibt unsicher, weil die Risiken aus der Krise der Finanzmärkte und der Verschuldungskrise der Staaten in Europa nach wie vor nicht bewältigt sind.


Neue Herausforderungen

Schon seit einiger Zeit entwickelt sich die Wirtschaft wechselhafter. Die Konjunkturzyklen werden kürzer und unberechenbarer. Auf diese Veränderungen müssen die Tarifparteien eine Antwort geben. Die sieht die IG Metall in einer "mittelfristigen und verlässlichen Tarifpolitik". Verlässlichkeit bedeutet, gegenüber dem Tarifpartner, den Arbeitgebern, vertragstreu zu sein und nicht während der Laufzeit eines gemeinsam vereinbarten Tarifvertrags "Nachforderungen" zu stellen. Verlässlichkeit bedeutet aber auch, den Mitgliedern der IG Metall einen fairen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg zu verschaffen.

Mittelfristige Tarifpolitik

Mittelfristig heißt: Bei der Höhe der Forderung orientiert sich die IG Metall, wie in der Vergangenheit, am Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktivität und der Preise. Beides zusammengerechnet bildet den so genannten "verteilungsneutralen Spielraum". Dieser Spielraum und die Entgelterhöhungen müssen sich mittelfristig parallel entwickeln.
Darum berücksichtigt die IG Metall nicht nur die für dieses Jahr prognostizierten wirtschaftlichen Daten, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung nach dem letzten Tarifabschluss. Den hatte die IG Metall im Februar 2010 unterschrieben. Damals steckte die Wirtschaft noch mitten in der tiefsten Krise der Nachkriegszeit. Über 600 000 Beschäftigte standen in Kurzarbeit. Ein Ende der Krise war nicht in Sicht. In dieser Situation entschied sich die IG Metall für eine relativ lange Laufzeit des Tarifvertrags. "Damit", erklärt Huber, "haben wir für stabile Arbeitsplätze und Planungssicherheit der Unternehmen gesorgt".

2010 war aber nicht damit zu rechnen, dass sich 2011 zu einem wirtschaftlich so erfolgreichen Jahr für die Metall- und Elektroindustrie entwickeln würde. "Die guten Ergebnisse kennen auch die Belegschaften, die diesen Erfolg möglich gemacht haben", sagt Huber. "Sie haben eine faire Einkommenserhöhung redlich verdient." Darum müsse das gute Jahr 2011 jetzt bei der Höhe der Forderung mitbetrachtet werden. "Wer diese berechtigten Ansprüche mit Begriffen wie "Nachforderung" zu diskreditieren versucht, wie es die Arbeitgeber zum Teil tun, hat die tarifpolitischen  Notwendigkeiten in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit nicht verstanden", erklärt Huber.

Tarif

Lohn, Gehalt und mehr.

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Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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