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Stahlerzeugung in Deutschland

Krach im Revier

21.11.2011 Ι Noch immer liegt bei Stahl bisher kein Angebot auf dem Tisch. Dabei ist die Forderung der IG Metall nach 7 Prozent mehr Geld, einer verbesserten Altersteilzeit und unbefristeter Übernahme von Auszubildenden weder utopisch noch unbezahlbar. Die Generationenfrage bedarf dringend einer Antwort. Denn in kaum einer anderen Branche ist der Altersdurchschnitt so hoch wie in der Stahlindustrie.

Die Arbeit ist hart und die Arbeitsbedingungen meist belastend - nicht gerade Bedingungen, die junge Menschen in die Stahlbetriebe locken. Tatsächlich ist der Altersdurchschnitt der Belegschaften hoch. Etwa 30 Prozent der Beschäftigten sind 50 Jahre und älter. Deshalb gilt auch seit einigen Jahren bei Stahl ein Tarifvertrag zur "Gestaltung des demografischen Wandels". Dabei geht es auch darum, die Arbeitsbedingungen alters- und alternsgerecht zu gestalten. Trotzdem müssen mehr junge Menschen nachkommen. Deshalb verwundert es, dass sich die Arbeitgeber in der aktuellen Tarifrunde dagegen wehren, den Auszubildenden eine unbefristete Übernahme zu garantieren.

Dass die Generationsfrage dringend gelöst werden muss ist, ist den Beschäftigten längst klar. Deshalb stehen bei den Warnstreiks zur laufenden Tarifrunde Stahl auch Vertreter beider Generationen vor den Werktoren. Neben der unbefristete Übernahme nach der Ausbildung fordert die IG Metall auch verbesserte Möglichkeiten für den Erwerbsausstieg.


Die Eisen- und Stahlindustrie ist eine der ältesten Branchen in Deutschland. 2010 arbeiteten in den 22 deutschen Stahlwerken rund 80 000 Beschäftigte. Sie produzierten rund 44 Millionen Tonnen Stahl. Nicht nur in Autos, Schiffen und bei der Energieerzeugung wird Stahl verwendet. Windkrafträder bestehen zu einem Großteil aus Stahl und kein ICE könnte mit der Geschwindigkeit von 300 Kilometer in der Stunde fahren ohne Profile aus Stahl, die die Waggonkonstruktion halten. Zudem ist Stahl auch der Basisstoff für viele Dinge des täglichen Bedarfs im Haushalt und in der Medizintechnik.


Gewaltiger Strukturwandel

In der Branche wurde in den letzten Jahren ein gewaltiger Strukturwandel vollzogen. Heute konzentriert sich die Produktion auf wenige Standorte. Die meisten Stahlwerke liegen in Nordrhein-Westalen, Niedersachsen, Brandenburg und dem Saarland. Die wichtigsten Stahlkonzerne sind ThyssenKrupp, Salzgitter AG, ArcelorMittal und die Stahlwerke in Völklingen und Dillingen. Die deutsche Stahlbranche erbringt knapp ein Viertel der Rohstahlproduktion der EU 27. Sie ist größter Produzent vor Italien, Spanien und Frankreich. Weltweit belegt Deutschland Platz sieben hinter China, Japan und den USA.


Vor 30 Jahren produzierten noch 288 000 Beschäftigte rund 44 Millionen Tonnen Rohstahl. Heute arbeitet nur noch ein Bruchteil der Beschäftigten in den deutschen Stahlunternehmen. Diese enorme Produktivitätssteigerung war nur durch technische Innovationen möglich. Mit dieser Innovationsfähigkeit will die Branche nun aktuell auch einen Beitrag zur Energiewende in Deutschland beitragen. Stahl wird in der Öffentlichkeit nicht gerade mit Umweltfreundlichkeit verbunden, doch tatsächlich wird Stahl kaum anderswo so umweltfreundlich wie in Deutschland erzeugt. In Indien liegen die Emissionen fast um die Hälfte höher als in Deutschland. Deshalb setzt sich die IG Metall dafür ein, dass Stahl auch weiterhin in Deutschland produziert wird. Standortverlagerungen sind daher nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus beschäftigungspolitischer Sicht problematisch. Denn an der Weiterverarbeitung von Stahl hängen in Deutschland rund 3,5 Millionen Arbeitsplätze. Bei einer Verlagerung der Stahlproduktion könnte bald die weiterverarbeitende Industrie folgen. Zudem werden nur 3,2 Prozent der gesamten Weltstahlproduktion in Deutschland hergestellt.


Verhandeln auf Augenhöhe

Aber auch in anderer Hinsicht ist die Stahlbranche bedeutsam. In den Unternehmen der Stahl- und Eisenindustrie wird die Montanmitbestimmung angewandt. In der Vergangenheit konnten häufig viele soziale Konflikte vermieden werden. Im Gegensatz zum Mitbestimmungsgesetz von 1976 hat die Arbeitgeberseite kein Doppelstimmrecht. Kommt es zu Pattsituationen, dann kann diese nur ein Neutraler lösen. Zudem darf der Arbeitsdirektor im Vorstand nicht gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat berufen werden.

 

Unabhängig von dem gegenwärtigen Tarifkonflikt: In Fragen der betrieblichen Mitbestimmung wird in den Stahlunternehmen eine Streitkultur des Ausgleichs der Interessen gelebt. Hier begegnen sich Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter auf Augenhöhe.

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