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© Heiko Stumpe

Stahl-Aktionstag am 9. November

Stahl-Beschäftigte fahren nach Brüssel

07.11.2016 Ι Schicksaljahr für die deutsche Stahlindustrie: Dumping-Importe und EU-Auflagen könnten die Branche ruinieren. Am 9. November ziehen deshalb Stahl-Beschäftigte aus ganz Europa durch die Brüsseler Innenstadt.

Wenn die Stahlkolleginnen und -kollegen von Arcelor-Mittal in Eisenhüttenstadt am 9.November in die Busse steigen, haben sie einen weiten Weg vor sich: quer durch Deutschland und noch weiter, fast 900 Kilometer. Frühestens 30 Stunden später werden sie wieder zu Hause sein. Ihre Tour ist kein Betriebsausflug, es geht um eine ernste Sache: ihre Zukunft.

 

Sie und Tausende weitere Stahlwerker aus allen deutschen Regionen mit Stahlstandorten wollen in Brüssel für den Erhalt der europäischen Stahlindustrie demonstrieren und Vertretern der Europäischen Kommission 100 000 Unterschriften übergeben, die sie zurzeit sammeln. "Das Herz aus Stahl muss weiter schlagen" ist ihr Motto - das Herz, das den Grundstoff liefert für die anderen großen Branchen, die ihn weiterverarbeiten.

 

Im Video: Warum die Stahl-Beschäftigten protestieren

 

"Riesige Sorgen"

Es ist nicht der erste Protest. Schon Seit mehr als einem Jahr sind die Stahlwerker aktiv. Im April gingen etwa 45 000 auf die Straße. "Wir machen uns riesige Sorgen", sagt Holger Wachsmann, Betriebsratsvorsitzender in Eisenhüttenstadt. Es ist zu viel Stahl im Angebot und China beliefert den europäischen Markt mit Stahl zu Dumpingpreisen. "Bei dem zurzeit herrschenden Preisdruckwird nicht genug verdient, um notwendige Investitionen zu tätigen", sorgt sich Wachsmann. Alle Unternehmen sind betroffen.

 

Auch die Dillinger Hütte im Saarland. Deren Betriebsratsvorsitzender Michael Fischer sagt: "Die Europäische Union soll zum Stahl stehen. Gegen ruinöse Dumpingpreise muss sie Strafzölle verhängen, die auch etwas bewirken." Die USA schlagen bis 250 Prozent auf Importstahl auf, die EU nur 18 Prozent. Zu wenig, um sich gegen Dumpingstahl behaupten zu können.

 

Sorgen macht auch der Emissionsrechtehandel. Die EU-Kommission hat Änderungen geplant, die die Stahlbetriebe mit mehr als einer Milliarde Euro zusätzlich belasten würden. Darum fordern Stahlwerker und IG Metall: Wie bisher sollen die 10 Prozent effizientesten Anlagen, die am wenigsten Kohlendioxid emittieren, die Emissionszertifikate weiter kostenlos erhalten.

 

Auf gutem Weg

Sie hatten noch eine dritte Forderung, bei der ihre Aktionen schon Früchte getragen haben: Für selbst erzeugten Strom in bestehenden Anlagen müssen Stahlbetriebe auch in Zukunft keine EEG-Umlage zahlen. Damit bleiben ihnen Millionenkosten erspart.

 

Aber auch bei den Themen Dumping und Emissionsrechte ist in der EU Bewegung in die Debatte gekommen. Mit ihrem Aktionstag in Brüssel wollen die Stahlwerker nochmal ein deutliches Zeichen setzen. Setzen sie ihre Forderungen durch, hat sich auch die 900-Kilometer-Reise der Eisenhüttenstädter allemal gelohnt.

Mehr zum Thema und eine Unterschriftenaktion für die Stahlindustrie gibt es hier.

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