Vestas-Beschäftigte wollen Tarif
Warnstreiks bei Windradbauer Vestas

Erneuerbare Energie muss auch sozial fair sein: Erneut haben die Beschäftigten beim Windenergieanlagenbauer Vestas bundesweit mit Warnstreiks Druck für einen Tarifvertrag gemacht. Vestas weigert sich seit Monaten, mit der gewählten Tarifkommission der IG Metall zu verhandeln.

7. September 20227. 9. 2022


Dritter Warnstreik beim Windkraftanlagenhersteller Vestas: Am Dienstag legten die Beschäftigten noch einmal bundesweit die Arbeit nieder. Für vier Stunden ging nichts mehr an den Servicestandorten, an Windparks, in Lagern, auf Baustellen und im Innendienst. Sogar bei Vestas in den Niederlanden gab es Solidaritätsaktionen.

Die IG Metall hatte die Warnstreiks letzte Woche gestartet. Am Montag ruhte die Arbeit bereits für drei Stunden.

Sie wollen endlich einen Tarifvertrag, haben eine Tarifkommission gegründet und ihren Arbeitgeber zu Verhandlungen aufgefordert. Doch ihr Arbeitgeber, der dänische Windanlagenkonzern Vestas, will nicht. Nach ersten Gesprächen erklärte die Geschäftsleitung dann im Juli: Nö. Kein Interesse an einem Tarif.

 

Masten wachsen immer höher, Arbeitsbedingungen nicht

Dabei ist die Arbeit bei Vestas hart. 700 der 1700 Beschäftigten sind Monteure an den bundesweiten Servicestandorten, die bei Wind und Wetter auf die Masten hochmüssen. Auch sie werden älter – und die Mühlen werden immer höher: 100, sogar 150 Meter.

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Doch die Löhne bei Vestas sind kaum gestiegen in den letzten Jahren. Urlaubs- und Weihnachtsgeld extra gibt es nicht. Und so etwas wie Geld in Zeit tauschen oder gar Altersteilzeit schon gar nicht.

„Ein Altersteilzeit-Modell wäre unseren älteren Kollegen viel wert“, erklärt Betriebsrat Nico Ackermann, der als Servicetechniker in Barleben bei Magdeburg arbeitet. „Aber auch den jüngeren ist der Tarif wichtig. Was bringt es Dir, wenn Dir Vestas mit einem Bonus winkt, aber Du dann abhängig von Vorgesetzten bist, die planen und Dich beurteilen. Und dann schaffst Du es nicht. Du kannst nie sicher sein, wie viel Geld Du bekommst. Ein Tarifvertrag jedoch ist nachhaltig und sicher.“

 

Fachkräfte für Energiewende – nur mit Tarif

Das kategorische Nein ihrer Firma zum Tarifvertrag wollen sie nicht länger akzeptieren. Nach anfangs noch geheimen Treffen sind in den letzten Monaten hunderte Beschäftigte in die IG Metall eingetreten.

„Viele Kollegen gehen schon weg, weil sie woanders bessere Arbeitsbedingungen finden“, warnt Werner Gorke, Betriebsrat am Service- und Vertriebsstandort Husum. Er wundert sich, wie die Geschäftsleitung so den wachsenden Fachkräftebedarf durch die Energiewende decken will. „Wir können jetzt schon Aufträge nicht erfüllen. Wenn ich Marktführer bleiben will, dann brauche ich einen Tarif.“

Die Windbranche wird eine Schlüsselrolle einnehmen beim Umbau der Strom- und Energieversorgung. Aber die Energiewende muss auch sozial fair sein, mit Tarif, fordert Verhandlungsführer Martin Bitter, Geschäftsführer der IG Metall Rendsburg. „Wir haben viele hundert sehr engagierte Kollegen bei Vestas, die in luftiger Höhe schwer arbeiten. Wer Fachkräfte für die Energiewende will, muss ihnen als Arbeitgeber auch den Respekt zeigen, den sie verdienen – und ihnen auf Augenhöhe begegnen.“

Die Tarifkommission bei Vestas berät gerade über weitere Schritte. Die IG Metall erwartet die „Aufnahme ernsthafter und lösungsorientierter Tarifverhandlungen“.

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