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Tarifbindung: ZF TRW in Laage

Tief im Osten: Wie sich eine Belegschaft selbst beschenkt

18.01.2017 Ι Sie bauen Airbag-Teile für modernste Autos. Doch ihre Arbeitsbedingungen waren für ein modernes Unternehmen wenig zufriedenstellend. Jetzt haben die Beschäftigten beim Zulieferer ZF TRW einen Tarifvertrag. Wie es dazu kam.

Es ist eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte: Als das TRW-Werk in Laage bei Rostock 1996 startete, arbeiteten dort knapp 100 Menschen. Heute produzieren dort mehr als 660 Beschäftigte Gasgeneratoren für Auto-Airbags.

 

Das Werk hat sich entwickelt. Doch die Arbeitsbedingungen entwickelten sich lange Zeit nicht mit. Der Betrieb hatte keinen Tarifvertrag. Entsprechend hoch war der Abstand zum Flächentarifvertrag - zum Beispiel bei Bezahlung und Arbeitszeiten.

 

Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum haben sich die Beschäftigten nun ein Geschenk gemacht: Seit diesem Monat gilt ein Haustarifvertrag bei ZF TRW in Laage - so heißt der Standort, seit die ZF Friedrichshafen AG den amerikanischen TRW-Konzern 2015 übernommen hat.

 

Die Folgen der Tarifbindung: Die Arbeitszeit sinkt schrittweise von 40 auf 38 Stunden pro Woche, für ältere Beschäftigte wird die Möglichkeit von Altersteilzeit eingeführt. Und vor allem: Für die Bezahlung gilt ein neuer Entgeltrahmen entsprechend dem Entgeltrahmenabkommen (ERA).

 

Bereits im Vorfeld der Tarifverhandlungen gelang es, die unteren Entgelte von 1950 Euro auf ein Minimum von 2200 Euro anzuheben. Mit der ERA-Einführung wird ein Großteil der Beschäftigten zusätzlich profitieren - durch sogenannte Anpassungsbeträge.

 

Tarifvertrag - warum gerade jetzt?

Der Schlüssel zum Erfolg: Ein hoher Organisationsgrad der Belegschaft. In der Produktion sind derzeit rund 65 Prozent der Beschäftigten Gewerkschaftsmitglieder. Damit können sie aus einer Position der Stärke über ihre Arbeitsbedingungen verhandeln.

 

"Angefangen haben wir mit nicht einmal 30 Mitgliedern", berichtet der Rostocker IG Metall-Bevollmächtigte Stefan Schad, der den Betrieb betreut. Doch immerhin gab es bereits einen Betriebsrat. Mit dem traf sich der Metaller im vergangenen Jahr. "Dabei haben wir klar gemacht: Der wichtigste Job ist die Mitgliedergewinnung", sagt Schad.

 

In den Monaten darauf warben Betriebsräte und Metaller zahlreiche neue Gewerkschaftsmitglieder. Parallel gab es Aktionen der IG Metall vor dem Werkstor. "Dort haben wir die Beschäftigten über den Flächentarifvertrag informiert und ihnen gezeigt, wieviel besser sie mit Tarifvertrag dastehen würden." Am Ende war die Belegschaft stark genug organisiert, um ZF TRW zu Tarifverhandlungen aufzufordern.

 

Planungssicherheit für beide Seiten

Ein Selbstläufer war die Mitgliederwerbung nicht. "Vielen Beschäftigten wurde nahegelegt, lieber nicht in die Gewerkschaft zu gehen", sagt Metaller Schad. "Der Arbeitgeber hat indirekt mit der Verlagerung des Unternehmens gedroht. Angeblich seien die Kosten mit Tarif zu hoch." Ein vorgeschobenes Argument, wie sich herausstellte.

 

Nachdem der Tarifabschluss stand, waren aus dem Unternehmen andere Töne zu hören: "Der Abschluss des Haustarifvertrags ist eine gute Basis für die weitere Entwicklung unseres Standorts", sagte Stephan Gappa, Werkleiter von ZF TRW in Laage. "Er ermöglichst uns, die Personalkosten verlässlich zu planen und gleichzeitig das Arbeitsentgelt für unsere Mitarbeiter noch attraktiver zu gestalten."

 

Sprich: Die Beschäftigten werden nun angemessen am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beteiligt. Sie haben ihre eigene Erfolgsgeschichte geschrieben.

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Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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